Dreister Kunstraub Diebe stehlen Nationalsymbole

Die Goldhörner von Gallehus gelten in Dänemark als Nationalheiligtümer - auch wenn sie nur noch als Nachbildung existieren. Die Originale wurden bereits 1802 gestohlen. Letzte Nacht schlugen Diebe erneut zu.


Jelling bei Vejle - Nach Angaben der Polizei verschafften sich die Täter über eine Leiter Zugang zu dem menschenleeren Museum. Dann brachen sie die Vitrine auf, in der die Exponate aufbewahrt wurden.

Für Dänemark ist der Raub weniger ein materieller Verlust als eine symbolische Schmach. Die Hörner seien Teil des dänischen kulturellen Erbes, sagte Carsten Larsen, der Direktor des Nationalmuseums, das die Werke für eine Ausstellung in Jelling nahe der Stadt Vejle im Zentrum des Landes ausgeliehen hatte.

Die "Guldhornene von Gallehus" sind nach ihrem Fundort nahe der heutigen dänisch-deutschen Grenze benannt. Seit ihrem Auftauchen 1639 und 1734 gelten sie als Symbol für die lange, eigenständige Nationalgeschichte Dänemarks.

Doppelter Diebstahl, doppelte Schmach

Jetzt wurden Dänemarks "Nationalheiligtümer" bereits zum zweiten Mal geraubt. Die Original-Hörner stammten aus dem 3. Jahrhundert nach Christus. 1802 stahl ein verschuldeter Juwelier sie aus dem königlichen Kunstarchiv und schmolz sie ein, um aus dem Gold Schmuck und Falschmünzen herzustellen.

Die rund 200 Jahre alten Nachbildungen sind aus Blattgold auf Silber gefertigt und nicht, wie die Originale, aus massivem Gold. Der materielle Wert sei deshalb begrenzt, sagte ein Sprecher des Nationalmuseums. Experten vermuten, die Diebe wollten mit dem Raub vor allem ein Lösegeld erpressen.

Doch auch rein materiell dürfte sich der Einbruch für die Diebe gelohnt haben: Neben den Nachbildungen der Goldhörner erbeuteten sie noch weitere Ausstellungsstücke. Teil des Diebesguts sind ausgerechnet einige goldene Schmuckstücke, die der Schmied Niels Heidenreich aus dem eingeschmolzenen Gold der Original-Hörner fertigte.

ssu/AFP/dpa



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