Duccio-Gemälde 45 Millionen Dollar für eine Fälschung?

Mehr als 45 Millionen Dollar bezahlte das New Yorker Metropolitan Museum of Art für ein Gemälde des Renaissance-Malers Duccio. Nun behauptet ein Experte, es handle sich um eine Fälschung.


New York - Es bestehe kein Zweifel an der Authentizität des um 1300 gemalten Duccio-Gemäldes "Madonna mit Kind", ließ das New Yorker Metropolitan Museum of Art in einer Erklärung mitteilen. Das kleinformatige Bild, das von seinen früheren Besitzern über das Auktionshaus Christie's versteigert worden war, sei sorgfältig auf seine Echtheit geprüft worden. Bei dem Kaufpreis von 45 Millionen US-Dollar handelt es sich um die höchste Summe, die das Museum je für ein Gemälde ausgegeben hat. Als "einzigartig" hatte der Direktor des Metropolitan Museums, Philippe de Montebello, den Ankauf des wichtigen Werkes der Frührenaissance bezeichnet.

Duccio-Gemälde "Madonna mit Kind": Angebliche Fälschung
AFP

Duccio-Gemälde "Madonna mit Kind": Angebliche Fälschung

James Beck, Kunstgeschichts-Professor an der Columbia University, behauptet das Gegenteil. Wie BBC News Online meldete, bezeichnete er das Werk als "widerliche Fälschung" und datierte es auf das späte 19. Jahrhundert: "Als Steuerzahler bedauere ich, dass Millionen Dollar quasi in der Toilette hinuntergespült wurden", sagte der Spezialist für Renaissance-Kunst. Als Beweis für seine These führt er eine Brüstung im Vordergrund des Bildes an, deren Position den optischen Eindruck einer "zweiten Ebene" hervorrufe. Diese Technik sei in der Malerei erst 100 Jahre nach Vollendung des Werkes angewendet worden. Beck machte sich in der Vergangenheit als Gründer der Organisation "Art Watch", die sich gegen die fortschreitende Kommerzialisierung von Museen und die "allzu brutal" ausgeführte Restaurierung von Kunstwerken wendet, einen Namen.

Duccio di Buoninsegna, der um 1260 in Siena geboren wurde, malte in byzantinischer Tradition und gilt als tiefgründiger Innovator. Nur etwa ein Dutzend seiner Werke ist bis heute erhalten, ein Großteil als Fragment. Sein Stil wird als weniger naturalistisch als der seines Zeitgenossen Giotto di Bondone eingeordnet.

hoc



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