Deutsche-Börse-Fotopreis 2015 54 Etagen Slum

Es ist der höchste Wolkenkratzer in Afrika - und einer der gefährlichsten: Ein Fotoband über den Ponte Tower in Johannesburg hat den Fotopreis der Deutschen Börse gewonnen.

Mikhael Subotzky, Patrick Waterhouse/ Courtesy Goodman Gallery

Mitten in Johannesburg ragen 173 Meter südafrikanischer Geschichte in den Himmel: Ponte City, das höchste Apartment-Hochhaus in Afrika, ist ein Sinnbild für die bewegte Historie des Landes; für Apartheid, für Verfall, für Reformen. 470 Apartments auf 54 Etagen, in denen seit den Siebzigerjahren mal die weißen "Arrivierten", mal Banden hausten. Sogar ein Umbau zum Gefängnis war mal geplant, diese Idee wurde aus Imagegründen aber verworfen.

Die jungen Fotografen Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse haben sich den Ponte-Tower genau angesehen - und seine Geschichte und Gegenwart in einem im Steidl-Verlag erschienenen Fotoband abgebildet, der nun mit dem "Deutsche Börse Photography Prize" ausgezeichnet worden ist. Der 1996 von der "Photographers' Gallery" in London ins Leben gerufene Preis, dessen Sponsor seit zehn Jahren die Gruppe Deutsche Börse ist, zeichnet bedeutende Beiträge zur zeitgenössischen Fotografie aus.

"Ponte City" ist nicht das einzige Fotoprojekt unter den diesjährigen Nominierten gewesen, das sich mit Südafrika befasst: Zanele Muholi, die sich selbst als "visuelle Aktivistin" bezeichnet, zeigt mit ihrer Veröffentlichung "Faces and Phases 2006 - 2014" (Steidl) Fotos aus ihrer Heimat, die die schwarze LGBT-Bewegung nach Ende der Apartheid abbilden.

Außerdem nominiert waren der russische Fotograf Nikolai Bakharev für seine Bilder von Badenden an Stränden in seinem Heimatland, die verdeutlichen, wie Privatheit und Öffentlichkeit verschwimmen, und die Niederländerin Viviane Sassen für ihre Ausstellung "Umbra", die abstrakte Fotografien, Zeichnungen und Lichtinstallationen umfasste.

Die Arbeiten der vier nominierten Künstler wurden zunächst in einer Ausstellung in der Londoner "Photographer's Gallery" gezeigt. Jetzt kommen sie nach Deutschland und werden vom 20. Juni bis 20. September 2015 im Frankfurter Museum für Moderne Kunst zu sehen sein.

skr

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