Nach "FR"-Insolvenz: Berliner Verlag plant Personalabbau

Verunsicherung beim Berliner Verlag: Die Geschäftsführung des Hauses hat allen Mitarbeitern ein "freiwilliges Abfindungsmodell" angeboten. Beschäftigte und Betriebsrat reagieren mit großer Sorge.

Gebäude der "Berliner Zeitung": Im Berliner Verlag sind 316 Vollzeitstellen bedroht Zur Großansicht
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Gebäude der "Berliner Zeitung": Im Berliner Verlag sind 316 Vollzeitstellen bedroht

Berlin/Hamburg - Eine neue Hiobsbotschaft erschüttert den Verlag M. DuMont Schauberg (MDS). Erst vor einer Woche hat das traditionsreiche MDS-Blatt "Frankfurter Rundschau" ("FR") Insolvenz beantragt. Jetzt leitet der Verlag auch in Berlin Schritte zum Stellenabbau ein, wie der Mediendienst "Kress" berichtet.

Die Geschäftsführung des Berliner Verlags, in dem die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier" erscheinen, bietet Beschäftigten ein "freiwilliges Abfindungsmodell" an: Wer seine Stelle aufgebe, bekomme einen Sockelbetrag von 10.000 Euro, bestätigte MDS-Sprecher Wolfgang Brüser SPIEGEL ONLINE. Die Abfindung betrage 150 Prozent eines Bruttomonatsgehalts pro Jahr der Betriebszugehörigkeit sowie Zusatzbeträge. Das Angebot gelte für "alle Mitarbeiter", betroffen sind demnach 316 Vollzeitstellen.

Dem "Kress"-Bericht zufolge hat das Modell unter den Beschäftigten keine Begeisterung ausgelöst: Die Frist für die Annahme sei sehr kurz gesetzt und ende bereits am 3. Dezember. Die Geschäftsführung baue in ihrem Schreiben an die Mitarbeiter zudem Druck auf, dass es zu einem späteren Zeitpunkt auch zu "betriebsbedingten Kündigungen kommen" könnte - die "erheblichen Restrukturierungsmaßnahmen" begründete der Verlag unter anderem mit "dramatischen Einbrüchen bei den Anzeigenerlösen".

Auch der Betriebsrat reagierte zurückhaltend auf das Abfindungsangebot der Geschäftsführung und warnte vor dem Personalabbau. In fast allen Ressorts und Abteilungen des Verlags seien in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut oder ausgelagert worden, heißt es in einem Schreiben der Mitarbeitervertreter. Viele Bereiche seien unterbesetzt, der Arbeitsdruck auf die verbliebenen Kollegen erhöhe sich dadurch. "Wir lehnen diese Personalpolitik ab", schreibt der Betriebsrat. Er warnte die Mitarbeiter zugleich, das Abfindungsangebot des Verlags voreilig anzunehmen, da dies mit Nachteilen etwa beim Bezug von Arbeitslosengeld verbunden sei.

Erst in der vergangenen Woche hatte das MDS-Blatt "Frankfurter Rundschau" einen Insolvenzantrag gestellt, auch ein drastischer Sparkurs konnte die "FR" nicht retten. Die Perspektiven für die Belegschaft in Frankfurt sind düster, die Mitarbeiter üben sich derweil in Durchhalteparolen.

bos/dapd

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1. Das Ende der Tageszeitungen
Europa! 21.11.2012
Zitat von sysopDPAVerunsicherung beim Berliner Verlag: Die Geschäftsführung des Hauses hat allen Mitarbeitern ein "freiwilliges Abfindungsmodell" angeboten. Beschäftigte und Betriebsrat reagieren mit großer Sorge. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/dumont-schauberg-stellenabbau-beim-berliner-verlag-nach-fr-insolvenz-a-868478.html
Im Gegensatz zu dem, was viele vermuten, hat das Sterben der Tageszeitungen nichts mit redaktionellen Versäumnissen oder gar dem Ende der bürgerlichen Kultur zu tun. Entscheidend ist vielmehr ein rein ökonomischer Grund: Durch die Verlagerung des Stellen-, Immobilien und Gebrauchtwagenmarkts ins Internet ist den Tageszeitungen eine Einnahmequelle weggebrochen, die nicht ausgeglichen werden kann. Besonders die "mittleren" (regionalen) Tageszeitungen von DMS sind davon betroffen. Etwas anders ist es bei den Wirtschafts- und börsenorientierten Blättern, die im Zug der Telekom-Privatisierung, als Millionen Deutsche erstmalig Aktienbesitzer wurden, einen kurzen Aufschwung erlebten, der aber aus den bekannten Gründen nicht nachhaltig war.
2. Ich bin sicher
Kohle&Reibach 21.11.2012
Zitat von sysopDPAVerunsicherung beim Berliner Verlag: Die Geschäftsführung des Hauses hat allen Mitarbeitern ein "freiwilliges Abfindungsmodell" angeboten. Beschäftigte und Betriebsrat reagieren mit großer Sorge. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/dumont-schauberg-stellenabbau-beim-berliner-verlag-nach-fr-insolvenz-a-868478.html
die werden ganz schnell Arbeit bei Zeitarbeitsfirmen finden. So schnell kanns gehen, denkt mal drüber nach.
3. geld
esnike 21.11.2012
die zeitung ist in den vergangenen 20 jahren halt zu einem vergleichsweise teurem vergnügen geworden, bei eher sinkender qualität. da gleichzeitig der öffentliche gebührenzwang für viele immer mehr kosten verursacht .wundert es nicht, das der medienkonsum sich günstigere, qualitativ nicht schlechtere angebote sucht (und findet).
4. FR und BZ
Abronzius 21.11.2012
FR und die Dumontzeitungen bieten SPD pur gegen Entgelt; diese contents bekommt der Mediennutzer schon "kostenlos" von den öffentlich-rechtlichen Medien bis zum Erbrechen . Warum sollen einschlägig Orientierte zweimal Geld für dasselbe ausgeben( Zwangsgebühren und FR- oder BZ-Abo)?
5. "Gegengift"
Manitou-01@gmx.de 22.11.2012
Zitat von AbronziusFR und die Dumontzeitungen bieten SPD pur gegen Entgelt; diese contents bekommt der Mediennutzer schon "kostenlos" von den öffentlich-rechtlichen Medien bis zum Erbrechen . Warum sollen einschlägig Orientierte zweimal Geld für dasselbe ausgeben( Zwangsgebühren und FR- oder BZ-Abo)?
Für Kapitalisten, Manager und Bankberater ist natürlich die FAZ das von CDU/FDP empfohlene "ideologische Gegengift", während das gewöhnliche Volk unter Aufsicht der neoliberalextremistrischen "Gelbhemden" zur Zwangslektüre von Springerzeitungen gezwungen werden, falls jemand mit Ihrer Einstellung "Bundespropagandaminister" werden sollte.
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