DSDS-Halbfinale Langeweile schlägt Vorstadt-Luder

Der Zickenkrieg ist entschieden: Im DSDS-Finale stehen Super-Stimme Sarah Kreuz und Mädchenschwarm Daniel Schuhmacher. Für Vorstadt-Vamp und Quoten-Garantin Annemarie Eilfeld kam das Aus - das Biest scheiterte ausgerechnet an einer Schlange.

Von Peer Schader


Am Ende war dann auch die Diplomatie egal. Als Moderator Marco Schreyl den Namen der Kandidatin vorgelesen hatte, die mit Daniel Schuhmacher vom Publikum ins Finale von "Deutschland sucht den Superstar" gewählt wurde, feierte die Jury als wäre sie gerade sturzbetrunken vom Oktoberfest zurückgekommen. Ineinander eingehakt hüpften Dieter Bohlen, Nina Eichinger und Volker Neumüller hinter ihrem Pult auf und ab, so als könnten sie's noch gar nicht glauben, dass tatsächlich die Frau mit der besseren Stimme mehr Anrufe bekommen hatte.

Und nicht die Frau mit der "Bild"-Zeitung.

Im Halbfinale von "DSDS" kam also das Aus für Annemarie Eilfeld, die Kandidatin, die glaubte, bisher am besten begriffen zu haben, worauf es in dieser Show ankommt, und die das am konsequentesten umgesetzt hat, um es so weit zu schaffen. Eine One-Woman-Show in Wiederholungsschleife.

Aber wir wollen ja nicht ungerecht sein: Natürlich hat es "DSDS" genutzt, dass Eilfeld so konsequent biestig war und es vorzog, sich Woche für Woche für die "Bild"-Zeitung fast nackig zu machen, anstatt Freundschaft mit ihren Konkurrenten zu schließen - auch wenn sie, sobald die Kameras an waren, das verletzliche Reh spielte: "Ich wusste von Anfang an, dass ich bei DSDS keine Freunde finden werde", sagte Eilfeld in ihrer Abschiedsvorstellung am Samstag. "Ich hatte auch den Plan, zu niemandem Vertrauen aufzubauen. Weil ich Angst hatte, dass das irgendwann gegen mich verwendet wird."

Ach herrje, wie gut, dass es bei "DSDS" nicht aufs Schauspielern ankommt, sonst hätte das arme Kind schon vor Wochen gehen müssen. Jetzt ist es ausgerechnet an ihrem 19. Geburtstag passiert.

Für RTL genau zur richtigen Zeit: Die Schlange hat sich bis in die vorletzte Show gezischt, in der sie dann tatsächlich mit einem ebensolchen Reptil auf die Bühne trat, das sie stark ablenkte und damit dummerweise den allerletzten Auftritt versaute - eine moderne Fernsehtragödie.

Und nächste Woche dürfen dann die farbloseren Favoriten das Ding unter sich ausmachen: Sarah Kreuz gegen Daniel Schumacher - "Duell" kann man das ja nun wirklich nicht nennen. Die beiden mögen sich, sie können singen, und das ist ja schön. Aber über zwei Stunden gestreckt eben auch so spannend wie Wunderkerzenausblasen, weil beide eher nicht das Zeug zum Superstarsein haben, wie sich seit Wochen beobachten lässt.

Es war sowieso ein recht müdes Halbfinale, das Moderator Schreyl da ständig mit herbeigeredeter Spannung aufpumpen musste. Jeder Kandidat durfte drei Titel singen, und allein für Eilfelds "Maneater" mit Schlange gab's richtig Rüffel von der Jury. "Das Beste an dem Auftritt fand ich: die Schlange", ätzte Bohlen ein letztes Mal, und das, obwohl er sich davor so arg in Versöhnung geübt hatte.

Massig Lob konnten sich hingegen Bohlens Favorit Schuhmacher und Sarah Kreuz abholen, obwohl die bei ihrem ersten Titel, dem (von Bohlen geschriebenen) Yvonne-Catterfeld-Song "Für dich" angemalt wie Dornröschen im Bauerntheater auf einer Rosenschaukel saß, bis der Kitsch schon unten aus dem Fernseher herausquoll. "Ich hab' mir gegenüber ein gutes Gefühl", antwortete sie nachher auf die Frage des Moderatorendarstellers, was sie denn für ein Gefühl habe heute Abend. Ach ja, und: Schuhmacher hat auch gesungen. Was genau, ist ja eigentlich egal jetzt. Es wird bloß Zeit, dass RTL es zu Ende bringt. Denn irgendwie ist schon seit ein paar Wochen die Luft raus.

Dabei ist das ja nichts Neues: "DSDS" ist wie Weihnachten. Je länger es dauert, bis endlich der große Tag kommt, auf den sich seit Wochen alle vorbereiten, desto mehr wünscht man sich, es schon überstanden zu haben. Einfach nur, damit der ganze künstliche Stress aufhört.

Dieser Punkt war, mit Verlaub, in dieser Staffel früh erreicht, trotz der heterogenen Kandidatenauswahl. Die Geschichten waren alle erzählt, die nicht ganz so durchschnittlichen Kandidaten alle rausgewählt, und zum Schluss wurde es geradezu zur Tortur, dass in jedem Einspieler, in jedem Gespräch wieder der vermeintliche Zoff zwischen Annemarie und dem Rest der Welt ausgewalzt wurde. Auf nichts anderes hat sich RTL zuletzt verlassen, und damit ganz schön die Geduld des Publikums strapaziert.

Am kommenden Wochenende wird es zwar einen Sieger geben (und die Chancen Schuhmachers scheinen ja nicht schlecht zu stehen), aber der Weg bis dahin ist ein mühsamer - gepflastert mit Werbepausen, überdehnten Anmoderationen und freundlichen Jurybewertungen. Der einzige Trost ist, dass sich RTL in diesem Jahr weitestgehend damit zurückgehalten hat, die im Casting Gescheiterten mit kuriosen Zwischenauftritten in die Sendung zu holen. Jedenfalls bisher.

Eine nicht ganz unüberraschende Erkenntnis hat uns "DSDS" in diesem Jahr dann aber doch noch geschenkt: die, dass auch der Einfluss der "Bild"-Zeitung seine Grenzen hat. Seit einigen Wochen rief das Boulevardblatt dazu auf, Annemarie Eilfeld zu wählen, und versprach jedem, der eine Beweis-SMS an "Bild" weiterleitete, die Chance auf einen 10.000-Euro-Gewinn. Mag sein, dass das eine Zeitlang gewirkt hat. Ins Finale hat es "Bild" damit nicht geschafft. Irgendwie beruhigend.



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