Trump, Le Pen und Co. Erst die Arroganz der Linken macht Populisten möglich

Natürlich kann man Wutbürger und Populistenwähler als Idioten bezeichnen. Bringt nur nichts.

Anti-Trump-Demonstranten in Las Vegas (am 12. November)
AFP

Anti-Trump-Demonstranten in Las Vegas (am 12. November)

Ein Kolumne von


Haben sie sich von Trump erholt? Vom wilden Feiern, die einen. Von der Depression und der Starre, wenn sie von einer bunten, friedlichen Welt träumten, in der sich alle liebhaben, die anderen. Haben sie verstanden, dass es Millionen gibt, die nicht ihrer Meinung sind, also beide Gruppen, und dass man mit ihnen leben muss, es sei denn man verabschiedet sich, um in Zukunft in einer Höhle in Papua-Neuguinea zu wohnen?

Viele demokratisch-pluralistisch Denkende haben geglaubt, dass die meisten so sind wie sie. Auch wenn sie täglich gesehen haben, dass es andere geben muss. Im Netz, auf der Straße, mit Transparenten, es gibt Menschen, die zu wissen glauben, dass sie gegen eine kleine Elite an Weltzerstörern ankämpfen. Welches Lager ist größer, wer hat recht, und wie lebt es sich für die einen in dem von den anderen dominierten System? Trump und Le Pen, die AfD, Polen und Ungarn (habe ich was vergessen?) stellen das Experiment Weltoffenheit gerade ein.

Wie konnte es nur dazu kommen? Wo wir doch so tolle Theaterstücke gegen Fremdenhass gemacht haben, die wir uns auf die Schulter klopfend angeschaut haben. Und all die Luftballons. Die Medien waren sich so einig in der Beschimpfung von ein paar Deppen. Aber, verdammt, die Deppen können lesen, und was macht man, wenn man dauernd als Idiot bezeichnet wird, als Honk, als ungebildet, primitiv? Wenn ein falsches Wort im Netz einen Shitstorm statt einen Dialog hervorruft? Nach der US-Wahl überbieten sich die Medien in Weltuntergangs-Headlines und Analysen über die Abgehängten, die Ungebildeten, die Arbeitslosen.

Die Linken hören Mozart und regen sich über die Blödköpfe da draußen auf

Der beste Nachwahlbeitrag wurde von Tom Walker geliefert und von seiner Kunstfigur Jonathan Pie dargestellt. Trump wurde durch Arroganz und Dummheit möglich. Aber nicht durch Arroganz und Dummheit seiner WählerInnen. Sondern der selbstgerechten Linken und Demokraten.

Der Linken, die sich den Kopf zu Mozart wiegend über die Blödköpfe da draußen aufregen. Es hilft aber überhaupt nichts, einander zu hassen. Wenn man davon ausgeht, dass wir alle nicht die Hellsten sind, muss man einander ernst nehmen. Es bedeutet nicht, seine Verachtung gegenüber jenen aufzugeben, die wissen, wie man die Menschen verunsichert, aufhetzt, wütend macht. Erstaunlich, wie immer noch ein Mensch imstande ist, ein ganzes Land zu ruinieren.

Dialog mit Andersdenkenden. Ich habe keine Ahnung, wie das funktionieren kann. Einfach mal nett mit Fundamentalisten plaudern. Die neuen polnischen Nationalkatholiken fragen, ob sie das mit der Nächstenliebe wirklich verstanden haben? Ein Versuch lohnt sich. Kurz innehalten, ehe man im Netz einen Andersdenkenden beschimpft. Freundlich antworten, ein paar Gegenfakten aufzeigen. Den Hass nicht nähren, sondern entschärfen, ein interessanter Selbstversuch. Sich engagieren, statt gelähmt zu sein. Das Einfachste, was mir einfällt. Vielleicht wird ja alles gut. Die vom Menschen beauftragte Regierung findet in einen neuen Dialog mit denen, die sie verwalten soll, das vom Bürger bezahlte Fernsehen strengt sich an, seinem Bildungsauftrag nachzukommen, statt mit Helene Fischer und Schnulzen Beschwichtigung zu versuchen.

Hätte, könnte, würde, die steile These des heutigen Tages: Der Mensch ist nur in Kitschfilmen empathiefähig. Mitgefühl funktioniert nicht mit Brüllen und Ausrufezeichen. Mehr weiß ich nicht.

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Kolumne - Fragen Sie Frau Sibylle


insgesamt 661 Beiträge
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cdrb 19.11.2016
1. Freundlich
Es ist freundlich von Ihnen, Frau Berg, diese Mahnung an Ihre Kollegen auch dem Publikum zugänglich zu machen.
pratter 19.11.2016
2. Das Beste zum Thema !
Frau Berg, das war ehrlich, fundiert, bescheiden - unideologisch. Kein Patentrezept nach der Analyse - wie auch? Es gibt einige gute Analysten der Situation - aber die alle ziehen falsche Schlußfolgerungen - weil sie ideologisch vernagelt sind. Die Freiheit der Andersdenkenden - das ist wahrer Liberalismus - oder anders ausgedrückt - die einzige Chance, die meisten Menschen inhaltlich zu erreichen. Allerdings setzt das bei Jedem ein gewisses Mass an Bereitschaft zur Eigenverantwortung voraus. Dankle, danke, danke, Frau Berg. Ich ernenne hiermit Ihren Artikel zur Pflichtlektüre für alle !!
kaiserudo 19.11.2016
3. Soso
Die linken sind jetzt also schuld am massiven Zuwachs der rechten. Die weiße Rose und die Scholl Geschwister jetzt also Täter statt Opfer. Leute wie pispers , Lafontaine oder Gysi sind schuld an pegida und afd und fremdenhass. Steile These. Rosa Luxemburg rotiert schon im Grab. Könnte es nicht so sein das die rechten Zuwenig oder zu schlechte Schulbildung genossen haben und Deswegen meinen Mozart sei ein Konfekt oder eine sexpraktik ? Der Grund warum allerorten rechte Zuwachs bekommen ist die abgehängte und verlorene, von SPD und Grünen verratene Unterschicht. Seid Helmut Schmidt noch unter Brandt Minister und später Kanzler wurde herrscht in der BRD der Neoliberalismus. Vielleicht sollten sie mal eruieren ob diese politische Strömung nicht schuld ist am erstarken der rechten. Weil die Parteien dieses prekariat verraten und verkauft haben.
micca221 19.11.2016
4. Die Freunde der Neofaschisten
Es sind Meinungen wie diese die mich in meiner Meinung bestärken, dass die heutigen Linken und Grünen die “besten Freunde” von Hitler gewesen wären. Wie komme ich zu solch einer kontroversen, aber sehr ernst gemeinten Aussage? Ich glaube, es liegt im Wesen der modernen Linken, die Demokratie immer genau dort zu verteidigen, von wo her ihr die geringste Gefahr droht. Bedroht ein Trump oder eine AfD wirklich die Demokratie bzw. die Freiheit? Ich glaube eher nicht. Das Schlimmste was wir von Herrn Trump auch in Zukunft erwarten können sind wohl stänkernde, peinliche Tweets. Die Grünen und Linken sehen sich gerne als Bollwerk gegen den Faschismus. Sie verteidigen die Demokratie aber auffälliger Weise immer genau dort, wo ihnen die geringste körperliche Gefahr droht. Wodurch zeichnet sich aber echter Faschismus aus? Er zeichnet sich dadurch aus, dass er politische Ziele unter Einsatz jeglicher Mittel durchzusetzen versucht, insbesondere unter Einsatz von Gewalt. Der Zweck heiligt quasi alle Mittel und der Kampf gegen den Faschismus ist deshalb nicht ungefährlich. Mordende Horden von Zottelbärtigen, die ganze Dörfer ausradieren, erbeutete Frauen als Sexsklavinen halten, Kinder und Alte ohne jegliche Gefühlsregung exekutieren bzw. enthaupten mit dem Endziel eines Welt umspannenden Kalifats sind in meinen Augen der Ausdruck einer Reinform von Faschismus. Jetzt frage ich Sie als Leser: Haben Sie jemals schon von einen Salonlinken wie Herrn Augstein einen Artikel gelesen, in dem er den IS als gefährlichen, intoleranten Verein bezeichnet oder eine Claudia Roth auf einer Salafisten Demo ein Banner hoch halten sehen, auf dem sie die Gleichberechtigung der Frau oder die Akzeptanz von Homoehen einfordert? Nein, das haben Sie nicht. Das werden Sie auch nie sehen. Sie wissen alle instinktiv, dass wäre viel zu gefährlich. Leute wie Claudia Roth gehen lieber auf AfD Demos, wo sie wissen, es wimmelt dort zwar nur so vor “Wutbürgern”, die Gefahr von Gewalt aber ist relativ überschaubar. Stattdessen schickt man junge Polizisten los, die dann zum Teil schwerste Verletzungen davon tragen, wenn sie von solchen Leuten ohne die geringsten Skrupel mit Messern, Säbeln und Äxten angegriffen werden. Wieso also sind nun die Grünen und Linken die besten Freuden dieser Neo-Faschisten? Weil sie scheinbar reflexhaft immer genau dann mit falsch verstandener Toleranz reagieren, wenn Toleranz eigentlich komplett fehl am Platze ist. Eine Renate Künast, die das Berliner SEK (ein Sonder Einsatz Kommando der Polizei!) auffordert, die Schuhe auszuziehen, vor dem Betreten einer Moschee, bzw. eine Aydan Özoğuz, eine türkisch stämmige SPD Politikerin und Integrationsbeauftrage der Bundesregierung mit islamistischen Brüdern in der eigenen Familie, die “ein sehr, sehr grosses Augenmass” einfordert beim Durchgreifen gegen radikale Salafisten sind geradezu absurd anmutende Beispiel hierfür.
medienhoppel 19.11.2016
5. IQ Raumtemperatur
---Zitat--- Trump, Le Pen und Co. Erst die Arroganz der Linken macht Populisten möglich ---Zitatende--- Jaja, und in Frankreich wird behauptet, die Attentäter von Paris vor einem Jahr sind erst durch die 68er möglich geworden. Es gibt absolut irre Thesen, die derzeit mal wieder alle "Linken" seit Karl Marx für aber auch wirklich jeden Scheiß auf der ganzen Welt verantwortlich machen wollen.. Weder der Raubtierkapitalismus der Globalisierung noch der übergierige Egoismus der neoliberalen Lehre sind an irgendetwas wie zB Armut, Arbeitslosigkeit oder Dumpinglöhnen, mangelnden Perspektiven und Wut der Menschen Schuld, sondern das ist alles nur ein Werk der Salonsozialisten, die Mozart hören und die Welt wütend machen. Simplizius Simplizissimus ist ein komplizierter Denker im Vergleich zu diesen kühnen Behauptungen
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