Nach Rauswurf bei der "SZ" Karikaturist Dieter Hanitzsch geht zur "Abendzeitung"

Wegen Antisemitismus-Vorwürfen hatte Dieter Hanitzsch seinen Job bei der "Süddeutsche Zeitung" verloren. Nun fängt der Karikaturist bei der "Abendzeitung" an - und äußert sich nochmals zu seiner umstrittenen Zeichnung.

Dieter Hanitzsch (Archiv)
picture alliance/ Matthias Balk

Dieter Hanitzsch (Archiv)


Dieter Hanitzsch hatte im Mai eine Karikatur für die "Süddeutsche Zeitung" gezeichnet, die den israelischen Ministerpräsidenten in der Manier antisemitischer Stereotype darstellte. Die anschließende Kritik führte dazu, dass die Zeitung die Zusammenarbeit mit Hanitzsch beendete. Nun hat der 85-Jährige eine neue Anstellung gefunden.

Ab sofort zeichnet Hanitzsch für die Münchner "Abendzeitung". Zu diesem Anlass veröffentlichte die "AZ" nun ein Interview mit dem Karikaturisten. Darin äußerte er sich nochmals zu den Antisemitismus-Vorwürfen.

"Ich habe einfach eine Karikatur gemacht - und der Herr Netanjahu schaut eben so aus", sagt Hanitzsch. Die Zeichnung, die am 15. Mai in der "SZ" erschienen war, zeigt Benjamin Netanjahu mit wulstigen Lippen, großer Nase und riesigen Ohren. Dies hatte bei jüdischen Verbänden, anderen Medien und innerhalb der "SZ"-Redaktion für Diskussionen gesorgt (lesen Sie hier einen Kommentar zu dem Thema).

Die Zeitung begründete ihre Entscheidung damals mit "unüberbrückbaren Differenzen zwischen Herrn Hanitzsch und der Chefredaktion darüber, was antisemitische Klischees in einer Karikatur sind. Dies hat sich nicht nur in der veröffentlichten Karikatur selbst, sondern auch in Gesprächen mit Herrn Hanitzsch gezeigt."

Hanitzsch hatte sich bereits kurz nach seiner Entlassung geäußert und das Handeln der "SZ" als "Überreaktion" bezeichnet. Nun nahm er erneut zu seiner Zeichnung Stellung. Im Gespräch mit der "AZ" bezeichnete er den Vorwurf des Antisemitismus als "ungeheuerlich". Er sei das Gegenteil eines Antisemiten und habe für seine Zeichnung Zuspruch von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde erhalten.

Mit seiner Anstellung bei der "AZ" kehrt Hanitzsch zu seinen Wurzeln zurück. Bereits in den Sechzigerjahren hatte er für die Zeitung gearbeitet.

asc



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