Dr. Mitte Und ewig lockt das Partygirl?

Ariane Sommer ist Model, Moderatorin, Autorin, Partygirl - der Prototyp des modernen Medienstars der Post-Jenny-Elvers-Ära. Derzeit gibt es kein Entkommen vor der 24-jährigen Blondine in der Berliner Medienlandschaft. Jürgen Laarmann untersucht das Phänomen.


Ariane Sommer hier, Ariane Sommer da. Wie konnte es so weit kommen?

Partygirls haben's auch nicht leicht: Ariane Sommer musste in Schokoladenmus baden, um bekannt zu werden.
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Partygirls haben's auch nicht leicht: Ariane Sommer musste in Schokoladenmus baden, um bekannt zu werden.

Noch Ende 1999 war sie die Flyerverteilerin von der Westberliner Discothek 90 Grad, war gut gewachsen und stylte sich auffälliger als andere Mädchen. Dann gelang ihr ein genialer Coup: Autor Joachim Bessing ("Tristesse Royale") stellte sie in einem doppelseitigen Feature in der "BZ" mit ihrem Begleitservice für Prominente (der angeblich 1000 Mark pro Nacht kosten sollte) als VIP für VIPs vor. Das hinterließ Eindruck und ließ sich als PR-Tool perfekt einsetzen. Der Service wurde übrigens zwei Monate später eingestellt, und Ariane Sommer erklärte, sie wolle nicht als 1000-Mark-Schmuddel-Girl gebrandmarkt werden. Unerwähnt blieb, dass kein Prominenter in der Regel auch nur einen Pfennig ausgibt, um begleitet zu werden. Der PR-Effekt blieb.

Die Sommerschen Basisinfos waren indes vermittelt: Ariane ist Nichte des Ex-"Zeit"-Herausgebers Theo Sommer, spricht 5 Sprachen, ging in Salem zur Schule, hat tolle Manieren und noch bessere Connections.

Ein weiterer wichtiger Karriereschritt in Ariane Sommers Laufbahn war der Tag, als sie für Sternekoch Markus Semmler aus Promo-Gründen in eine Badewanne Mousse au Chocolat tauchte, was dem Starkoch jedoch kein Glück brachte. Seine Läden machten kurz darauf wegen Steuerschulden dicht. Das Foto von Sommer ging jedoch um die Welt.

"...und natürlich Ariane Sommer"

Als Partygirl ist sie seitdem allgegenwärtig. Im Rahmen jeder Berichterstattung über Events - von der Filmpremiere bis zum Clubabend - ist es in den Berliner Medien fast schon Usus geworden zu erst die Namen der drei, vier bekanntesten Gäste aufzuzählen um dann mit einem flapsigen "...und natürlich - Ariane Sommer" zu schließen. Zum Ende des letzten Jahres wurde sie im Stadtmagazin "Tip" zur Nummer eins der "Hundert peinlichsten Berliner" gewählt, im Männermagazin "GQ" landete sie halbnackt auf der Titelseite.

Sommers Mühen begannen sich zu lohnen: Der "Playboy" gibt ihr auf immerhin einer knappen Drittelseite Gelegenheit, monatlich die Kolumne "Schlaflos in Berlin" zu schreiben, in der sie Berliner Restaurants vorstellt. Auf "n-tv" moderiert sie das Magazin "Lebensart" für die "schönen Dinge des Lebens". Ihre Stimme klingt dabei artifiziell-roboterhaft und ihre Moderation wie einstudiert, wenn die 24-Jährige Weine goutiert und bestätigt, wie blumig deren Aroma doch sei. Das hindert die Produktionsfirma Brainpool ("TV Total") jedoch nicht, über weitere Formate mit ihr nachzudenken.

Flott-banale Benimm-Bibel

Soeben hat Ariane Sommer auch noch eine "Benimm-Bibel" herausgegeben, die großspurig mit "Ultimatives für moderne Menschen" untertitelt ist, weil es ihr wichtig sei, Normen und Werte für ein besseres Zusammenleben zu vermitteln. Tatsächlich enthält die Fibel aber nur allerlei flott-banal geschriebene Selbstverständlichkeiten vom Format wie: "Menschen, die in Nightclubs arbeiten, nicht morgens um 11 Uhr anrufen".

Der offensichtliche Durchmarsch des Partygirls ist Stadtgespräch, ihre Omnipräsenz provoziert natürlich auch Neider und Kritiker. Vielen gilt sie als liebste Reizfigur. Nicht mal in ihrer Ur-Funktion als Partygirl ist sie daher in der Szene allseits anerkannt. Den einen gilt sie als einseitige Promoterin der inzwischen im Besitz des Hamburgers Nils Heiliger befindlichen Möchtegern-Promidisco 90 Grad, den anderen als eine mit reichem Mann verheiratete wichtigtuerische Spießerin.

Viel Feind, viel Ehr: Sozialneid, Skepsis, Eifersucht

Als Berlin-Ikone taugt sie zudem nur bedingt. Im Prenzlauer Berg mögen sie manche nicht, weil sie kritisierte, dass man sie dort als zu "overdressed" schräg angesehen habe. Sommers Attitüde und ihr Schickimicki-Gehabe erscheint anderen als unglücklicher Begleitumstand des Zuzugs von Neuberlinern. Sozialneid provoziert sie ohnehin spielend bei allen, die weder "Zeit"-Herausgeberonkel, Diplomateneltern und andere Karrierehilfen zur Verfügung haben, um ein entsprechendes Medien-Entree zu erhalten.

Doch auch das Establishment ist skeptisch: Wer will Benimm-Regeln von einer 24-Jährigen, die sich vor einem halben Jahr noch in Mousse au Chocolat wälzte?

Blanke Eifersucht löst sie nicht zuletzt bei all jenen aus, die gerne ihre Jobs machen würden. So musste sie sich unlängst eine böse Parodie "Partygörl Marianne Sommerloch" des Nightlife-Veteranen Marcello Masturbiani in einer Stadtzeitung gefallen lassen. Viel Feind, viel Ehr. Doch im Rahmen der aktuellen Ent-Zlatkoisierung der Gesellschaft steigen die Anforderungen an die selbstinszenierenden Partygirls von heute.

Kürzlich redete Ariane Sommer bereits vom Kinderkriegen. Wird der Spuk gar ähnlich enden wie das Schicksal von Jenny Elvers?



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