Beltracchi-Fälschungen Anklage gegen Museumsdirektor erhoben

Was wusste Burkhard Leismann? Im Skandal um die Kunstfälschungen des Wolfgang Beltracchi hat die Kölner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den künstlerischen Leiter des Kunstmuseums Ahlen erhoben. Der Vorwurf: Beihilfe zum versuchten gewerbsmäßigen Betrug.

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Ahlen - Der Skandal um den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi und seine Gattin Helene zieht weitere Kreise: Am 19. Februar hat die Kölner Staatsanwaltschaft den Direktor des Kunstmuseums Ahlen, Burkhard Leismann, angeklagt. Dem 60-Jährigen wird Beihilfe zum versuchten gewerbsmäßigen Betrug vorgeworfen. Aus Sicht der Ermittler soll Leismann der Bande um Beltracchi geholfen haben, einen Käufer für ein angebliches Gemälde des französischen Künstlers Fernand Léger mit dem Titel "Nature morte" zu suchen. Spätestens ab April 2010 jedoch habe Leismann wissen müssen, dass das kubistische Stillleben, das ein Komplize der Beltracchis zur Begutachtung ins Ahlener Museum gebracht hatte, gefälscht war.

ANZEIGELeismann weist die Vorwürfe zurück: Bis zuletzt sei er von der Echtheit des Werks überzeugt gewesen. Auf SPIEGEL-Anfrage nannte sein Verteidiger, Hermann-Josef Bunte, "die Vorwürfe der Anklage konstruiert und unberechtigt". Sein Mandant habe "schwerwiegende Gründe gehabt, von der Authentizität des Bildes auszugehen", so Bunte. "Mit zunehmendem Zweifel" habe Leismann zudem die Verkaufsbemühungen gestoppt und den Ermittlern die Beschlagnahme der Fälschung ermöglicht.

Tatsächlich waren die Beltracchis beim Versuch, das vermeintliche Meisterwerk für rund fünf Millionen Euro zu veräußern, äußerst trickreich vorgegangen: Als Echtheitsnachweis hatten sie vergilbte Fotos in Umlauf gebracht, auf denen das angeblich 1913 entstandene Stillleben zu sehen ist - einmal im Hintergrund eines Familienfotos, einmal an der Wand der berühmten Galerie Flechtheim, zwischen lauter echten Meisterwerken der klassischen Moderne.

Wie Beltracchi im vergangenen Jahr im Interview mit dem SPIEGEL gestand, waren die Aufnahmen in Wahrheit in seinem Atelier in Südfrankreich entstanden. Dort hatte der Kunstfälscher die Flechtheim-Galerie des Jahres 1928 nachgebaut und seine Fälschung einfach zwischen gerahmte Reproduktionen von Originalen gehängt, die einst bei Flechtheim ausgestellt waren und die er sich aus Katalogen und Fachbüchern zusammengesucht hatte. Auf den vermeintlich alten Familienfotos aus den dreißiger Jahren posierte indes Beltracchis Ehefrau - verkleidet als deren eigene Großmutter.

Demnächst muss das Kölner Landgericht über die Zulassung der 46 Seiten starken Anklageschrift gegen Leismann entscheiden.

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