"Die Akte Odessa" Schauspieler Hans Caninenberg ist tot

Er gehörte seit den fünfziger Jahren zu den profiliertesten Charakterdarstellern des deutschen Theaters und Films. Dabei repräsentierte Hans Caninenberg den Typus des "richtigen Mannes". Jetzt starb der Schauspieler im Alter von 95 Jahren.


München - Der Schauspieler Hans Caninenberg ist am vergangenen Sonntag im Alter von 95 Jahren in Gräfelfing bei München gestorben. Das hat sein Sohn Andreas Caninenberg am Mittwoch der dpa in München bestätigt.

Charakterdarsteller Caninenberg: Starb im Alter von 95 Jahren
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Charakterdarsteller Caninenberg: Starb im Alter von 95 Jahren

Auf vielen namhaften deutschen Bühnen war Caninenberg seit Mitte der dreißiger Jahre ein Star, lange bevor er zur festen Größe im Fernsehen wurde, wo er bis ins hohe Alter knapp hundertmal zu sehen war.

Als blendender Rhetoriker wurde Caninenberg schnell zum Charakter- und Heldendarsteller von Format. Auch wenn der gebürtige Duisburger sich im Alter auf der Bühne zunehmend rar gemacht hatte, blieben seine großen Erfolge vom Prinzen von Homburg über Mephisto bis zu Robespierre in "Dantons Tod" in der Fachwelt unvergessen. Durch seine Vorliebe besonders für die englische Literatur wurden vor allem Stücke von George Bernhard Shaw zeitweise zur Spezialität Caninenbergs und bescherten dem vielseitigen Darsteller glänzende Kritiken.

Im Fernsehen spielte er unter anderem in den Serien "Sandokan", "Der Kommissar", "Derrick" und "Der Alte" mit oder in dem dreiteiligen Krimi "Verräter" von 1967. Zu seinen bekanntesten Spielfilmen gehören "Die Akte Odessa", "Liselotte von der Pfalz", "Oh du lieber Fridolin", "Hotel Adlon" und "Menschen im Netz". Für die Rolle des Grafen Leicester wurde er 1962 als erster mit dem Großen Schauspielerpreis der Festspiele in Bad Hersfeld geehrt. Seine Heimatstadt Duisburg verlieh ihm die Mercatorplakette.

Mit seinem stets entschlossenen, ernsthaften Gesichtsausdruck repräsentierte der Schauspieler einen Typus, den man in den fünfziger Jahren noch "einen richtigen Mann" nannte.

Neben seiner schauspielerischen Arbeit betätigte sich Canineberg seit den achtziger Jahren verstärkt als Autor. Er schrieb unter anderem Theaterstücke und Essays. 1988 erschien der stark autobiografisch geprägte Roman "Ein unvergessener Traum", der von einem Schauspieler handelt, der von der Welt der Renaissance besessen ist und in Indien Meditationserfahrungen macht.

Caninenberg war seit 1958 in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Lola Müthel verheiratet.

hoc/dpa



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