Doku-Soap mit Britney Spears Knutsch die Kamera!

Britney Spears ist die große alte Dame des Girlie-Pop, eine 23-jährige Veteranin des Showbusiness. Mit ihrem Mann bestreitet sie jetzt die Doku-Soap "Britney and Kevin: Chaotic" - die nächste Stufe der medialen Selbstausbeutung ist genommen.

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Soap-Darsteller Kevin, Britney: "Küsst du die Kamera?"
VIVA

Soap-Darsteller Kevin, Britney: "Küsst du die Kamera?"

Britney ist perfekt. Nicht so sehr im physischen Sinne - die Aguileras und Beyoncés dieser Welt haben dann doch noch ein bisschen mehr zu bieten als den moppeligen Cheerleader-Sex von Lady Spears. Und natürlich auch nicht stimmlich, Vergleiche erübrigen sich da.

Britney ist perfekt als das, wozu sie geschaffen wurde: fleischgewordener Content, eine permanent die Prominentenverarbeitungsindustrie fütternde Selbstinszenierungsmaschine, die mal mit fundamentalchristlicher Keuschheit, mal mit kabbalistischen Anwandlungen, mal mit Strapsshows auf der Bühne und jetzt eben mit einer Schwangerschaft immer schön zum medialen Grundrauschen beiträgt. 20 Jahre Madonna, komprimiert im öffentlichen Leben einer 23-Jährigen.

Der Star als Paparazzo

Die Kameras der Welt lieben Britney, auch wenn sie mal ein wenig aufgequollen ist oder pinkfarbene Schwangerschaftsklamotten trägt oder Sonnenbrillen, mit denen sie an den jungen John Wayne erinnert. Und Britney liebt die Kameras - so sehr, dass sie ständig eine mit sich führt und sich beim Leben filmt. Sich und ihren Gatten Kevin Federline (26 bis 28 Jahre alt, je nach Quelle). "Britney and Kevin: Chaotic" heißt die Sendereihe, die aus diesen Privatvideos, gemischt mit Konzertausschnitten und zusätzlich gedrehtem Material, entstanden ist und heute um 17 Uhr zum ersten Mal bei Viva ausgestrahlt wird.

Man sieht darin: Britney und Kevin hinten im Auto, knutschend, die Kamera hält Britney. Britney und Kevin im Hotelzimmer, auf dem Tisch Kopfstand übend, die Kamera hält Kevin: "Schau dir diesen Arsch an!" Kevin, für den die "Bild"-Zeitung die feine Berufsbezeichnung "Prolo-Drohne" kreiert hat, mit Zigarette, Kevin mit Cognacglas, Kevin mit Sonnenbrille. Britney hysterisch kreischend im landenden Flugzeug, Britney verliebt kichernd, Britney kühl geradeaus starrend.

Viel interessanter als das, was man sieht, ist ohnehin das, was man hört: Die Selbstinszenierungsmaschine analysiert sich selbst. Sie sei niemand, der sich in einer Zweiersituation schnell wohlfühle, sagt Britney einmal, da habe es schon geholfen, die Kamera dabeizuhaben. Privatsphäre macht einsam, scheint's. Und Kevin findet, dass man sich irgendwie leichter näher gekommen sei, dadurch, dass man sich gegenseitig filmt. "Wirst du den Kameramann küssen?", fragt er einmal hinter dem Sucher hervor - und Britney knutscht die Linse. Wie gesagt: Britney liebt die Kamera.

Einen Ferrari vom ersten eigenen Geld

Mit "Britney and Kevin: Chaotic" ist die maximal mögliche Ökonomisierung der Prominentenverwertung erreicht. Der Autor und sein Gegenstand fallen zusammen; die Prominenten von heute nehmen den Paparazzi die Arbeit ab und beobachten sich selbst. So befruchten Exhibitionismus und Voyeurismus einander und liefern ununterbrochen die Wiederkehr des ewig Gleichen. 1,7 Millionen Euro sollen die beiden für die Show bekommen haben - keine schlechte Art, eine Schaffenspause mit Geldmachen zu füllen. Und nicht in Vergessenheit zu geraten natürlich. Kevin hat sich vom ersten selbstverdienten Geld einen Ferrari gekauft.

Im September soll Britneys erstes Kind zur Welt kommen (Kevin hat schon zwei). Die US-Quoten von "Britney and Kevin: Chaotic" sind wohl nicht so besonders. Wie gut, dass die Geburt live im Fernsehen übertragen wird.



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