Disney-Zeichner Schröder Als die Ducks Designer wurden

Karl Lagerfeld als böser Wolf, Dolce & Gabbana als Micky und Goofy: Für eine Zeitschrift ließ Disney-Zeichner Ulrich Schröder berühmte Modedesigner als Figuren aus Entenhausen auftreten. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview erklärt er seine Charakterauswahl.

Ulrich Schröder / Daan Jippes / Mario Cortes / Ivan Boix

SPIEGEL ONLINE: Herr Schröder, Sie haben von Dolce und Gabbana bis Marc Jacobs acht der größten lebenden Modedesigner als Figuren aus Entenhausen gezeichnet. Wie kam es dazu?

Schröder: Es war eine Idee von Disneyland und der französischen Zeitschrift "Elle". Zwanzig Jahre lang arbeitete ich für Disney, aber ehrlich: Das war der tollste Job meines Lebens.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben Sie entschieden, welche Entenhausen-Figur welchen Designer darstellen soll?

Schröder: Einer stand schon fest: Karl Lagerfeld ließ ausrichten, er wolle der große böse Wolf sein. Das passte großartig.

SPIEGEL ONLINE: Auf dem Bild sieht er eher aus wie Goofy.

Schröder: Wer sich auskennt, weiß, dass die Figuren unterschiedlich aufgebaut sind. Goofy wäre viel zu tapsig, das würde gar nicht zu Lagerfeld passen. Der Wolf entspricht seinem Charakter und seinem Image. Und wenn man weiß, wie seine Assistenten aussehen, wird man sie in den beiden Typen erkennen, die hinter dem Wolf hergehen.

SPIEGEL ONLINE: Und die anderen?

Schröder: Abgesehen von Lagerfeld musste ich lange über jeden einzelnen Fall nachdenken. Donatella Versace sah ich am ehesten wie die frühe Daisy Duck, die sich vor dem Spiegel in Szene setzt, sich stark schminkt, ein wenig aufbrausend sein kann. Bei Jean-Paul Gaultier schwankte ich zwischen Gustav Gans und Donald Duck, entschied mich letztlich für Donald, weil er wahnsinnig nett sein soll. Und Gustav Gans wurde Galliano: Er kommt einfach wie ein Glückspilz daher, das passt. Für den israelischen Designer Alber Elbaz wählte ich eben Franz Gans.

SPIEGEL ONLINE: Die Meisterin der Strickmoden Sonia Rykiel wird bei Ihnen als Gundel Gaukeley dargestellt - hat Rykiel das Image als Hexe verdient?

Schröder: Natürlich lag die Wahl zum einen an den roten Haaren. Aber Gundel Gaukeley ist für mich nie die Böse gewesen, sie ist eine fast feministische Figur, hat einen starken Charakter. Wäre ich eine Frau, würde ich mich gerne von ihr repräsentieren lassen. Aber das größte Problem waren Dolce und Gabbana.

SPIEGEL ONLINE: Weshalb?

Schröder: Sie ziehen sich immer identisch an, bis zum Dreitagebart. Aber Tick, Trick und Track nehmen? Langweilig. Der eine ist etwas kleiner und rundlicher, der andere hagerer mit einem spitzen Kinn: Micky und Goofy. Im Hintergrund der Szene zieht Minnie übrigens ein Kleid mit Minnie-Druck an - Dolce und Gabbana haben einmal eine Micky-Maus-Kollektion entworfen und das Kleid stammt aus dieser Kollektion. Daher zeige ich die beiden Designer auch, wie sie einen Disney-Maus-Kopf zeichnen, mitsamt den misslungenen Versuchen auf dem Boden.

SPIEGEL ONLINE: Disney hat einen ganzen Kosmos an Trickfiguren geschaffen, Sie haben aber nur Entenhausen-Figuren genommen und bearbeitet. Warum?

Schröder: Ursprünglich war der Auftrag, die Figuren der sogenannten New Generation zu Designern zu machen, also aus "Toy Story", "Ratatouille" oder "Die Unglaublichen". Aber ich sagte der Redaktion gleich, dass das nicht geht.

SPIEGEL ONLINE: Und weshalb?

Schröder: Sie können keine Rollen spielen, die Entenhausen-Bewohner schon. Sie führen ein Doppelleben als Schauspieler, das war schon immer so. Als Charles Lindbergh über den Atlantik flog, gab es eine Geschichte, in der Micky Lindbergh spielt, es gibt Persiflagen auf Don Quixote und Cyrano de Bergerac. Die neuen Figuren sind aber trotzdem dabei.

SPIEGEL ONLINE: Wo denn?

Schröder: Ich habe sie in die Bilder reingeschmuggelt, man muss genau hinsehen. Rémy, die Ratte aus "Ratatouille", steht auf der Balkonbrüstung neben Jean-Paul Gaultier, bei Marc Jacobs verstecken sich die Monster aus "Monster AG" zwischen den Klamotten, am Bettelarmband von Sonia Rykiel baumeln Aliens aus "Toy Story" und neben Donatella Versace steht "McQueen Lightning" aus "Cars" - ein schickes Auto in Ferrari-Rot, typisch italienisch. Bei Lagerfeld und Galliano sind sie die Zuschauer.

SPIEGEL ONLINE: Inspirierte die Disney-Welt die Mode denn auch sonst?

Schröder: Manchmal sieht man es an Entwürfen mit übertriebenen Proportionen. Auch gerne zitiert wird der Micky aus den dreißiger Jahren mit seinen schwarzen Knopfaugen: Er wurde zur Pop-Ikone, weil er so grafisch ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig ist Mode eigentlich in Entenhausen?

Schröder: Zum Glück spielt sie keine große Rolle. Sonst müssten alle Geschichten nach zwei Jahren in den Müll wandern, weil sie vom Stil her überholt wären. So bleibt alles, wie es ist: Donald trägt immer ein Matrosenhemd, aber keine Hose. Das einzige Zugeständnis in Sachen Garderobe: Wenn es schneit oder regnet, dürfen die Figuren Mantel und Stiefel tragen.

Das Interview führte Anne Haeming



insgesamt 2 Beiträge
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opag78, 05.05.2010
1. Sehr sehr gutes Handwerk
Man kann zu Disney stehen wie man will, aber die Zeichnungen sind von hoechster Qualitaet. Sehr sehr viele Details, exzellente Ausfuehrung, gute Komposition. Der Mann ist wahrscheinlich einer der Besten seines Faches.
sirtein 06.05.2010
2. Sarkasmus -> Mode
Dieser Artikel ist bezüglich Mode und sarkastische Reflexion dessen auch sehr unterhaltsam :D http://www.critics.at/show/403
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