Fall Lachmann "Welt"-Chef Aust will AfD-Berichterstattung überprüfen

Am Wochenende entließ die "Welt" Günter Lachmann, der sich als Berater für die AfD angedient haben soll. Chefredakteur Aust will jetzt dessen bisherige Berichterstattung durchleuchten lassen.

"Welt"-Chef Stefan Aust: Weitere juristische Schritte
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"Welt"-Chef Stefan Aust: Weitere juristische Schritte


Am Samstag verlor der Journalist Günther Lachmann seinen Job bei der Tageszeitung "Die Welt". Ihm wird vorgeworfen, von der AfD Geld für strategische Beratung verlangt zu haben. Jetzt hat "Welt"-Chef Stefan Aust angekündigt, Lachmanns Texte über die Partei "nachträglich kritisch zu hinterfragen".

Ein Vorgang dieser Art werde weder geduldet noch vertuscht oder beschönigt, schreibt Aust in einem Statement, das auf der Homepage der "Welt" veröffentlicht wurde. Lachmann hatte für das Blatt regelmäßig über die AfD berichtet, Ende Dezember beispielsweise ein wohlwollendes Porträt über Co-Parteichef Jörg Meuthen.

Aust kündigte in dem Statement auch an, "den Fall lückenlos aufzuklären und die Vorgänge so offenzulegen, wie es arbeitsrechtlich irgend möglich ist". Nach einer detaillierten Untersuchung wolle der Verlag dann auch über weitere rechtliche Schritte entscheiden. "Glaubwürdigkeit ist das wichtigste Kapital des Journalismus. Wer diese aufs Spiel setzt, schadet nicht nur der Zeitung oder Zeitschrift, für die er arbeitet. Er schadet der gesamten Publizistik", so Aust.

Der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell hatte "Welt"-Autor Lachmann via Facebook vorgeworfen, er habe der Partei gegen Honorar seine Dienste angeboten. Die AfD habe das abgelehnt, daraufhin habe Lachmann begonnen, in der "Welt" kritischer über die Partei zu berichten. Pretzell ist der Lebensgefährte von AfD-Chefin Frauke Petry.

Lachmann hatte die Vorwürfe, er habe sich von der AfD bezahlen lassen wollen, bestritten und laut "Welt" sogar eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, dass die Vorwürfe unbegründet seien. Am Wochenende hatte die nationalkonservative Zeitung "Junge Freiheit" aber von E-Mails berichtet, in denen Lachmann Pretzells Pressesprecherin konkrete Angebote machte - diese lagen offenbar auch der "Welt" vor, die sich anschließend von Lachmann trennte.

eth

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