"Deutschland sucht den Superstar" Abgesang auf den Kullerkeks

Bei "Deutschland sucht den Superstar" war es gestern soweit: Judith, das "Vögelchen", der "Kullerkeks", das "Bambi" von Jury-Mitglied Dieter Bohlen, musste die Sendung verlassen.

Von


Judith: Aus ihr wird kein "Superstar"
DPA

Judith: Aus ihr wird kein "Superstar"

Fünf Abende lang hatte die 17-jährige Berlinerin in der RTL-Sendung gezeigt, dass sie sehr niedlich aussieht, aber leider fast keinen Ton trifft. Dieses Mal war das Urteil der Jury vernichtend: "Musikalisch und stimmlich ein Super-Gau" (Thomas Bug), "höchstens das Niveau eines Schulfests" (Shona Frazer), "damit würdest du nicht mal in der Fußgängerzone Geld verdienen" (BMG-Chef Thomas Stein). Und selbst Bohlen gab zu: "Du hast ganz schlecht gesungen."

Songs der Popidole Madonna und Elton John waren das Motto der Show. Es erwies sich als klarer Vorteil für die männlichen Kandidaten: Die Elton-John-Hits waren alle pompös arrangiert, mit viel unterstützendem Background-Gesang, während die Madonna-Stücke geradezu leer waren und viel mehr vom Rhythmus definiert als von Melodie begleitenden Akkorden. Zudem hatte der Musikalische Direktor der Show wieder, wie die Kandidatin Anke bestätigte, die Auswahl der Madonna-Titel vorgegeben, und es war, wie schon in der Weihnachtssendung, eine unglückliche Zusammenstellung - keine der Kandidatinnen schien mit ihrem Titel zufrieden. "Stand nicht auf dem Zettel", sagte Anke, als Frazer sie fragte, warum sie denn nicht den für sie passenderen Titelsong aus "Evita" gesungen habe.

Aida rettete sich mit expressivem Tanz durch ihren Auftritt und hatte ziemliches Glück, dass die Juroren "nicht so viel gehört" hatten (Stein), obwohl sie, so Bohlen, "mit dem Ohr an der Box" lagen - viele ihrer Töne lagen nur in der Nähe der Melodie. Es scheint, der Technische Direktor der Show hat diese Woche eine echte Aufgabe.

Nur eine Kandidatin behauptete sich gegen die Tücken der Madonna-Komposition: Denise. Schon in den vergangenen Sendungen hatte sie gezeigt, dass sie nicht nur eine phantastische Stimme hat, sondern auch gefühlvoll, ausdrucksstark und rhythmussicher singt. "The Power of Good-Bye" könne "Madonna selbst nicht besser hinbekommen", meinte die begeisterte Frazer. Man kann nur hoffen, dass Denises lebenslustige Figur, die vom Schlankheitsideal abweicht, die Fans nicht in der Wahrnehmung der musikalischen Leistung beeinträchtigt. Nur der ewige Zweifler und Zyniker Stein fragte, in einer etwas verrätselten Formulierung, ob Denise (wie die anderen Kandidaten) in der Lage sei, als "Superstar" ein ganzes Land zu repräsentieren. Vielleicht war das Ausdruck seiner Befürchtung, auch der nächste "Superstar" könne beim internationalen Vergleich so peinlich versagen wie "Superstar 1" Alexander.

Bohlen vergaß das "Hammermäßig" in Tötensen

Ohne Patzer arbeiteten sich die Kandidaten durch ihre Elton-John-Songs, allein Gunther, der sich an "Candle in the Wind" (erfolgreichste Single aller Zeiten) gewagt hatte, wurde wieder mal von Stein heruntergeredet: "Die Kerze war schon ausgeblasen, als es losging." Bohlen stand zu dem in seiner Gunst inzwischen offensichtlich schwer gesunkenen Kandidaten: "Jawollo, das war ein guter Auftritt." Benny ("Can You Feel the Love Tonight") konnte nicht nur die Augenbrauen erstaunlich steil hochziehen, sondern auch die Juroren zu hohem Lob bringen: "Wahnsinn" (Bug), "grandioser Auftritt" (Bohlen), "du warst der Beste" (Frazer). Natürlich fand Stein wieder etwas zum Meckern: Benny hatte sich darüber geärgert, dass ihm in jeder Sendung der Mangel an "Personality" (Persönlichkeit) vorgeworfen werde. Viermal dieselbe Kritik und sich schon beschweren? "Da musst du noch viel lernen, Freundchen", sagte Stein. Schade, dass in diesem Augenblick die Kamera nicht Benny zeigte - den Augenbrauen-Winkel hätte man doch zu gern gesehen.

Doch letztendlich waren Steins fiese und oft missglückte Bemerkungen noch das Lustigste an der Sendung. Vor allem Bohlen saß so lustlos herum und hatte sogar sein Lieblingswort "hammermäßig" in Tötensen vergessen, dass man schon in seinem Interesse dringend wünscht, RTL würde einfach die nächste Sendung zur letzten erklären und den Kandidaten mit den meisten Stimmen oder den mit überhaupt einer Stimme zum neuen "Superstar" ernennen.

Ob das allerdings ein wünschenswertes Ziel ist, bleibt die große Frage: Alexander war der erfolgreichste Single-CD-Interpret im Jahre 2003, hat sich aber im internationalen Vergleich lächerlich gemacht. Juliette (Nr. 2 der ersten "Superstar"-Staffel) ist mit ihrer ersten Single gescheitert und versucht es nun noch mal mit einem Stück, das treffenderweise "I Still Believe" heißt. Und Daniel Küblböck (Nr.3) wurde für die RTL-Sendung "Ich bin ein Star - Hilfe, holt mich hier raus!" in ein Camp im australischen Dschungel geschickt. Die Zuschauer wählten ihn am Samstagabend (21.45 Uhr) für die nächste Aufgabe aus, er muss nun in einen "Kakerlaken-Sarg". Ja, "Superstar" zu sein, macht das Leben nicht unbedingt angenehmer.



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.