Dirigenten-Legende Horst Stein ist tot

Er war einer der bedeutendsten Dirigenten des späten 20. Jahrhunderts. In Bayreuth und Hamburg feierte der Wuppertaler große Erfolge: Horst Stein, der langjährige Bayreuth-Leiter und Dirigent vieler großer Orchester, ist tot.


Bamberg - Horst Stein leitete von 1985 bis 1996 das Orchester der Bamberger Symphoniker, 1996 ernannte man ihn zum Ehrendirigenten auf Lebenszeit. Zudem war er von 1969 bis 1986 verantwortlich für die musikalische Leitung der Bayreuther Festspiele. In jener Zeit war er verantwortlich für insgesamt 138 Vorstellungen.

Dirigent Stein: Virtuose und Freigeist
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Dirigent Stein: Virtuose und Freigeist

Stein begann seine Karriere als Kapellmeister in Wuppertal. Nach einem kürzeren Engagement an der Hamburgischen Staatsoper zog es ihn 1955 an die Deutsche Staatsoper im Osten Berlins. Nach dem Mauerbau verließ er die DDR.

Von einer Tournee kehrte er aus Protest gegen die Abkapselung der DDR und gegen die Begrenzung der ihm vertraglich zugesicherten Freizügigkeit nicht zurück und siedelte sich in Westdeutschland an. Dieser Schritt brachte ihm heftige Kritik des damaligen Berliner Opernintendanten Max Burghardt ein, der ihm "Dirigentenverrat" und Vertragsbruch vorwarf.

Für zwei Jahre war Stein dann stellvertretender Generalmusikdirektor in Hamburg unter Intendant Rolf Liebermann, 1964 wurde er Generalmusikdirektor und Operndirektor am Nationaltheater Mannheim.

Zusammen mit Intendant August Everding feierte er in den siebziger Jahren erneut an der Hamburgischen Staatsoper Erfolge. Everdings vielbeachtete "Parsifal"-Inszenierung dirigierte er im April 1973 auch in Paris. Außerdem lehrte er als Professor an der Hamburger Hochschule für Musik.

1980 übernahm Stein für fünf Jahre die Position als musikalischer Direktor und Chefdirigent des Orchestre de la Suisse Romande in Genf, danach wechselte er zu den Bamberger Symphonikern, die er bis 1996 leitete. Das Orchester ernannte ihn zum Ehrendirigenten auf Lebenszeit. Stein war seit 1993 auch Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper und Ehrendirigent des NHK-Sinfonieorchesters Tokio. In den neunziger Jahren beendete er seine aktive Laufbahn und zog sich aus Gesundheitsgründen in sein Haus bei Genf zurück.

Bayerns Kunstminister Thomas Goppel (CSU) würdigte Stein am Montag als "bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart". Er betonte: "Bei den Richard-Wagner-Festspielen hat Horst Stein mit seinen Interpretationen von 'Tannhäuser', dem 'Ring des Nibelungen', 'Parsifal' und den 'Meistersingern' Aufführungsgeschichte geschrieben. Sein großes musikalisches Lebenswerk wird uns und allen Musikfreunden unvergessen bleiben."

Horst Stein starb am Sonntag im Alter von 80 Jahren in seinem Haus in der Schweiz, wie die Bamberger Symphoniker mitteilten.

sto/ddp/dpa



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