Donaldisten-Kongress Fortpflanzung per "Veronkelung"?

Ein Leben für die Ente: Auf seinem 24. Kongress widmete sich der pseudowissenschaftliche Verein der Donaldisten den evolutionären Prozessen in Entenhausen.


Mensch in Entengestalt: Comic-Veteran Donald Duck
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Mensch in Entengestalt: Comic-Veteran Donald Duck

Karlsruhe - Die schlechte Nachricht zuerst: Noch liegen keine gesicherten Informationen vor, welche Evolutionsprozesse in Entenhausen ablaufen. Nun die guten News: die Forschung läuft auf Hochtouren: Insgesamt 70 Mitglieder der Deutschen Organisation der Nichtkommerziellen Anhänger des Lauteren Donaldismus (D.O.N.A.L.D.) versammelten sich vergangene Woche zu ihrem 24. Kongress in Karlsruhe, um Neues zur stammesgeschichtlichen Entwicklung der Tierwelt der Comicfiguren zu präsentieren. Einen Tag lang präsentierten Entenfans und Hobbyforscher den aktuellen Stand der Forschung im Naturkundemuseum, wo bis zum 25. Juni auch die Sonderausstellung "Biodiversität in Entenhausen" zu sehen ist.

Die schwierige Seelenlage des Geflügels

Psychosen und Traumata, Mutationen und artspezifisch charakterliche Kohärenz (Zusammenhänge) konnten die Hobbyforscher in Entenhausen bei ihren gezeichneten Lieblingen diagnostizieren. Das Problem der Domestikation von Hunden in Vogelfamilien wurde aufgezeigt und auf die schwierige Seelenlage von Geflügel hingewiesen. Das Phänomen der zwei Arten von Schwarzen Suppen von Sparta wurde ebenso diskutiert wie das der viereckigen Eier oder der verwaisten Vogelkinder.

Artenschutz existiert in Entenhausen kaum, und Ratten und Mäuse werden wohl per se nur selten ehrenhafte Bürger, sondern eher Saboteure, Rechtsverdreher oder Kommunisten. Die Forscher müssen es wissen, schließlich konzentriert sich nahezu jeder Donaldist auf einen eigenen und klar definierten Arbeitsbereich.

Die Verbreitung donaldistischen Sinnguts

Mehr als 600 Entenfans aus Deutschland, anderen europäischen Staaten und den USA haben sich in dem 1977 in Hamburg gegründeten Verein zusammengefunden, um Lücken im Forschungsfeld Entenhausen zu schließen. "Viele haben eine wissenschaftliche Ausbildung, was natürlich bei der Forschungsarbeit nützlich ist", versicherte Nicola Waldbauer aus Wien, die als "PräsidEnte" fungiert und mit 26 Jahren zu den jüngsten im Verein zählt. Auch die Studentin der Theaterwissenschaft hat sich wie ihre Vereinskameraden laut Satzung der Pflege, Förderung und Verbreitung donaldistischen Sinnguts verschrieben.

"Persiflage auf die Wissenschaft"

Guru der Donaldisten: Verstorbenr Donald-Zeichner Carl Barks
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Guru der Donaldisten: Verstorbenr Donald-Zeichner Carl Barks

Um Mitglied zu werden, muss der Entenfreund zwar auf dem Boden der Freiheitlichen Donaldistischen Grundordnung stehen, "der Vollbesitz der geistigen und körperlichen Kräfte sowie der bürgerlichen Ehrenrechte" ist jedoch nicht erforderlich. Dafür sollten die Donaldisten etwas anderes mitbringen: Humor. "Was wir hier machen, ist eine Persiflage auf die Wissenschaft, die umso lustiger ist, je näher wir an der echten bleiben", sagte Nicola Waldbauer.

Rüsselschnurpse und Dickbackenschlangen

Um dies mit einheitlichem Datenmaterial zu bewerkstelligen, wurden alle 520 Enten-Geschichten des Zeichners Carl Barks in der Übersetzung von Erika Fuchs zur Primärliteratur erklärt. Mit diesen mehr als 6300 Seiten Quellenmaterial werden Rüsselschnurpse und Dickbackenschlangen mühelos als in Entenhausen endemisch klassifiziert.

Menschen, die aussehen wie Enten?

Doch nicht immer ist die Lage so eindeutig: Sind die Enten vielleicht gar keine Enten, sondern nur Menschen, die aussehen wie Enten? Pflanzen sich die Tiere über die "Veronkelung" fort? Wer bringt Pferden das Jojo-Spiel bei und warum hat Geflügel oft Appetit auf jenes? Fragen, die auch der Kongress nicht für alle befriedigend lösen konnte.

Auch in Zukunft bleibt so für die Forscher manches Rätsel zu lösen: Wer physikalische Phänomene wie etwa die atmosphärische Zirkulation in Entenhausen untersucht, der Existenz von Duckschen Zähnen nachweist oder einen exakten Stadtplan der Stadt aus dem Comic-Heft erstellt, kann sich sicher noch gefiederte Lorbeeren verdienen.

Tina Kampf, dpa



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