Deutscher Presserat Drei Rügen für "Coupé"

Der Deutsche Presserat hat seine alljährlichen Rügen für die Verletzung journalistischer Grundsätze verteilt. Drei der insgesamt elf Abmahnungen gingen an das das Boulevard-Magazin "Coupé". Aber auch "taz" und "Bild" wurden gerügt.


Internet-Auftritt von "Coupé": Allgemein verunglimpft

Internet-Auftritt von "Coupé": Allgemein verunglimpft

Hamburg - Das stets mit viel nackter Haut wuchernde Blatt hatte unter der Überschrift "Perverse Pfarrer sind Handlanger der Kinderporno-Mafia" pauschalisierend über Priester berichtet, die angeblich Kinder sexuell missbraucht und an Kinderporno-Ringe ausgeliefert haben sollen. Der Deutsche Presserat erteilte dafür eine Rüge wegen mangelnder Sorgfaltspflicht und Verstoßes gegen die Menschenwürde. Die Berufsgruppe der Pfarrer sei damit allgemein verunglimpft worden, teilte der Beschwerdeausschuss des Presserats, des Selbstverwaltungsorgans der Printmedien, am Donnerstag in Bonn mit.

In einem zweiten Fall habe "Coupé" einen Bericht über den Test von Feuerlöschern offenbar frei erfunden. Die dritte Rüge wurde gegen ein so genanntes "Erste-Hilfe-1x1" ausgesprochen, in dem unter anderem fälschlich dargestellt wurde, wie medizinische Laien Amputationen durchführen könnten.

Eine weitere Rüge sprach der Presserat gegen die Berliner "tageszeitung" aus. Sie hatte eine Todesanzeige im Faksimile nachgedruckt und sich in einem satirisch gemeinten Begleittext abfällig über den Namen der Verstorbenen und ihrer Hinterbliebenen geäußert.

Zwei Rügen handelten sich die türkische Zeitung "Hürriyet" sowie die Stuttgarter Zeitung "Sonntag aktuell" ein. "Hürriyet" hatte von einer zweiten türkischen Zeitung ungeprüft einen Artikel übernommen, in dem schwere Vorwürfe und Verleumdungen gegen eine Wissenschaftlerin aus Berlin sowie zwei türkische Wissenschaftler erhoben wurden. "Sonntag aktuell" hatte neben einem Interview mit dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, genau diejenigen Passagen des Gesprächs unter der Überschrift "Lügt 'Bild' wieder?" gesondert veröffentlicht, die der "Bild"-Chefredakteur ausdrücklich nicht zur Veröffentlichung autorisiert hatte.

Gerügt wurden aber auch "Bild" und "B.Z.". Die Thüringer Ausgabe von "Bild" verstieß nach Ansicht des Gremiums gegen den Schutz der Privatsphäre, weil sie eine ganze Gruppe von angeblichen Gewalttätern aus der linken Szene namentlich aufgezählt hatte. Die Berliner "B.Z." hatte in einem Bericht über den mutmaßlichen Mörder eines zwölfjährigen Mädchens die Identifizierung der letzten Freundin des Mannes sowie von deren minderjähriger Schwester ermöglicht.

Rügen erhielten auch die "Allgäuer Zeitung" und der Informationsdienst "Rundy", der unter der ehrverletzenden Überschrift "Kids hab ich zum F gern" über angebliche "Sexspiele" eines Politikers mit Kindern berichtete. Das "Haller Kreisblatt" schließlich hatte in einem Bericht über einen jungen Mann, der mehrere Familienmitglieder niedergeschossen hatte, einen völlig unbegründeten Zusammenhang mit den Zeugen Jehovas hergestellt.

Das Presserats-Gremium, das auf seiner dritten Sitzung des Jahres insgesamt 70 Beschwerden gegen Zeitschriften und Tageszeitungen behandelte, sprach außerdem 16 Missbilligungen und 10 Hinweise aus.



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