Deutsche Oper Intendant Götz Friedrich gestorben

Nach kurzer, schwerer Krankheit starb Götz Friedrich, Regisseur und Generalintendant der Deutschen Oper Berlin, im Alter von 70 Jahren in Berlin.


Seine "Zeittunnel"- Inszenierung machte ihn berühmt: Götz Friedrich
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Seine "Zeittunnel"- Inszenierung machte ihn berühmt: Götz Friedrich

Berlin - Er war seit 1981 Generalintendant der Oper an der Bismarckstraße. "Die Deutsche Oper verneigt sich vor ihrem Intendanten in tiefer Dankbarkeit und Trauer", heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Nachruf des Opernhauses. "Sein Leben war das Theater, die Bühne, die Probebühne. Daneben widmete er sich als Lehrer der Ausbildung junger Musiktheater-Studenten." Über seiner fast zwanzigjährigen Amtszeit habe das Leitmotiv gestanden "In jeder Kreatur ein Funke Gottes" aus Leos Janaceks Oper "Aus einem Totenhaus".

Der aus Naumburg stammende Friedrich war als Schüler Walter Felsensteins zunächst an der Komischen Oper in Ost-Berlin tätig und prägte seit 1981 die Deutsche Oper im Westteil der Stadt, die vom Sommer 2001 an von Udo Zimmermann geleitet werden soll. Friedrich war mit der amerikanischen Sopranistin Karan Armstrong verheiratet. Aus dieser Ehe stammt der 1984 geborenen Sohn Johannes. Aus seiner früheren Ehe mit der Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek stammt Sohn Alexander (geboren 1957).

Erst am vergangenen Freitag brachte Friedrich seine letzte Inszenierung heraus. An der Premiere der zeitgenössischen Kinderoper "Amahl und die nächtlichen Besucher" von Gian Carlo Menotti konnte er schon nicht mehr teilnehmen. Es sei nun sein Vermächtnis an die Opernbesucher von morgen, erklärte die Oper dazu.

Als "Dinosaurier" der Opernintendanten wurde Friedrich einmal beschrieben, doch selber sah er sich eher als "Don Quichotte", der sich mit viel Optimismus für die Zukunft der Oper einsetzte. Fast 20 Jahre arbeitete an der Komischen Oper in Ost-Berlin. Dort profilierte er sich als fantasiebegabter und stilsicherer Regisseur.

Im August 1973 holte ihn August Everding an die Hamburgische Staatsoper, 1976 folgte das Royal Opera House Covent Garden in London. Zu Friedrichs großen Erfolgen in Berlin zählten vor allem seine Inszenierungen von Janaceks "Aus einem Totenhaus" sowie sein "Ring des Nibelungen" - jene berühmte "Zeittunnel"-Inszenierung der Wagner-Tetralogie, die in Berlin und später auch in Tokio und Washington für Aufsehen sorgte. Zuvor hatte er - noch als Ost-Berliner Regisseur - mit einer spektakulären Inszenierung von Wagners "Tannhäuser" bereits 1972 bei den Bayreuther Festspielen für Furore gesorgt.



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