Zweimal gewählt Verfahren gegen "Zeit"-Chefredakteur vorläufig eingestellt

Er hatte seine Stimme bei der Europawahl gleich zweimal abgegeben und bekam deswegen Ärger mit der Justiz. Nun wurde das Verfahren gegen "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo vorläufig eingestellt. Ganz ohne Buße kommt er aber nicht davon.

"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Verfahren vorläufig eingestellt
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"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo: Verfahren vorläufig eingestellt


Hamburg - Die Hamburger Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen den Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit", Giovanni di Lorenzo, wegen Verdachts der Wahlfälschung vorläufig eingestellt. Das teilte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Nana Frombach, mit. Sie bestätigte damit einen Bericht des "Hamburger Abendblatts". Di Lorenzo hatte bei der Europawahl im Mai gleich zweimal seine Stimme abgegeben.

Das Verfahren wurde nach Angaben der Sprecherin wegen geringer Schuld und gegen eine "namhafte" finanzielle Auflage vorläufig beendet. Die Höhe der Zahlung, die der "Zeit"-Chefredakteur leisten muss, wollte sie nicht nennen. Sobald die Auflage bezahlt sei, werde das Verfahren endgültig eingestellt.

Di Lorenzo hatte in der ARD-Sendung "Günther Jauch" Ende Mai berichtet, dass er bei der Europawahl zweimal gewählt hatte - einmal als italienischer Staatsbürger im Konsulat des Landes in Hamburg, und ein zweites Mal als Bundesbürger in einer Grundschule der Hansestadt. Er hätte aber nach dem Europawahlgesetz nur einmal wählen dürfen. Di Lorenzo ist seit 2004 alleiniger Chefredakteur der Wochenzeitung "Die Zeit".

jbe/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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herrdainersinne 19.11.2014
1. Wo sind wir denn ?
Der Mann begeht Wahlbetrug. Man beschliesst das Verfahren "vorläufig einzustellen". Gegen eine "Zahlung". Das alleine mag ein Geschmäckle haben, mag mancher als "freikaufen" empfinden. Die Höhe der "Zahlungsauflage" aber geht doch nun wirklich Alle an ! Wie wirkt denn bitte sowas ? Wie soll irgendjemand bei sowas noch an transparenz, an Rechtsstaatlichkeit denken - und nicht an Mauschelei ?
wqa 19.11.2014
2.
Warum ist die Höhe der Geldzahlung eigentlich geheim? Wäre ja schon interessant zu wissen was er zahlen musste. Dann wissen alle Doppelpassausländer was eine Wahl kostet und wir Einfachpassinländer wie doof wir sind.
der:thomas 19.11.2014
3. Steht da ausdrücklich im 107a
(1) Wer unbefugt wählt oder sonst ein unrichtiges Ergebnis einer Wahl herbeiführt oder das Ergebnis verfälscht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. Jetzt bräuchte ich noch ein Beispiel wo jemand mit mittlerer und hoher Schuld unbefugt wählt und nicht eingestellt wird...
jogola 19.11.2014
4. One man, one vote
wie kann jemand, der das nicht von allein kapiert, weiter meinungsbildend tätig sein.
FeddaHeiko 19.11.2014
5. Wenn er das nicht zugegeben hätte...
... dann hätte das nie jemand mitbekommen. Aber anstatt diese Lücke zu schließen oder mal zu untersuchen, wie viele Leute das noch ausgenutzt haben, wird er verklagt. An echter Demokratie besteht eben kein Interesse, in D nicht und in der EU schon gar nicht. Lang lebe die Bürokratie!
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