Geklaute Schriften von Martin Luther Wer stiehlt hier und kann nicht anders?

Martin Luther gilt als Vater der einheitlichen deutschen Schriftsprache. Jetzt haben Unbekannte drei Flugblätter des Reformators aus den Vitrinen einer Gedenkstätte in Eisenach gestohlen. Warum nur?

Diebesgut: Flugschriften des Reformators Martin Luther
DPA

Diebesgut: Flugschriften des Reformators Martin Luther


Eisenach - Es ist eine merkwürdige Tat: Drei wertvolle originale Luther-Schriften sind aus Vitrinen im thüringischen Lutherhaus Eisenach gestohlen worden. Der materielle Wert der Beute werde auf etwa 60.000 Euro geschätzt, teilte die Polizei mit. Aber wer sollte so etwas kaufen? Und warum?

Da müsste jemand schon sehr großes Interesse an den Flugschriften haben, die da heißen "An den Christlichen Adel deutscher Nation" aus dem Jahr 1520, "An die Radherrn aller stedte" von 1524 sowie die "Lutherpredigt, das man Kinder zur Schulen halten soll" von 1530. Ausgeschlossen ist das allerdings nicht: Immer wieder werden Kunstwerke gestohlen, die legal nicht zu verkaufen sind, auf dem Schwarzmarkt aber Abnehmer finden. Andererseits könnte es sich auch um einen spontanen Streich handeln.

Dafür spricht: Die Flugschriften seien bereits am Freitag zwischen 10 und 14 Uhr von unbekannten Tätern gestohlen worden. Zu dieser Zeit haben sich laut Polizei auch zwei Jugendgruppen, vermutlich aus Schweinfurt, im Lutherhaus aufgehalten. Die Polizei bittet die Betreuer, sich zu melden. Sie bittet zudem die Bevölkerung um Hinweise aus der Bevölkerung.

Martin Luther (1483-1546) soll als junger Schüler einige Jahre in dem Fachwerkgebäude gelebt haben. Später versteckte sich Luther - nach seinem Thesenanschlag vom Kaiser geächtet und vom Papst gebannt - nicht weit entfernt: Auf der Wartburg lebte er um 1521/22 und übersetzte hier das Neue Testament aus dem griechischen Urtext.

So wurde er zum Vater einer einheitlichen deutschen Schriftsprache, die sich fortan durchsetzte. Die Gebildeten und die politische Klasse korrespondierten und schrieben zuvor in Latein, das Volk sprach unterschiedliche Dialekte.

Luther, schwärmte der Schriftsteller Thomas Mann 400 Jahre später, habe "durch seine gewaltige Bibelübersetzung die deutsche Sprache erst recht geschaffen, die Goethe und Nietzsche dann zur Vollendung führten". Ihre Wirkung auf die deutsche Kultur entfaltet die Luther-Bibel vor allem dank deren schöpferischer, volksnaher Sprache.

Im Lutherhaus, das jetzt bestohlen wurde, eröffnete die Thüringer Landeskirche 1956 eine Gedenkstätte. Auf der Website heißt es: "In den Ausstellungsräumen soll den Besuchern Werdegang und Werk des großen deutschen Kirchenreformers verständlich gemacht werden." Die Schwerpunkte liegen demnach auf Luthers Bibelübersetzung sowie seinem "Einfluß auf Bildung und Erziehung des deutschen Volkes".

otr/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
waldemar.46 13.07.2013
1. Blödsinn!
Es ist doch Blödsinn, so etwas im Original auszustellen! Es GIBT hervorragende Kopien, wo selbst ein Kenner dreimal hinschauien muss. Geklaut wird grundsätzlich ALLES, was geklaut werden könnte: Vom Kinderroller bis zum Hubschrauber (gabs tatsächlich schon mal!). Falls es nicht wirklich nur ein Dummer-Jungen-Streich war, sollte man die für die Ausstellung Verantwortlichen zur Kasse bitten!
lordax 13.07.2013
2.
Zitat von waldemar.46Es ist doch Blödsinn, so etwas im Original auszustellen! Es GIBT hervorragende Kopien, wo selbst ein Kenner dreimal hinschauien muss. Geklaut wird grundsätzlich ALLES, was geklaut werden könnte: Vom Kinderroller bis zum Hubschrauber (gabs tatsächlich schon mal!). Falls es nicht wirklich nur ein Dummer-Jungen-Streich war, sollte man die für die Ausstellung Verantwortlichen zur Kasse bitten!
Und dann wird irgendwann alles zum Disneyland, weil es nirgendwo mehr Originale gibt. Warum sollte ich mir Kopien betrachten? Das kann ich mit hochauflösenden Bildern im Internet auch - und besser. Wenn die Forschung mit solchen Objekten "durch" ist, dann sollen sie sehr wohl im Original ausgestellt werden, auch auf die Gefährt hin, dass sie geklaut werden. Indias das "zur Kasse bitten" betrifft: es gibt wohl nur einen Schätzwert, weil die Artefakte vermutlich nie verkauft wurden. Darauf kann man keine vernünftige Schadenersatzforderung aufbauen.
schatten80 13.07.2013
3.
Passt doch auch symbolisch zur heutigen Zeit, in dem von allen Seiten versucht wird, die deutsche Sprache zu zerstören.
Phallus_Dei 13.07.2013
4.
Schluss mit der Verherrlichung von Luther durch irgendwelche Ausstellungen! Luther war ein Antisemit (siehe seine Schrift "Von den Juden und ihren Lügen"), Frauenhasser und er war für die ersten Hexenverbrennungen in Wittenberg verantwortlich: "Die Zauberinnen sollen getötet werden, weil sie Diebe sind, Ehebrecher, Räuber, Mörder… Sie schaden mannigfaltig. Also sollen sie getötet werden, nicht allein weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben." Darüber hinaus ist er mit seiner Spaltung des Christentums verantwortlich für Millionen Tote im Rahmen der folgenden Religionskriege. Zusammengefasst: Er war einer der schlimmsten Religioten in der Geschichte des jüngeren Menschheit.
mielforte 13.07.2013
5. Vielleicht stand etwas Substanzielles darin?
Vielleicht hat man mit Luther "größeres" vor? Ähnlich wie Wagner muß Luther noch demontiert werden. Das Problem ist noch, ob er getilgt werden soll oder nur umgedeutet. Wir werden sehen bzw. unsere Enkel.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.