RAF-Ausstellung in Stuttgart Die Rote-Armee-Dokumentation

Auf den Spuren der Gewalt: "RAF-Terror im Südwesten" soll die erste große historische Ausstellung zur Roten Armee Fraktion sein. Gezeigt wird eine umfangreiche Sammlung historischer Exponate der Siebziger und Achtziger.

DPA

"Wie kam es zu dieser Gewalt? Welche Reaktionen gab es? Und wie fand sie letztlich ein Ende?" Das sind die Fragen, denen sich die Stuttgarter Ausstellung "RAF-Terror im Südwesten" widmet, die am Freitag eröffnet. Der deutsche Südwesten sei "einer der Hauptschauplätze der Gewalt" gewesen und viele RAF-Mitglieder stammten aus Baden-Württemberg so Thomas Schnabel, Direktor des Haus der Geschichte Baden-Württemberg. "Außerdem haben Behörden wie die Bundesstaatsanwaltschaft ihren Sitz in Baden-Württemberg, in Stuttgart-Stammheim saß die Gründergeneration der RAF ein, und dort wurde ihr auch der Prozess gemacht."

Die Schau will die "erste große historische Ausstellung zur RAF" sein. Soll heißen: Die bisherigen Ausstellungen zur RAF und zur deutschen Stadtguerilla - etwa die Schau "Zur Vorstellung des Terrors" in den Kunstwerken Berlin im Jahre 2005 - haben sich eher der Wirkungsgeschichte von Baader, Meinhof und "Deutschem Herbst" gewidmet. In Stuttgart will man jetzt in 220 Exponaten die "Gewalt und den Umgang mit ihr" veranschaulichen und in Film- und Tondokumenten "das Leid der Opferangehörigen, die Ängste und die Wut der Bevölkerung" vergegenwärtigen. Der zweite, hellere Teil der Ausstellung ist dem Weg aus der Gewalt gewidmet, für den in gesellschaftlicher Hinsicht Objekte der Friedensbewegung stehen. Fernsehinterviews mit ehemaligen RAF-Mitgliedern dokumentieren, wie die einstigen Terroristen mit ihren Taten umgingen.

"Es ist gut, dass es diese Ausstellung gibt"

Laut Kuratorin Paula Lutum-Lenger habe man "nicht die Täter" in den Mittelpunkt der Ausstellung stellen wollen. Nichtsdestotrotz wird es in Stuttgart jede Menge Tatwerkzeuge und Gefängnishinterlassenschaften der RAF-Mitglieder geben. Der aus einer Keksdose gebastelte Knast-Pizzaofen von Jan-Carl Raspe etwa wird zu sehen sein - und die beschlagnahmte Destillieranlage, mit der Irmgard Möller in Stammheim vergorene Früchte zu Hochprozentigem verarbeiten wollte. Oder die rote Suzuki GS 750, die am Ausgang der Ausstellung steht: Mir ihr näherten sich die Täter aus der RAF ihrem Opfer Siegfried Buback 1977 in Karlsruhe.

Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts war einer der ersten Gäste bei der Vorbesichtigung der Stuttgarter Ausstellung. Bis heute weiß der Göttinger Chemieprofessor nicht, wer seinen Vater erschoss. "Es ist gut, dass es diese Ausstellung gibt", so das Fazit von Michael Buback. "Sie mahnt, die Aufklärung terroristischer Verbrechen mit aller Kraft voranzubringen."

Auch der Sohn des von RAF in Geiselhaft getöteten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer lobt das Konzept. "Die Ausstellung ist sehr beeindruckend", so Schleyer. Die Sorge, dass die RAF durch die Ausstellung im Haus der Geschichte in Stuttgart überbewertet oder gar mystifiziert werde, teile er nicht.

"RAF-Terror im Südwesten": Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, in Stuttgart, bis 23. Februar 2014, http://www.raf-ausstellung.de

twi/dpa

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
roostercockburn 14.06.2013
1.
Mein Mitleid und Respekt gilt allen Opfern dieser feigen Mörderbande, den unbekannten, den prominenten und ihren Angehörigen. Ich wünsche mir die Aufklärung der immer noch ungesühnten Verbrechen und die Aburteilung aller Schuldigen.
menton 14.06.2013
2. Feigheit nicht das Problem
Warum Mörder immerzu als "feige" beschimpft werden, ist mir nicht ganz klar. Gerade das kann man doch jedenfalls der RAF und anderen Gewaltverbrechern zumeist nicht unterstellen. Die Gefahr, erwischt zu werden oder selbst körperlichen Schaden zu nehmen war doch wohl bei deren Taten stets zugegen.... Wikipedia: "Feigheit, veraltet auch als Feigherzigkeit[1] oder Memmenhaftigkeit[2] bezeichnet, ist zunächst die vorwerfbare (kritisch gesehene) Neigung, sein Handeln durch Angst oder Furcht bestimmen zu lassen.[3] Die Feigheit wird als ein seelischer Zustand beschrieben, in dem eine Person sich aus Furcht vor einer Gefahr, einem Verlust, Schmerz oder Tod nicht stellt und aus der Sicht Dritter als ehrlos erweist." Die Taten sprechen m.E. eher für eine aus tiefster Arroganz und Überheblichkeit geborene Verrohung. Diese Leute glaubten, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und dass alle anderen Menschen die genialen Gedanken der Gruppe schlicht nicht erkennen und nachvollziehen können. Weil sie aber so überlegen seien, hätten sie das Recht Menschenleben zu opfern, um ihre Gedanken in Taten umzusetzen.
roostercockburn 14.06.2013
3.
Hallo menton, danke für die Definition. Ich kann, um nur ein krasses Beispiel von vielen zu nennen, an den näheren Umständen der Ermordung von Detlev Karsten Rohwedder, sehr wohl ein hohes Maß an Feigheit und Ehrlosigkeit erkennen.
panzerknacker51, 14.06.2013
4. Oha
Zitat von roostercockburnMein Mitleid und Respekt gilt allen Opfern dieser feigen Mörderbande, den unbekannten, den prominenten und ihren Angehörigen. Ich wünsche mir die Aufklärung der immer noch ungesühnten Verbrechen und die Aburteilung aller Schuldigen.
Der Name ist Programm. Übrigens sind diese Typen alle wegen vielfacher Beteiligung an den einzelnen Morden zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Da gibt es eigentlich nichts mehr zum Aburteilen. Manchen Taten wurden so viele Beschuldigte zugeordnet, daß es am Tatort zu einem regelrechten Gedrängel gekommen sein mußte. Und zu den Angehörigen der Opfer: Einigen wenigen wie Herrn Buback ist die Aufklärung noch nicht weit genug gegangen; der überwiegende Rest will wohl einfach nur in Ruhe gelassen werden.
derbochumerjunge 14.06.2013
5. Kleinkrimineller
Zitat von mentonWarum Mörder immerzu als "feige" beschimpft werden, ist mir nicht ganz klar. Gerade das kann man doch jedenfalls der RAF und anderen Gewaltverbrechern zumeist nicht unterstellen. Die Gefahr, erwischt zu werden oder selbst körperlichen Schaden zu nehmen war doch wohl bei deren Taten stets zugegen.... Wikipedia: "Feigheit, veraltet auch als Feigherzigkeit[1] oder Memmenhaftigkeit[2] bezeichnet, ist zunächst die vorwerfbare (kritisch gesehene) Neigung, sein Handeln durch Angst oder Furcht bestimmen zu lassen.[3] Die Feigheit wird als ein seelischer Zustand beschrieben, in dem eine Person sich aus Furcht vor einer Gefahr, einem Verlust, Schmerz oder Tod nicht stellt und aus der Sicht Dritter als ehrlos erweist." Die Taten sprechen m.E. eher für eine aus tiefster Arroganz und Überheblichkeit geborene Verrohung. Diese Leute glaubten, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und dass alle anderen Menschen die genialen Gedanken der Gruppe schlicht nicht erkennen und nachvollziehen können. Weil sie aber so überlegen seien, hätten sie das Recht Menschenleben zu opfern, um ihre Gedanken in Taten umzusetzen.
Deshalb frage ich mich bis heute, woher ausgerechnet Andreas Baader diese Arroganz nahm? Was war an ihm dran - außer seiner Eigenschaft als Kleinkrimineller vor der RAF-Zeit?
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