Berlin/Hamburg - Eine neue Hiobsbotschaft erschüttert den Verlag M. DuMont Schauberg (MDS). Erst vor einer Woche hat das traditionsreiche MDS-Blatt "Frankfurter Rundschau" ("FR") Insolvenz beantragt. Jetzt leitet der Verlag auch in Berlin Schritte zum Stellenabbau ein, wie der Mediendienst "Kress" berichtet.
Die Geschäftsführung des Berliner Verlags, in dem die "Berliner Zeitung" und der "Berliner Kurier" erscheinen, bietet Beschäftigten ein "freiwilliges Abfindungsmodell" an: Wer seine Stelle aufgebe, bekomme einen Sockelbetrag von 10.000 Euro, bestätigte MDS-Sprecher Wolfgang Brüser SPIEGEL ONLINE. Die Abfindung betrage 150 Prozent eines Bruttomonatsgehalts pro Jahr der Betriebszugehörigkeit sowie Zusatzbeträge. Das Angebot gelte für "alle Mitarbeiter", betroffen sind demnach 316 Vollzeitstellen.
Dem "Kress"-Bericht zufolge hat das Modell unter den Beschäftigten keine Begeisterung ausgelöst: Die Frist für die Annahme sei sehr kurz gesetzt und ende bereits am 3. Dezember. Die Geschäftsführung baue in ihrem Schreiben an die Mitarbeiter zudem Druck auf, dass es zu einem späteren Zeitpunkt auch zu "betriebsbedingten Kündigungen kommen" könnte - die "erheblichen Restrukturierungsmaßnahmen" begründete der Verlag unter anderem mit "dramatischen Einbrüchen bei den Anzeigenerlösen".
Auch der Betriebsrat reagierte zurückhaltend auf das Abfindungsangebot der Geschäftsführung und warnte vor dem Personalabbau. In fast allen Ressorts und Abteilungen des Verlags seien in den vergangenen Jahren Stellen abgebaut oder ausgelagert worden, heißt es in einem Schreiben der Mitarbeitervertreter. Viele Bereiche seien unterbesetzt, der Arbeitsdruck auf die verbliebenen Kollegen erhöhe sich dadurch. "Wir lehnen diese Personalpolitik ab", schreibt der Betriebsrat. Er warnte die Mitarbeiter zugleich, das Abfindungsangebot des Verlags voreilig anzunehmen, da dies mit Nachteilen etwa beim Bezug von Arbeitslosengeld verbunden sei.
Erst in der vergangenen Woche hatte das MDS-Blatt "Frankfurter Rundschau" einen Insolvenzantrag gestellt, auch ein drastischer Sparkurs konnte die "FR" nicht retten. Die Perspektiven für die Belegschaft in Frankfurt sind düster, die Mitarbeiter üben sich derweil in Durchhalteparolen.
bos/dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema DuMont Schauberg | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH