Deutsche Theater-Legende Inge Keller ist tot

Sie galt als Grande Dame des deutschen Theaters und war berühmt für ihre vornehme Haltung. Jetzt ist Schauspielerin Inge Keller mit 93 Jahren gestorben.

Inge Keller
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Inge Keller


Die Schauspielerin Inge Keller ist tot. Die Theaterschauspielerin starb im Alter von 93 Jahren in einem Berliner Pflegeheim. Keller sei friedlich eingeschlafen, teilte das Deutsche Theater Berlin unter Berufung auf Kellers Tochter Barbara Schnitzler mit.

Zur Zeit des geteilten Deutschlands galt Keller wegen ihrer vornehmen Haltung und ihrer feinen Sprache als "diensthabende Gräfin der DDR". Bereits mit 19 Jahren stand die im bürgerlichen Friedenau aufgewachsene Berlinerin auf der Bühne.

Keller arbeitete mit Regisseuren wie Wolfgang Langhoff, Peter Stein, Thomas Langhoff, Harry Kupfer, Robert Wilson, Einar Schleef und Michael Thalheimer zusammen. Das Fernsehen der DDR übertrug ihr wichtige Rollen. Sie spielte in "Gewissen in Aufruhr" (1961), "Kleiner Mann - Was nun?" (1967) und "Effi Briest" (1970).

"Ihr absolutes Beharren auf der Kraft und der Bedeutung von Sprache ragte wie aus einer anderen Zeit herüber", so die Präsidentin der Akademie der Künste, Jeanine Meerapfel. Und Schauspieler Ulrich Matthes, Direktor der Akademie-Sektion Darstellende Kunst, sagte: "Ihre unverwechselbare Aura war nicht nur in ihren Rollen, sondern auch bei ihren zahlreichen Lesungen zu spüren. Das deutschsprachige Theater hat eine seiner prägnantesten Persönlichkeiten verloren."

"Sie genoss Ansehen und Bewunderung im ganzen Land"

Keller debütierte 1942 im Theater am Kurfürstendamm, nach mehreren Stationen ging sie 1950 an das Deutsche Theater Berlin, an dem sie bis 2001 festes Ensemblemitglied war und anschließend als Gast auftrat. Nach der Wende nahm Keller auch Rollen in Kino- und Fernsehfilmen an, darunter in "Aimée und Jaguar", "Lola + Bilidikid" und "Wilsberg". Auf der Theaterbühne begeisterte sie noch ihm hohen Alter als "Tilla" - in einem Stück über die Schauspiellegende Tilla Durieux.

Inge Keller heiratete 1952 den späteren Politkommentator im DDR-Fernsehen Karl-Eduard von Schnitzler ("Der Schwarze Kanal"). Aus der nach nur wenigen Jahren geschiedenen Ehe ging Tochter Barbara Schnitzler hervor, die ebenfalls Schauspielerin wurde.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) erklärte: "Wir verabschieden uns in tiefer Trauer von der Grande Dame des Schauspiels Inge Keller. Sie hat das Theater in unserer Stadt über Jahrzehnte geprägt und genoss Ansehen und Bewunderung im ganzen Land, in Ost und in West." Die Theater- und Filmmetropole Berlin trauere um eine unverwechselbare Schauspielerin und sympathische Persönlichkeit.

gia/dpa



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