Was soll der Hype? Satiriker verbreitet Falschmeldungen über "Zeit"-Account

Für eine Woche übernahm der Ex-Chef der "Titanic" den Twitter-Account des "Zeit-Magazins". Leo Fischer trieb es dort so wild, dass die Redaktion ihn rausschmiss.

Leo Fischer/ Twitter/ "Zeit-Magazin"

Leo Fischer/ Twitter/ "Zeit-Magazin"


Was ist das? Den Account des Magazins der "Zeit" übernehmen wochenweise unterschiedliche Medienmacher. Damit will die "Zeit" laut eigener Aussage vor allem auf die Stärke von Twitter setzen: "offene Debatten zu führen". Anfang der Woche war Leo Fischer an der Reihe, der Ex-Chef des Satiremagazins "Titanic"; im Profilfoto stilecht mit fotomontierter Erika-Steinbach-Frisur. Er wühlte mit seinen Tweets zunächst vor allem lustvoll in den All-time-Wunden der Republik: Feminismus, Wahlkampf, sterbende Printmedien:

Fanden viele ganz lustig auf Twitter.

Was ist passiert? Am Donnerstag geschahen zwei sehr unterschiedliche Dinge: Die Spannungen mit Nordkorea verschärften sich - und Mehmet Scholl und die ARD beendeten die Zusammenarbeit. Fischer twitterte über den Account des "Zeit-Magazins": "Südkoreanische Medien melden Explosion, Lichtblitz über Pyöngjang" und "Eilmeldung: Mehmet Scholl ist tot". Bäm. Die "Zeit"-Redaktion entzog Fischer den Zugang. "Bild"-Chef Julian Reichelt gefällt das. Leo-Fans formieren sich, Hashtag: #freeleo.

Wozu führt das? Erst zu Satire. Dann zu Realsatire.

Wie ist das? Für die "Zeit" eine ziemlich haarige Lektion in Sachen "You can't control the Internet": Nach Fischers ersten Äußerungen ahnte man vermutlich schon, was da kommen würde - und setzte vorsorglich gemeinsam mit Fischer einen Tweet ab: "Satire darf alles" (plus Zwinkersmiley).

Die Reaktion nun zeigt einerseits: Offene Debatten führen? Ja, aber ganz so offen dann doch bitte nicht. Nicht so souverän. Andererseits: Welches seriöse Medium will schon falsche Nachrichten verbreiten - und dann auch noch welche über derart heikle Themen (militärischer Konflikt, Tod eines Prominenten)?

Und für Leo? Ziemlich gut gelaufen. Auf dem Account der "Zeit" einmal die "Titanic" durchgespielt.

Für wen ist der Hype? Für jeden, der auf Twitter ist (also fast niemand). Für jeden, der Leo Fischer kennt (bitte, wen?). Für jeden, der schon immer mal hämisch auf einen Medienverlag gucken wollte. Also vor allem für Journalisten. Jetzt aber: Bitte wieder an die Arbeit, Kollegen.

joh/eth



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