DJV Berliner Journalisten planen neuen Landesverband

Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) steckt in heftigen Turbulenzen. In Berlin und Brandenburg war von "Rechtsputsch", "feindlicher Übernahme" und "mafiösen Strukturen" die Rede. Jetzt versuchen Journalisten einen neuen Anlauf, um das lähmende Chaos in der Gewerkschaft zu beenden.


Berlin - Der Landesverband Berlin im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) hat sich neu gegründet. Zuvor waren die bisherigen Verbände Berlin und Brandenburg aus dem DJV ausgeschlossen worden. Das Netzwerk Berliner Journalisten rief den Verein Berliner Journalisten als designierten neuen DJV-Landesverband ins Leben. Der Bundesverband muss nun über die Aufnahme des Vereins als neuer Landesverbandes eintscheiden.

Zum Gründungsvorsitzenden gewählt wurde der Hörfunkkoordinator beim Rundfunk Berlin Berlin-Brandenburg (rbb), Gerhard Kothy, wie der Verein am Samstag mitteilte. Stellvertretende Vorsitzende sind die Fernsehjournalistin Christine Kolmar und der selbstständige Kommunikationsberater Reinhard Heitzmann.

Journalisten in Berlin: Böse Turbulenzen in der Gewerkschaft
WDR

Journalisten in Berlin: Böse Turbulenzen in der Gewerkschaft

Anfang nächster Woche solle auch der neue Landesverband für Brandenburg gegründet werden, so DJV-Sprecher Hendrik Zörner.

Beim außerordentlichen Verbandstag in Frankfurt am Main kam es Freitag zu einer sechstündigen emotionsgeladenen Debatte. Seit Monaten tobt in Berlin und Brandenburg ein Streit um eine "Unterwanderung des Verbands durch Rechtsradikale". Bei den Wahlen im Mai und Juni wurden neue Vorstände gewählt, etliche neue Mitglieder stimmten mit ab. Vorsitzender in Berlin wurde Alexander Kulpok, in Brandenburg Bernd Martin. Besonders umstritten ist dessen Vize Torsten Witt, der in Berlin dem nationalkonservativen Flügel der FDP angehörte und dann dem rechtskonservativen "Bund Freier Bürger".

Die Beleidigungen fliegen tief

Seitdem sprechen viele DJV-Mitglieder von einem Putsch. Delegierte der beiden Landesverbände wiesen die Vorwürfe am Freitag zurück. Torsten Witt sagte, dass die Rechtsextremismus-Vorwürfe falsch seien und bezeichnete DJV-Sprecher seinerseits als "Propagandaminister".

Die Delegierten des Verbandstages wollten einen Schlussstrich ziehen. Mit deutlich mehr als der erforderlichen Dreiviertelmehrheit schlossen sie die Landesverbände Berlin und Brandenburg aus dem Verband aus. Begründet wurde dies mit "wissentlichem Handeln gegen die Interessen des DJV und verbandsschädigendem Verhalten" und mit sofortiger Wirkung vollzogen. Danach verließen mehrere Berliner Delegierte mit wütenden Zwischenrufen den Saal.

Nach Angaben von Zörner werden die bisherigen Mitglieder der beiden DJV-Landesverbände nicht automatisch übernommen. Damit wolle der DJV der Gefahr begegnen, dass Mitglieder in die neuen Verbände aufgenommen werden, die "den alten Verbänden große Probleme beschert" hätten.

"Journalisten brauchen starke Gewerkschaft"

Aufgenommen werde nur noch, wer hauptberuflich als Journalist tätig sei und dies nachweisen könne. Diese Vorgehensweise sei im DJV zwar üblich, aber durch den Landesverband Brandenburg ausgehebelt worden. Allerdings werde die Übernahme der Mitglieder durch die neuen Verbände unbürokratisch vonstatten gehen. Der bisherige DJV-Landesverband Berlin hatte 3700 Mitglieder, in Brandenburg waren es 1300 Mitglieder.

Kothy betonte, der ehemalige DJV-Landesverband Berlin habe keine Zukunft mehr, Journalisten bräuchten aber "einen starken Berufsverband und eine starke Gewerkschaft". Der neu gegründete Verein hat die Aufnahme als Landesverband in den DJV beantragt, der bereits seine ideelle und materielle Unterstützung zugesagt hat. Er gehe davon aus, dass die Aufnahme in den DJV spätestens im Herbst dieses Jahres vollzogen werde, sagte Kothy. Noch in diesem Jahr werde es die erste reguläre Mitgliederversammlung geben.

Kolmar sagte, der Neuanfang biete zugleich die Möglichkeit, neue Ideen zu verwirklichen. Der Verein wolle auch Journalisten gewinnen, die bislang noch nicht organisiert seien.



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