US-Pionier Komiker und Bürgerrechtler Dick Gregory ist tot

Gegen Rassentrennung und Diskriminierung kämpfte er mit beißender Ironie: Dick Gregory war Bürgerrechtler und einer der bekanntesten schwarzen Komiker der USA. Jetzt starb er im Alter von 84 Jahren.

Dick Gregory
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Dick Gregory


"Rassentrennung ist nicht nur schlecht", sagte Dick Gregory einmal seinem Publikum. "Oder habt ihr jemals von einem Unfall gehört, bei dem die Leute im hinteren Teil des Busses verletzt wurden?" Eine Anspielung auf die in Alabama erst 1955 aufgehobene Regel, wonach Schwarze die vorderen Plätze in Bussen weißen Passagieren überlassen mussten.

Am Samstag ist Gregory im Alter von 84 Jahren gestorben. Der Komiker hatte bereits in den frühen Sechzigerjahren Rassismus in seiner Heimat zum Thema gemacht und gilt als Wegbereiter für schwarze Comedians. Gregory kam nach Angaben seines Presseagenten Steve Jaffe vor einer Woche ins Krankenhaus und starb an Herzversagen.

"In großer Trauer bestätigt die Gregory-Familie, dass ihr Vater, Komikerlegende und Bürgerrechtler Mr. Dick Gregory heute Abend diese Erde in Washington DC verlassen hat", schrieb Gregorys Sohn Christian auf Instagram.

Der in St. Louis (Missouri) geborene Gregory wuchs in Armut auf. Er hatte zunächst für die Post gearbeitet und war nebenher gegen geringe Gagen vor überwiegend schwarzem Publikum aufgetreten. Im Jahr 1961 sah Playboy-Gründer Hugh Hefner einen Auftritt von Gregory und engagierte ihn für seinen Nachtklub - was damals noch höchst ungewöhnlich war. "Als ich angefangen habe, konnte ein schwarzer Komiker nicht in einem weißen Nachtklub spielen", so Gregory.

Kurz nach seinem Durchbruch nahm Gregory mehrere Alben auf und wurde schließlich zu einem der bestbezahlten schwarzen Unterhaltungskünstler seiner Zeit. Zugleich engagierte er sich in der Bürgerrechtsbewegung und wurde mehrmals bei Demonstrationen festgenommen. Gregory protestierte auch gegen den Vietnam-Krieg, nahm an Hungerstreiks teil und kandidierte 1968 für die linke Peace and Freedom Party bei der Präsidentschaftswahl.

Zwei Beispiele für Gregorys Humor im Original:

  • "A Southern liberal? That's a guy that'll lynch you from a low tree."
  • "Last time I was down South I walked into this restaurant, and this white waitress came up to me and said: 'We don't serve colored people here.' I said: 'that's all right, I don't eat colored people."

Zweitkarriere als Diät-Unternehmer

Gregory gab die Comedy zu Beginn der Siebzigerjahre zugunsten seines politischen Engagements auf. In den Achtzigerjahren wurde er zum Werber für gesundes Essen und vertrieb über eine eigene Firma Diät-Produkte. In den Neunzigerjahren kehrte Gregory schließlich auf die Bühne zurück. Noch in diesem Monat war er seinem Agenten Jaffe zufolge auf Tournee gewesen.

Am Sonntag wurde Gregory auch vor dem Hintergrund der jüngsten rassistischen Ausschreitungen in den USA gewürdigt. Schauspieler Samuel L. Jackson etwa bezeichnete ihn auf Twitter als einen "Fünf-Sterne-General im Kampf um Menschenrechte". Gregory selbst hatte in einem Interview 2011 die Rolle von Entertainern für soziale Veränderungen eher heruntergespielt. "Die Leute mögen Glamour", sagte er. "Das verhunzt Amerika."

dab/Reuters



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