Medienkonzern DuMont will offenbar alle Regionalzeitungen abstoßen

Die DuMont Mediengruppe aus Köln plant allem Anschein nach, sich von ihren Regionalzeitungen zu trennen. Es wäre das Ende des klassischen Geschäftsmodells des traditionsreichen Medienhauses.

Medienhaus DuMont Schauberg
DPA

Medienhaus DuMont Schauberg


Seit 1802 druckt die heutige Mediengruppe DuMont Tageszeitungen. Damit könnte bald Schluss sein, wenn sich Recherchen des Branchendienstes "Horizont" bewahrheiten. Demnach plant der Konzern, sich von allen Regionalzeitungen, Anzeigenblättern und zugehörigen Druckereien zu trennen.

Dazu gehören der "Stadt-Anzeiger" und der "Express" aus Köln, die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier", die "Mitteldeutsche Zeitung" aus Halle sowie die Hamburger "Morgenpost". Auf Nachfrage heißt es in einer Stellungnahme des DuMont-Verlages, gerade würden "zukünftige Strategien entwickelt" werden. "Dies beinhaltet unter anderem auch die mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe. Aktuell gibt es weder konkrete Ergebnisse noch Entscheidungen dazu."

"Horizont" liegen Unterlagen vor, mit denen die Mediengruppe einen Finanzdienstleister mit der Abwicklung beauftragt haben soll. Übrig blieben dann nur die zwei Geschäftsfelder: Marketing mit Beteiligungen an verschiedenen Firmen und "Business Information" mit dem von DuMont erstellten Bundesanzeiger und anderen Fachmedien.

2018 verhängte das Bundeskartellamt wegen illegaler Gebietsabsprachen zwischen DuMont und dem Bonner "General-Anzeiger" eine Geldbuße in Höhe von 16 Millionen Euro gegen das Unternehmen. 2016 hatte der Konzern die Redaktionen der "Berliner Zeitung" und des "Berliner Kuriers" zusammengelegt, um Kosten zu sparen.


Anm. d. Red.: Wir haben die Meldung um die Stellungnahme des DuMont-Verlages ergänzt.

kae

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insgesamt 6 Beiträge
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dergenervte 26.02.2019
1. Am Ende
Wenn es tatsächlich so ablaufen sollte, dann ist die Verlagsgruppe am Ende. Es ist dann nur noch eine kleine Holding, mit sehr beschränkten Leistungen. In 10 Jahren kennt dann niemand mehr DuMont.
Unkaputtbar Links 26.02.2019
2. Echter Journalismus
ich frage mich, ob das Konzept "echter Journalismus" nicht Zukunft hätte. Die finanzielle Rendite ist natürlich beschränkt, beim Konzept Meinungsjournalismus übt man Macht aus und das gefällt.
AllesNichtsOhneCologne 26.02.2019
3. Am Ende vernünftig?
Wenn man bedenkt, dass bei allen Tageszeitungen zwischen 30% und mehr als 50% der Auflage weggebrochen ist (in 10 Jahren), ist das dann nicht der vernünftige Weg? So gefragt ist dann "Qualitätsjournalismus" doch nicht? Oder liegt es doch daran, dass das ständige Sparen, Reorganisieren und Zusammenführen der Qualität geschadet hat? Es die falsche Antwort war auf die Frage des Umgangs mit der sich immer mehr digitalisierenden Welt? Also die Scheibfehler im Kölner-Stadt-Anzeiger sind in manchen Ausgaben kaum mehr zu ertragen. Sollten am Ende diese Zeitungen dadurch verschwinden, wäre das sehr schade, gerade weil man als Mensch der Region mit diesem Medium aufgewachsen ist. Auf der anderen Seite ist ebenfalls seit Jahren zu spüren, dass der Zeitgeist die Tageszeitungen überholt hat und diese scheinbar mit keinen echten und ernstgemeinten Rezepten dagegen halten können. Es wäre schade gerade für die dort angestellten Menschen, schade für die regionale Berichterstattung und schade für die jeweilige Region im Ganzen, auch wenn es am Ende vernünftig sein sollte.
Holzbeinschnitzer 26.02.2019
4.
Die Welt wird es verkraften. Es gibt kaum ein Verlagshaus, dessen Angebot noch gleichgeschalteter ist.
shalom-71 26.02.2019
5. Die Zukunft wird anders sein ...
... ich bin einer von der älteren Generation, brauche aber keine Zeitungen oder Magazine auf Papier mehr. Mir reichen die Nachrichten in den seriösen Fernseh-Sendern. Details und Hintergrund-Infos dazu kann ich dann mit Suchmaschinen im Internet finden.
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