Umstrittenes Mahnmal Kassel will Documenta-Obelisk kaufen

Ein 16 Meter hoher Obelisk in der Innenstadt von Kassel sorgte während der Documenta 14 für Aufregung. Nun will die Stadt das Kunstwerk erwerben - aber nur unter Auflagen.

Obelisk von Olu Oguibe auf dem Königsplatz in Kassel
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Obelisk von Olu Oguibe auf dem Königsplatz in Kassel


Monatelang hat die Stadt Kassel über den Ankauf des documenta-Kunstwerks Obelisk verhandelt, nun hat das Stadtparlament entschieden: Die 16 Meter hohe Steinsäule des nigerianisch-amerikanischen Künstlers Olu Oguibe wird gekauft, sofern es eine Einigung mit ihm über den Standort gibt. Eine Mehrheit im Stadtparlament habe dafür gestimmt und eine Frist für das Ende der Verhandlungen gesetzt, sagte eine Sprecherin der Stadt.

Im August vergangenen Jahres hatte der AfD-Stadtverordnete Thomas Materner den Obelisken als "ideologisch polarisierende, entstellte Kunst" bezeichnet und angekündigt, dass die AfD an dem Obelisken "bei jedem von Flüchtlingen begangenen Anschlag" zu Demonstrationen aufrufen werde, sollte die Stadt das Kunstwerk kaufen.

Bei einer Spendenaktion in Kassel waren etwa 126.000 Euro für den Kauf des Obelisken gesammelt worden. Das Kunstwerk war Teil der vergangenen Documenta 14, der bedeutendsten Schau für moderne Kunst.

Obelisk muss weg vom Königsplatz

Wenn allerdings bis Ende Juni keine Einigung mit dem Künstler gefunden wird, soll der Obelisk in Kassels Innenstadt auf dem Königsplatz abgebaut werden. Kein Einvernehmen im Parlament gab es bei der eigentlich entscheidenden Frage, wo das Kunstwerk denn überhaupt stehen soll. Oguibe bestand lange Zeit darauf, dass der Obelisk in der Innenstadt auf dem Königsplatz bleibt. Die Stadt lehnte dies ab. Sie will den Platz für weitere documenta-Ausstellungen freihalten.

Die Documenta in Kassel gilt als weltweit wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Mit Athen gab es im vergangenen Jahr erstmals eine Ausstellung in einer zweiten Stadt. Gleichzeitig galt die Documenta 14 als besonders politisch. Flüchtlinge waren eines ihrer zentralen Themen.

Bibel-Zitate mahnt Nächstenliebe an

Die Stadt Kassel zeichnete den in Nigeria geborenen US-Künstler Olu Oguibe im Juni 2017 mit dem nach dem Documenta-Gründer benannten Arnold-Bode-Preis aus. Oguibe, der inzwischen in den USA lebt, sagte, er habe insbesondere die dortigen evangelikalen Christen herausfordern wollen, die sich vehement gegen die Aufnahme von Flüchtlingen wehrten.

Auf dem Obelisken steht ein Bibel-Zitat aus dem Matthäus-Evangelium. Es steht im Zusammenhang von Äußerungen Jesu über Heiden. Als ein Teil seiner Anhänger antwortet, er habe doch nie Hilfe nötig gehabt, sagt Jesus: "Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es getan habt einem dieser meiner geringsten Brüder, habt ihr es mir getan." Und als andere meinen, sie hätten ihm doch immer geholfen, sagt Jesus: "Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es nicht getan habt einem dieser Geringsten, habt ihr es mir auch nicht getan."

lie/brs/dpa



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