Reporterpreis 2018 Von Ronan Farrow bis zum SPIEGEL - das sind die Gewinner

In Berlin ist der renommierte Reporterpreis vergeben worden. Für seine Recherchen über sexuelle Gewalt bekam US-Journalist Ronan Farrow eine Sonderauszeichnung. Die beste Reportage erschien im SPIEGEL.


142 nominierte Beiträge, eine 39-köpfige Jury, rund 400 geladene Gäste: Am Montagabend hat das Reporter-Forum in Berlin die besten Geschichten in Print und Online gekürt. Eine Sonderauszeichnung ging dabei an den US-Journalisten Ronan Farrow. Er hatte mit seinen Recherchen zu Harvey Weinstein maßgeblich zum Fall des einstigen Hollywoodproduzenten beigetragen - und zum Aufstieg der #MeToo-Bewegung.

"Ohne ihn könnten der Filmproduzent Harvey Weinstein und andere weiterhin ihre Macht nutzen, um Frauen zu drangsalieren und zu missbrauchen", hieß es in der Begründung. Alice Schwarzer übergab Farrow in Berlin den "Sonderpreis für Investigation". Er habe "das Fundament der Macht ins Wanken gebracht" und Tausende Frauen in der ganzen Welt ermutigt, endlich zu reden, sagte Schwarzer in ihrer Laudatio. "Sie haben die Omerta gebrochen. Dear Ronan, dafür danken wir Ihnen."

Farrow ist der Sohn von Mia Farrow und Woody Allen. Der 83-jährige Regisseur und Schauspieler sieht sich selbst mit Missbrauchsvorwürfen konfrontiert. Schwarzer kam in Berlin auch darauf zu sprechen: "Sie wissen, wovon Sie reden. Sie haben noch eine Rechnung offen: eine Rechnung mit einer Gesellschaft, die wegsieht. Eine Rechnung mit einer Justiz, die täterfreundlich ist - und eine Rechnung mit den Medien, die ihre Wächterfunktion lange nicht angemessen wahrgenommen haben."

Insgesamt wurden Reporterpreise in 13 Kategorien vergeben. Die Beste Reportage schrieb nach Ansicht der Jury Claas Relotius. "Ein Kinderspiel" erschien Ende Juni im SPIEGEL und beschreibt die Urszene des Syrienkrieges. Es handle sich um eine Reportage, "die eines Tages in Lesebüchern stehen könnte, wenn man sich daran erinnert, wie der brutale Konflikt begonnen hat", schrieb das Reporter-Forum zur Begründung.

Die Gewinnerreportage zum Nachlesen

Der Preis für die Beste Lokalreportage ging an Verena Hasel. Ihr Text "Der Aufnahmeleiter" erschien Ende Oktober 2017 im "Tagesspiegel". Hasel beschreibt darin laut Reporter-Forum "voll Wärme und Ironie einen Sprachlehrer, der auf unnachahmliche Weise Flüchtlinge zugleich ernst nimmt und herausfordert".

Die Auszeichnung für das Beste Interview ging an zwei Journalisten: Alexander Gorkow sprach für die "Süddeutsche Zeitung" mit dem ehemaligen Pink-Floyd-Sänger Roger Waters, der Text erschien unter dem Titel "Der Aktivist". Und Sven Michaelsen interviewte in "Die haben nur feste sich selber gesehen" Heide Sommer, die frühere Sekretärin von Helmut Schmidt, Carl Zuckmayer und Theo Sommer. Dieser Text erschien im "SZ-Magazin".

Die weiteren Gewinner im Kurzüberblick:

  • Investigation: Jana Simon, Annabel Wahba, Christian Fuchs, Nadine Ahr, Anne Kunze, Khue Pham, Amrai Coen und Götz Hamann mit "Im Zwielicht" ("Die Zeit" und "Zeit-Magazin")
  • Beste Sportreportage: Moritz Herrmann mit "Alles auf Nichts", erschienen in "JWD"
  • Datenjournalismus: Fabian Altenried, Andreas Baum, Michael Gegg, Jakob Kluge, Hendrik Lehmann, David Meidinger, Hannes Soltau und Helena Wittlich: "Radmesser", erschienen im "Tagesspiegel"
  • Beste Wissenschaftsreportage: Moritz Aisslinger mit "Seine Experimente sollten helfen, Parkinson und Demenz zu heilen", erschienen in der "Zeit"
  • Hauptstadt-Preis: Marc Neller mit "Die Zuckerkrieger", erschienen in der "Welt am Sonntag"
  • Bester Essay: Daniel Schulz mit "Wir waren wie Brüder", erschienen in der "taz"
  • Beste Kulturkritik: Marie Schmidt mit "Droht uns die Sprachzensur? Nein!", erschienen in der "Zeit"
  • Freie Reporterin: Jenni Roth mit "Eine Stadt sucht einen Mörder", erschienen im "Zeit-Magazin"
  • Multimedia: Petra Boberg, Sabine Mieder, Christina Sianides, Stefan Ehlert, Heike Borufka, Daniela Klein, Christine Rütten, Dominik Nourney, Frederik von Castell, Klaudija Schnödewind und Bettina Emmerich: "Opfer ohne Stimme - wie wir unsere Kinder vor Gewalt schützen"
  • Web-Video: Patrick Stegemann und Rayk Anders: "Lösch Dich! So organisiert ist der Hate im Netz, Doku über Hater und Trolle", veröffentlicht auf YouTube und bei "funk"

Der Deutsche Reporterpreis wird seit 2009 vom Reporter-Forum vergeben, einer Initiative von Hunderten Journalisten aus zahlreichen Print- und Online-Redaktionen. Zu den Jurymitgliedern zählten in diesem Jahr unter anderem Anja Reschke, Claus Kleber, Teresa Bücker, Ines Pohl, Marcel Reif, Micky Beisenherz, Axel Hacke, Tina Hildebrandt sowie der Schauspieler Ulrich Matthes.

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