Kommentar zum Viertelfinale Was wir wollen

Per Mertesacker hat eine grundsätzliche Frage gestellt: "Watt wollen se? Wollen se 'ne erfolgreiche WM, oder sollen wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?" Gute Frage. Vor dem Spiel gegen Frankreich: Hier die Antwort.

Nationalspieler Per Mertesacker: "Watt wollen se?"
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Nationalspieler Per Mertesacker: "Watt wollen se?"

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Lieber Per Mertesacker,

zunächst: Hoffentlich sind Sie Ihrer Eistonne mittlerweile wieder gänzlich erholt entstiegen, man liest ja viel über Grippeviren in der deutschen Mannschaft, und da sollte man kein Risiko eingehen, auch nicht, wenn es draußen furchtbar heiß ist. Das täuscht oft, und schon ist man erkältet, also Vorsicht! Sie sehen: Wir machen uns alle viele Gedanken um Sie und Ihre Mannschaftskollegen, um Ihre körperliche und geistige Verfassung, um die Aufstellung, Ihre Schnürsenkel und darüber, was Sie gegessen haben. Sie essen doch vernünftig, ja? Nicht zu viel, nicht zu wenig? Ausgewogen, ja? Bloß nicht zu schwer! Aber energiereich!

Na gut, wir hören schon auf, bevor Sie wieder sauer werden. Andererseits: Werden Sie ruhig ein wenig sauer, etwas Zorn schadet nicht vor so einem wichtigen Spiel, und dann bringen Sie die Aggressionen raus auf den Platz! Dann aber bitte nicht wütend böse herumfoulen, das macht sich gar nicht gut, bedenken Sie: Es schauen ja auch Kinder zu, Millionen von Kindern, große und kleine Kinder, auch Kinder mit Bart und mit Führerschein! Verdammt noch mal, alle schauen Ihnen zu, Mann! Also überlegen Sie gut, was Sie tun!

Nein, das nehmen wir zurück, bedenken Sie das besser nicht, bedenken Sie am besten gar nichts, außer der Frage, wie die Franzosen zu schlagen sind, beziehungsweise das auch nicht, sondern nur ganz konkret und eigentlich ganz ohne nachzudenken, also quasi animalisch, ob jetzt vielleicht eine Blutgrätsche angemessen wäre, um diesen französischen Stürmer im entscheidenden Moment aus dem Spiel zu nehmen. Oder vielleicht doch besser auch nicht, nein, lieber nicht, weil Fairness eigentlich viel wichtiger ist, wenn wir es uns recht überlegen, Fairness ist im Sport ja das höchste Gut, und die Franzosen sind unsere Freunde.

Deshalb: Spielen Sie vor allem ganz tollen eleganten Zauberfußball, so begeisternd wie 2006, mal hierhin den Ball passen, mal dorthin, bis die Franzosen ganz benebelt sind und sich, Zack, ein Traumtor einfangen, am besten von Klose, der muss ja noch einen Rekord brechen, oder von Müller, der schießt ja die schönsten Tore. Dann wieder: So schön müssen die Tore auch nicht sein. Und egal, wer sie schießt: Hauptsache, sie fallen. Von uns aus auch im Elfmeterschießen, wenn es sein muss, ganz egal, Hauptsache weiter. Schöner wäre aber schön weiter.

Was? Sie meinen, wir wüssten wohl auch nicht, was wir wollen? Doch doch, das wissen wir ganz genau: Wir wollen, dass Sie schön spielen und gewinnen und dann noch mal und schließlich noch mal. Und dann sind wir Weltmeister, Sie und wir, also natürlich eher Sie, aber wir schon auch irgendwie. Schön Weltmeister sein, das wollen wir.

Und, da sind wir ganz zuversichtlich: Sie machen das schon.

Herzliche Grüße,

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Watt wollen se?

Wollen se 'ne erfolgreiche WM oder sollen wir wieder ausscheiden und haben schön gespielt?

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Jeannette Corbeau
Stefan Kuzmany leitet den Bereich Meinung und Debatte bei SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 137 Beiträge
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Seite 1
Streifenkarl 04.07.2014
1.
Was soll dieses ständige Geschwätz, wir wären am schönen Fußball gescheitert? Was für ein Schwachsinn. Und jetzt spielen wir grottig und kommen deshalb weiter? Es geht darum, das Beste aus unserer Mannschaft zu holen. Und da sind wir weit von entfernt. Würden wir langweilig spielen, aber das Spiel jederzeit im Griff haben, würde sich doch niemand beschweren. Wir hatten aber gegen Algerien gar nichts im Griff und der Bundesjogi war auch nicht in der Lage, daran etwas zu ändern, obwohl jeder die Problemstellen sehen konnte.
chris-d 04.07.2014
2.
Ich glaube, der Autor hat keine Ahnung von Fußball. Mit Zorn in ein K.O. Spiel? Dann haben wir so gut wie verloren. Konzentration, Ausgeglichenheit und der Wille sind Zutaten für einen souveränen Sieg. Wissen Sie überhaupt, was für eine enorme psychische Belastung auf den Spielern liegt? Es sieht alles so einfach aus, stimmts? Ist es aber nicht. Und deswegen: Hauptsache ein Sieg. Warum ich Recht habe? Ich habe selber über zehn Jahre in einem Verein gespielt. Nicht in einer bedeutenden Liga, aber die Anspannung und der Wille ist gleich, wenn man auf dem Platz steht. Etwas mehr Respekt sollte man schon haben vor den Leuten und einfach mitfiebern. Ändern können Sie und ich und andere eh nichts. Auf in den Sieg Deutschland
AndiKro 04.07.2014
3. Bitte lieber SPON
überschreibt das Ganze entweder mit "Glosse" oder zieht von 80 Millionen einen ab - nämlich mich. Ich unterschreibe diesen Quatsch nämlich nicht!
icke44 04.07.2014
4. Eistonne
Ich habe eine Bitte: Kann die Redaktion die Abstimmung wiederholen und einen Auswahlpunkt ergänzen? "schön spielen, gewinnen, mit Dreierpack von Klose und das in der Eistonne liegend am HD TV genießen!".... Danke!
tueftler 04.07.2014
5. ...
Dem Autor und den beteiligten Sportjournalisten kann man nur eines sagen: Heul doch!
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