Doku-Soap "Effenbergs Heimspiel": Tiger & Proll

Von Peter Luley

Wenn Fußballer zu viel Geld verdienen - kommt im Zweifelsfall ein Stefan Effenberg dabei heraus. Eine neue RTL-Serie dokumentiert sein Leben mit Ehefrau Claudia. Leider übersteigt die Einfalt der Protagonisten am Ende jede Schadenfreude.

Für alle, die die Eckdaten der Effenbergschen Vita gerade nicht präsent haben: Stefan Effenberg, 40, war ein erfolgreicher Fußballprofi, der mit dem FC Bayern München drei Deutsche Meisterschaften und 2001 die Champions League gewann; seinen Spitznamen "Tiger" trug er in Form einer maskenhaften Hinterkopffrisur zur Schau; von seiner Karriere in der Nationalmannschaft blieb vor allem die sogenannte Stinkefinger-Affäre in Erinnerung, von seiner Saison 2003/2004 die Beziehung zu Claudia Strunz, die damalige Ehefrau seines Mannschaftskollegen Thomas Strunz; seine Memoiren legte Effenberg etwa zur selben Zeit vor, der programmatische Titel: "Ich hab's allen gezeigt".

Nach einer derartigen (Medien-)Karriere scheint es nur konsequent, dass Effenberg sich nun als Hauptfigur einer TV-Doku-Soap verdingt hat. Das Ausschlachten von Promi-Schicksalen ist ja als Genre mittlerweile etabliert. Seit 2002 Altrocker Ozzy Osbourne auf MTV sein Privatleben ausstellte ("The Osbournes"), sind zahllose Stars und Sternchen in seine Fußstapfen getreten - von Britney Spears über Anastacia bis zur hiesigen Sangesgröße Sarah Connor, die an ProSieben Szenen ihrer jungen Ehe verkaufte ("Sarah & Marc in Love"), oder der Moderatorin Gülcan Karahanci (heute Kamps), die ihre "Traumhochzeit" vertickte.

Die alternde Sexbombe Brigitte Nielsen ließ sich vor laufender Kamera operativ rundumerneuern, und seit geraumer Zeit fiebert das Gelegenheitsmodel Jana Ina telegen der Geburt ihres Sohnes entgegen. Warum also nicht auch eine Doku-Soap über das Eheleben eines Ex-Kickers, zumal, wenn es sich so schön boulevardesk gestaltet wie das der Effenbergs?

Wohlkomponiertes Schmierenstück

Die 50-minütige Auftaktfolge des auf sechs Teile angelegten RTL-Formats "Effenbergs Heimspiel", realisiert von der einschlägig erfahrenen Produktionsfirma Granada ("Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!"), kommt denn auch als nach allen Regeln des Handwerks komponiertes Schmierenstück daher: Gezeigt wird die emotionale und räumliche Wiedervereinigung des seit dem 31. Dezember 2004 verheirateten Paars, das die Yellow Press zunächst mit der Vertagung seiner Hochzeit in Atem hielt, sich zwischenzeitlich wegen einer Affäre Effenbergs trennte und nun in München zusammenzieht.

Das Kalkül der Macher erschließt sich ganz direkt: Mit Effenbergs Umzug aus seinem "Effeville" genannten Anwesen in Fort Myers, Florida, nach Deutschland gibt es eine Art roten Faden. Es bietet sich Gelegenheit zu wechselseitigen Besuchen der Eheleute, die jeweils zwei Kinder aus ihren vorangegangenen Beziehungen haben. Und es existiert ein Aufhänger für so wohltemperiert voyeuristische Unternehmungen wie Wohnungssuche im "oberen Segment".

Der Off-Kommentar, der die Bilder - neben viel Musik - begleitet, befleißigt sich dabei einer schlüpfrigen Süffisanz, wie sie bisweilen auch das "Dschungelcamp" entfaltete, und gibt seine Protagonisten nur zu gern der Lächerlichkeit preis: Da wird Claudia Effenbergs Partnerwechsel von Thomas Strunz zu ihrem jetzigen Gatten mit dem beim FC Bayern praktizierten "Rotationsprinzip" erklärt, und wenn die redselige Blondine beim Hausbesichtigen rätselhafte Sätze von sich gibt ("Für mich ist das absolut wie das Haus, was wir eigentlich in Amerika haben, nur dass es natürlich total anders eingerichtet ist"), gönnt sich die Regie ein spöttisches "Nee, is klar".

Abgrundtief hässliche Glitzer-T-Shirts

Der Zuschauer darf außerdem die prollig-pubertäre Sprache des 43-jährigen Gelegenheitsmodels Claudia bestaunen ("Die so voll so tschaka-tschaka") und lernt die Vorliebe des einst "Cheffe" gerufenen Mittelfeldspielers für abgrundtief hässliche Glitzer-T-Shirts kennen.

Doch irgendwann beim Villen-Hopping zwischen Harlaching, Ismaning und Bogenhausen stellt sich beim Betrachter ein Effekt ein, der nicht im Sinne der Macher sein kann: Man schaut auf einmal nicht mehr - wie von der Dramaturgie beabsichtigt - staunend auf die 800-Quadratmeter-Domizile mit "Masterbedroom im Westflügel", deren astronomische Miet- oder Kaufpreise serviceorientiert in Tabellenform eingeblendet werden.

Man empfindet auch keine echte Wut mehr, wenn Frau Effenberg, im Nobel-SUV an Hochhaussiedlungen vorbeigleitend, vor sich hinplappert: "Manche wohnen in so 'nem Ding, und die fühlen sich auch pudelwohl. Die kennen das nicht anders und die finden das auch okay."

Nicht mal für Schadenfreude (oder Mitleid, je nachdem) reicht die Fallhöhe, wenn das Paar beim Teilen einer Brezel in Streit gerät.

Leere, Ödnis, Melancholie.

Den beiden geschmacksfrei tätowierten, gel- und haarspraygegerbten Selbstdarstellern bei ihrer sinnentleerten Konversation über Küchen in Amerika (generell groß) oder eine Wandverkleidung aus Krokodilsleder ("so stilvoll") zuzuhören, löst einfach nur ein Gefühl aus: Leere. Ödnis. Melancholie.

Ein leichtes Frösteln über so viel Hohlheit und Lebenslangeweile. Vielleicht am anschaulichsten manifestiert sich diese Stimmung in der Szene, als Claudia Effenberg nach all dem Luxusküchen-Angucken "das absolute Mega-Lieblingsgericht von Stefan und mir" zubereitet: eine Fertig-Currywurst im Plastikbehälter, erhitzt in der Mikrowelle.

"Es sind halt die kleinen Dinge, die glücklich machen", bemüht sich der Kommentar wieder um Süffisanz. Doch es ist längst zu spät. So destruktiv weht einen das Gepose der Eheleute an, so unerträglich ist die Seichtigkeit des Effe-Seins, dass sich nicht mal eine kathartische Wirkung à la "Geld macht eben doch nicht glücklich" einstellen will.

Womöglich ist man kurz ein bisschen dankbar, jenseits von Effeville zu leben, aber das war's dann auch. Weitere Einblicke begehrt man nicht.


"Effenbergs Heimspiel", ab 12.Oktober, 19.05 Uhr, RTL

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
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1. ...
Currie Wurst 12.10.2008
Zu solch einem Schwachsinn fällt mir nur eines ein: Investmentbanker wird zukünftig keiner mehr brauchen, Privatfernsehen erübrigt sich auch so langsam. Die einen haben sich überflüssige Kunstprodukte zum Geldverdienen ausgedacht, die anderen wissen nicht mehr, wie sie ihre Sendezeit füllen können.
2. find ich gut...
crime-scene-unit, 12.10.2008
dass die mädels immer so ne superteure küche brauchen, nur um was warmzumachen. das sagt doch eigentlich schon alles... servus c/s/u
3. Hirn? Nein danke!
ctwalt, 12.10.2008
Trash TV, Brot und Spiele aber das passt in die heutige Zeit. Man muß nur asozial und proletenhaft genug rüberkommen, schon klappt es. Aktueller Trend bei Frauen, nichts im Hirn und einen reichen Typen gesucht (Effenberg, Kamps, Faber Castell, usw.)
4. wo issn datt Prohbläm?
frankwis 12.10.2008
Häh? Bei die ollen Römers hiessass "Brot und Spiele" - heute issas "H-IV und Prollverdummung-ausse-Zappelkiste" Wie schön, daß sich in 2000 Jahren Volksbelustigung /-tranquilisierung nichts geändert hat. Der gleiche Sch..., nur eine andere Darreichungsform ... FAZIT: Der deutsche TeeVau-Addict bekommt genau das Programm vorgesetzt, das er VERDIENT!(?) - *"JaaNee, iss klar!?"*
5. jaja
Mulharste, 12.10.2008
Zitat von crime-scene-unitdass die mädels immer so ne superteure küche brauchen, nur um was warmzumachen. das sagt doch eigentlich schon alles... servus c/s/u
und da spricht der Tv-Erfahrene "ich guck sowas nicht" intellektproll un dfreut sich diebischstt, hat ihm doch sein Feuillton Schreiberling schön nach dem Munde getextet. Frau Effenberg kann, im Gegensatz zur indoktrinierten Ansicht (Currywurst aus der Plasteschale), verdammt gut kochen und ist eine der wenigen "Promifrauen" die mit Herz und Leidenschaft am Herd steht.
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