Negativpreis für Rechtschreib-Bibel: Sprachschützer strafen Duden ab

Der Duden ist das Standardwerk der deutschen Rechtschreibung - und kassiert jetzt die Auszeichnung "Sprachpanscher des Jahres". Begründung des Vereins Deutscher Sprache: Das Wörterbuch benutze zu viele "lächerliche Angeber-Anglizismen". Statt Laptop solle es Klapprechner heißen.

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Rechtschreib-Nonplusultra Duden: "Wir machen die Sprache nicht"

Hamburg/Dortmund - Stalker, E-Business, Notebook: Wegen seiner angeblich zu unkritischen Verwendung von Anglizismen hat der Verein Deutsche Sprache (VDS) den Duden zum "Sprachpanscher des Jahres 2013" gewählt.

"Wer in einem Wörterbuch der deutschen Sprache als Ersatz für Fußball den lächerlichen Angeber-Anglizismus 'Soccer' vorschlägt, hat es nicht besser verdient", erklärte der Vereinsvorsitzende Walter Krämer am Montag. Der Duden trage wie kaum eine andere Organisation dazu bei, dass sich "sprachliches Imponiergehabe im Glanze einer quasi amtlichen Zustimmung sonnen dürfe".

"Wo bleiben der Nachsteller statt Stalker, der Netzhandel statt E-Business oder der Klapprechner, der immerhin über 34.000 Treffer bei Google aufweist", sagte Krämer.

Schäubles Englisch

Eine Sprecherin der Duden-Redaktion wies die Kritik auf Anfrage zurück. "Wir machen die Sprache nicht, wir bilden sie objektiv ab", sagte sie. Erst im Juli erschien eine neue Auflage des Duden, in die auch zahlreiche neue Anglizismen wie Shitstorm, App oder Social Media aufgenommen wurden, die in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen seien.

Der VDS sieht sich als Speerspitze im Kampf gegen das unnötige Verdrängen deutscher Begriffe durch Anglizismen sowie "die Demontage des Deutschen als Sprache von Kultur und Wissenschaft ganz allgemein". Dafür vergibt er seit 1998 jährlich den Negativpreis "Sprachpanscher" an Firmen, Institutionen oder Personen. 2012 ging der Preis an das Unternehmen Karstadt. Laut VDS fußt die Entscheidung auf einer Abstimmung unter den rund 36.000 Mitgliedern des Vereins.

Auf dem zweiten Platz des VDS-Rankings landete dieses Jahr Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Begründung: Er spreche auch dann auf Englisch, wenn ein Dolmetscher anwesend sei. Damit falle er allen Versuchen in den Rücken, Deutsch als eine echte Arbeitssprache in der EU zu verankern.

seh/dpa/AFP

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