Persönlichkeitsrechte: "taz" muss Sarrazin 20.000 Euro zahlen

Die Tageszeitung "taz" muss Thilo Sarrazin 20.000 Euro Entschädigung zahlen. Ein Beitrag, worin ihm ein Schlaganfall gewünscht wurde, verletze seine Persönlichkeitsrechte schwer, befand das Berliner Landgericht.

Bestsellerautor und Ex-Politiker Thilo Sarrazin: Entschädigung von der "taz" Zur Großansicht
dpa

Bestsellerautor und Ex-Politiker Thilo Sarrazin: Entschädigung von der "taz"

Hamburg/Berlin - Die Berliner Tageszeitung "taz" muss dem umstrittenen Volkswirt und Buchautoren Thilo Sarrazin wegen schwerer Verletzung des Persönlichkeitsrechts 20.000 Euro Entschädigung zahlen. Außerdem darf die Zeitung Äußerungen aus einer Kolumne über Sarrazin nicht wiederholen, entschied das Landgericht Berlin in einem am Freitag bekanntgegebenen Urteil vom Vortag.

Konkret ging es um eine im November letzten Jahres veröffentlichte Kolumne des "taz"-Redakteurs Deniz Yücel. In dem Text hatte Yücel irrtümlicherweise behauptet, Sarrazin habe eine halbseitige Gesichtslähmung wegen eines Schlaganfalls erlitten, und eine Formulierung verwendet, die nahelegt, er wünsche Sarrazin einen weiteren und schwerwiegenderen Schlaganfall.

Von Sarrazin-Fans verbal attackiert

Das Landgericht sah darin das Persönlichkeitsrecht von Sarrazin in unzulässiger Weise verletzt. Die "taz" dürfe diese Aussagen daher nicht weiter verbreiten oder veröffentlichen. Außerdem stehe Sarrazin eine Entschädigung in Höhe von 20.000 Euro zu. Die genauen Entscheidungsgründe hat das Landgericht noch nicht bekanntgegeben.

Der inkriminierte Satz war Teil von Yücels Kolumne "Das ist nicht witzig" in der "taz" vom 6. November 2012, in welcher er eine Formulierung von Mely Kiyak in der "Frankfurter Rundschau" aufgriff. Sie hatte in einer Kolumne vom Mai 2012 "die Verplemperung unserer Fernsehgebühren für diese lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur" kritisiert - gemeint war Sarrazin. Kiyak war von Sarrazin-Fans verbal heftig attackiert worden und hatte schließlich erklärt, sie habe nicht gewusst, dass der Bestsellerautor an einer halbseitigen Gesichtslähmung leidet. "Wenn ich den physiologischen Hintergrund gekannt hätte, hätte ich das Bild nicht gewählt", so Kiyak.

Auch Yücel hatte seiner Kolumne eine "Klarstellung" nachgeschoben, in der er unter anderem erklärte, "dass ich jedem ein möglichst langes Leben frei von Krankheit wünsche, gerade auch erfolgreichen Buchautoren, Letzteren allein schon deshalb, weil sie damit die Chance gewinnen, etwas dazuzulernen und von Irrtümern abzulassen".

twi/jur

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