Streit um angebliche sexuelle Übergriffe Dieter Wedel tritt als Intendant in Bad Hersfeld zurück

Mehrere Frauen beschuldigen Dieter Wedel teils schwerster sexueller Übergriffe. Jetzt gibt der Regisseur die Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele auf, seine Sprecherin teilt mit, er habe eine Herzattacke erlitten. Die Vorwürfe bestreitet er.

Dieter Wedel
imago/ Eibner

Dieter Wedel


Er könne seine Aufgaben nicht weiter wahrnehmen: Regisseur Dieter Wedel tritt nach wiederholten Vorwürfen von Schauspielerinnen wegen angeblicher sexueller Übergriffe als Intendant der Bad Hersfelder Festspiele zurück.

"Derzeit befindet sich Dieter Wedel in einem Krankenhaus. Nach den Ereignissen der letzten zwei Wochen ist er gesundheitlich angeschlagen", teilte eine Sprecherin der Festspiele mit. Seine Sprecherin bestätigte dem SPIEGEL, dass der Regisseur eine Herzattacke erlitten habe. Er befinde sich derzeit bei einem Spezialisten in Behandlung.

Anfang Januar hatten mehrere Schauspielerinnen im "Zeit-Magazin" schwere Vorwürfe gegen den Regisseur erhoben, die bis hin zum erzwungenen Sex reichten. Wedel ist der erste prominente Mann in Deutschland, gegen den im Zuge der #MeToo-Debatte Frauen unter Klarnamen derartige Anschuldigungen erheben, darunter die ehemaligen Schauspielerinnen Jany Tempel und Patricia Thielemann. Wedel widersprach den Anschuldigungen per eidesstattlicher Erklärung.

In einer am Montag von Wedel verbreiteten persönlichen Stellungnahme heißt es: "Seit mehr als zwei Wochen sehe ich mich einer nicht enden wollenden Flut schwerster, öffentlich in den Medien erhobener Anschuldigungen und Vorwürfen ausgesetzt. Der Umfang und die Art und Weise dieser Beschuldigungen haben mich zutiefst verstört und erschüttert. Und auch die Tatsache, dass es nicht aufhört." Wedel kündigte an, sich nun nicht mehr öffentlich äußern zu wollen.

Wedel ist einer der profiliertesten und erfolgreichsten Filme- und Serienmacher Deutschlands. Sein erster großer Film für den NDR war "Gedenktag" (1970) über den Aufstand am 17. Juni 1953 in Ost-Berlin. Breiteren Zuschauerkreisen wurde er mit den erfolgreichen "Semmeling"-Geschichten "Einmal im Leben" und "Alle Jahre wieder" (1976) bekannt, die satirisch den Hausbau und eine Urlaubsreise der Familie Semmeling schildern.

In der ZDF-Serie "Der große Bellheim" mit Mario Adorf in einer Hauptrolle ging es um einen Kaufhauschef. Mit dem Mehrteiler "Der König von Sankt Pauli" bei Sat.1 über das Hamburger Rotlichtmilieu sorgte Wedel 1997 für Aufsehen. Diese Mehrteiler über Männer an der Macht verschlangen für deutsche Verhältnisse Rekordsummen, fuhren aber immer wieder auch Rekordquoten ein.

Von 2003 bis 2014 war Wedel Intendant bei den Nibelungen-Festspielen, zuletzt leitete er die Bad Hersfelder Festspiele. Der Vertrag war 2016 bis ursprünglich 2022 verlängert worden. Seine Aufgaben soll vorerst Wedels bisheriger Stellvertreter Joern Hinkel übernehmen.

eth/brs/dpa



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