Dresdner Elbtal Regierungspräsidium verordnet Brückenbau

Waldschlösschen-Brücke: Klingt niedlich, meint aber eine geplante vierspurige Schneise durchs Elbtal-Panorama. Die Unesco droht mit dem Entzug des Weltkulturerbe-Status. Dennoch ordnete die kommunale Aufsicht heute den Baubeginn an.


Dresden - Frauenkirche und Grünes Gewölbe: Dresden kann stolz sein auf seine Kulturschätze - und auf sein großes Engagement bei der Restauration dieser beiden Wahrzeichen. Stadtplanerisch leistet man sich hingegen einen Streit, der ein blamables Ende finden könnte: Die sächsische Regierung besteht auf den Bau einer vierspurigen Brücke quer über das Elbtal; die Unesco fand die Idee bedenklich und setzte am 11. Juli das Weltkulturerbe Elbtal auf die "rote Liste" gefährdeter Stätten.

Geplante Waldschlösschen-Brücke (Computerbild): Planerisches Hin und Her
DPA

Geplante Waldschlösschen-Brücke (Computerbild): Planerisches Hin und Her

Heute ordnete das Regierungspräsidum in seiner Funktion als kommunale Aufsichtsbehörde dennoch den Baubeginn an - unbeeindruckt vom Veto des amtierenden Oberbürgermeisters Lutz Vogel (parteilos), der einer Aufforderung des Stadtrates gefolgt war. Erst vor kurzem hatte dieser mit rot-rot-grüner Mehrheit den Baustopp beschlossen: Man wollte nicht die Touristen vergraulen, die ihre Reisen an den Weltkulurerbe-Orten entlang planen.

Verschärft wird das Dilemma durch einen Volksentscheid der Dresdner Bürgerschaft, der allerdings vor der Intervention der Unesco erfolgte: Die Waldschlösschenbrücke würde den Pendlerverkehr entlasten, so die Überlegung.

Von Entlastung kann nun erst einmal keine Rede sein: Die für einen neuen Bürgerentscheid nötige Zwei-Drittel-Mehrheit scheitert am Widerstand von CDU und FDP, die trotz Unesco-Einwänden die Brücke bauen wollen. Die Stadt rief heute das Verwaltungsgericht an; die Richter sollen in einem Eilverfahren klären, ob die Zwangsvergabe von Bauleistungen durch das Regierungspräsidium zulässig ist.

dan/ddp/dpa



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