46. Art Cologne: Sieg dank reicher Nachbarn

Von Ingeborg Wiensowski

Weniger Hallen, mehr Licht: Die Art Cologne hat sich gegen die Konkurrenz aus der Hauptstadt durchgesetzt und ist wieder zur wichtigsten Kunstmesse Deutschlands geworden. Ein Verdienst des neuen Messechefs Daniel Hug.

46. Art Cologne: Sieg dank reicher Nachbarn Fotos
Koelnmesse GmbH

Die Art Cologne ist wieder da. Im sich schnell verändernden Kunstgeschäft hat die Kölner Kunstmesse lange, lange dafür gekämpft, an ihren Anfangserfolg anzuknüpfen. Es hat sich gelohnt: Am Mittwoch eröffnet die 46. Art Cologne - und wenn sie am Sonntag, dem 22. April, schließt, werden voraussichtlich mehr als 60.000 Besucher die Messe gesehen und einige von ihnen für Umsätze gesorgt haben.

Das sah vor ein paar Jahren alles noch ganz anders aus. Die viel zu große, unübersichtliche und immer mittelmäßiger werdende Messe hatte wichtige Aussteller und ihre Marktführerschaft verloren. Finanzkräftige Sammler und selbst die Besucher kehrten der Art Cologne den Rücken. Aber: Nicht die angeblich neue Kunstmetropole Berlin mit dem 1996 gegründeten Art Forum hatte die Kölner Messe ins Trudeln gebracht; und auch nicht eine der Finanzkrisen oder treulose internationale Sammler waren Schuld an der Misere. Nein, es waren die verkrusteten Strukturen, das unscharfe Profil, das ewig gleiche Angebot der Platzhirsche in phantasielosen Kojen, die aus der einst boomenden Messe eine trostlose Veranstaltung gemacht hatten.

Bis vor vier Jahren der Retter kam. Der neue Direktor Daniel Hug, 43, in Zürich geborener US-Amerikaner, wurde nur kurz mit Skepsis betrachtet. Schnell erkannte das Kunstpublikum, wie engagiert Hug anpackte: Er reduzierte die Aussteller von fast 300 auf 200, schloss zwei Hallen und, ganz wichtig, stärkte das Qualitätsbewusstsein. Zudem sorgte der Enkel von László Moholy-Nagy für gutes Licht und einen schwarz gestrichenen Boden. Und er pflegte die Kontakte zu Galerien, reiste zu zahlreichen Vernissagen, besuchte verlorengegangene Galeristen und holte sie zurück zur Kölner Messe.

Die Kunstkarawane zieht nicht mehr so viel herum

Viele der Aussteller sind zurückgekommen, weil sie erkannten, dass man im katholischen Rheinland und bei den angrenzenden Nachbarn seit den sechziger und siebziger Jahren daran gewöhnt ist, sein Geld in Kunst zu investieren. Und weil es bis heute in der Region immer noch mehr Kunstfreunde, auch junge, mit international bedeutenden Sammlungen gibt als anderswo. Anderswo, das ist zum Beispiel Berlin mit seinen anfangs attraktiv niedrigen Mieten für junge Künstler und Galeristen. Aber mit nur einer raren Anzahl bedeutender Sammler und bis heute ohne einen nennenswerten Käufernachwuchs. Die ungefähr 20 bis 30 jungen Sammler spielen für die vielen Galerien in Berlin nur eine kleine Rolle, zumal sie eher im mittleren Preisbereich einkaufen. So entwickelte sich in Berlin eher ein Kunsttourismus, der einen Anlass wie Biennalen oder prominente Ausstellungen braucht. Das Art Forum konnte die Anforderungen nie erfüllen und gab im Mai letzten Jahres auf.

Damit war Köln wieder die einzige wichtige Messe in Deutschland, und einige Berliner Galerien meldeten sich bei der Art Cologne zurück, wie z.B. Carlier Gebauer, die sich zuvor auf das Art Forum konzentriert hatten. Obwohl sie jährlich an vielen Messen teilnehmen würden, kämen sie gern nach Köln zurück, sagt Ulrich Gebauer. Und zwar mit einer Einzelschau der Bildhauerin Asta Gröting. Eigen + Art kam schon vor drei Jahren zurück, nachdem die Galerie sechs Jahre ausgesetzt hatte. "Köln ist cool", sagt Gerd Harry Lybke, der an zwölf Messen im Jahr teilnimmt - von Hongkong bis London, von Miami bis Shanghai und Basel. "Die Kunst-Karawane zieht nicht mehr so viel herum, deshalb müssen wir das tun, allein schon, um die Messen zu testen", sagt Lybke. Testsieger im letzten Jahr war die Art Cologne, denn dort habe er den meisten Umsatz gemacht. Ob das ohne Neo Rauch wieder klappen wird, muss sich zeigen, denn dieses Mal stellt Eigen + Art Arbeiten von Birgit Brenner, David Schnell, Martin Eder und Uwe Kowski aus.

Gaffel Kölsch statt Champagner

Unter den 200 Ausstellern befinden sich allein 32 Galerien aus Berlin, viele zum ersten Mal wie Klosterfelde und Neu. Die Liste der internationalen Teilnehmer dagegen ist noch ein wenig dünn, Galerien aus Asien, Russland, Polen oder Südamerika und Indien sind die Ausnahme, die meisten internationalen Galerien kommen aus Österreich (13), der Schweiz (11) und Frankreich (9). Die USA wären kaum vertreten gewesen, hätte Hug nicht mit dem US-amerikanischen Galerienverband New Art Dealers Alliance - kurz NADA - kooperiert, der er ein Viertel einer Halle für 30 Galerien - darunter 12 amerikanische - für eine eigenständige Sektion mit eigener Jury zur Verfügung gestellt hat. Dafür schaffte er allerdings den Open Space ab, in dem sich Galerien außerhalb enger Kojen präsentierten konnten. Aber dem Nachwuchs wird, wie immer, Platz bei den "New Positions" gegeben, während junge Galerien in der Sektion "New Contemporaries" unterstützt werden.

Spannend wird diese Art Cologne auf jeden Fall, schon weil die Mischung von Klassischer Moderne, Nachkriegskunst, von durchgesetzten Zeitgenossen und Gegenwartskunst, großartig ist. Und weil die renommierten deutschen Galerien von Michael Werner, Hans Mayer, Karsten Greve, Michael Haas und Gisela Capitain und internationale Großgalerien wie David Zwirner, Annely Juda oder Hauser & Wirth eine hohe Qualität und Überraschungen garantieren, in die man sicher investieren kann. Ein Besuch der Art Cologne lohnt sich also auf jeden Fall - auch wenn die Art Cologne lange nicht die Nummer eins auf dem Kunstmarkt ist.

Das solle sie allerdings bald werden, sagte Daniel Hug vor ein paar Tagen der Nachrichtenagentur dpa. Er wolle nicht als Nummer zwei gelten, man müsse "nach dem Größten streben". Im Klartext heißt das, die Art Basel zu toppen. Darauf ein Gaffel-Kölsch statt Champagner wie in Basel. Immerhin: Aus eigens von einem Studenten für die Art Cologne entworfenen Gläsern, die die Galeristen bei der Eröffnung überreicht bekommen.


Art Cologne + Nada Cologne. 18.-22.4., Eröffnung am 17.4., Köln, Messehallen.

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1. Das kenne ich doch irgendwo her.
Guderian 17.04.2012
Berlin ist keine Konkurrenz mehr: Modemesse auf Erfolgskurs | RP ONLINE (http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/modemesse-auf-erfolgskurs-1.1117526)
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