"Frankfurter Rundschau": Eigentümer sehen "keine Perspektive"

16 Millionen Euro Verlust soll die "Frankfurter Rundschau" pro Jahr eingefahren haben. Nach etlichen Sparrunden geben die Gesellschafter jetzt auf. Falls sich nicht doch noch ein Käufer findet, wird das Blatt spätestens im Januar eingestellt - sterben bald weitere Zeitungen?

Insolvenzantrag: "Frankfurter Rundschau" steht vor dem Aus Fotos
dapd

Frankfurt am Main - Die "Frankfurter Rundschau" ("FR") steht vor dem endgültigen Aus. Die Hauptgesellschafter der Zeitung sehen "keine Perspektive der Fortführung des Unternehmens". Dies teilten die Eigentümer - das Kölner Medienhaus DuMont Schauberg und die SPD-Medienholding DDVG - am Dienstag auf einer Betriebsversammlung mit.

Zuvor hatte am Morgen um 9.45 Uhr das Druck- und Verlagshaus Frankfurt am Main GmbH beim Amtsgericht Frankfurt am Main Insolvenz angemeldet. Als Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Frank Schmitt eingesetzt. Er ist laut Amtsgericht ein sogenannter "schwacher Verwalter", die Geschäftsführung bleibt also vorläufig im Amt, darf aber nur mit Zustimmung des Verwalters Geld ausgeben.

Grund für den Insolvenzantrag seien massive Umsatzverluste im Anzeigen- und Druckgeschäft in der ersten Jahreshälfte. Diese hätten der Geschäftsführung keine Chance für ein Verlassen der Verlustzone gegeben. Der Jahresverlust der "FR" soll zuletzt bei 16 Millionen Euro gelegen haben.

DuMont hatte in den vergangenen Jahren mit diversen Sparrunden und einer teilweisen Zusammenlegung mit der "Berliner Zeitung" versucht, die "FR" profitabel zu machen - ohne Erfolg. Die Hauptgesellschafter hätten in den vergangenen acht Jahren einen beachtlichen Millionenbetrag in das Verlagshaus investiert. Auch die Mitarbeiter hätten durch Gehaltsverzicht ihren Beitrag geleistet, um die Zeitung zu retten. "Eine sich nunmehr abzeichnende dauerhafte Finanzierung hoher Verluste" sei aber sowohl für DuMont als auch die DDVG nicht länger darstellbar.

"FR" soll noch bis Januar 2013 erscheinen

Auf der Versammlung am Dienstagnachmittag sollen die Gesellschafter erklärt haben, sie gingen davon aus, dass die "Frankfurter Rundschau" noch bis Januar kommenden Jahres erscheinen werde. Die Entscheidung darüber liege jedoch beim Insolvenzverwalter, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Die Auswirkungen der Insolvenz auf das Schwesterblatt "Berliner Zeitung" seien noch nicht absehbar. Personell sind beide Publikationen eng miteinander verflochten, beide Mantelteile werden zum Großteil von der sogenannten "DuMont Redaktionsgemeinschaft" beliefert. Auch die dürfte jetzt aufgelöst werden.

Löhne und Gehälter seien bei der "FR" bislang bezahlt worden, teilten die Gesellschafter mit. Bis Ende Januar 2013 seien die Bezüge der Beschäftigten vorerst durch Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit abgesichert.

Die Gewerkschaft Ver.di reagierte überrascht auf den Insolvenzantrag. "Wir hatten gehofft, dass es andere Lösungen gibt", sagte Manfred Moos, Landesfachbereichsleiter Medien, Kunst und Industrie bei Ver.di in Hessen. Die Gewerkschaft glaube nach wie vor, dass die "Frankfurter Rundschau" eine "attraktive Zeitung in einer attraktiven Region ist". In dem Frankfurter Verlagshaus arbeiten laut Ver.di rund 500 Menschen, davon etwa ein Fünftel in der Redaktion.

Der Deutsche Journalisten-Verband hat den DuMont-Verlag aufgefordert, auf Kündigungen redaktioneller Mitarbeiter weitgehend zu verzichten. "Die Journalistinnen und Journalisten der 'FR' brauchen eine berufliche Perspektive", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken. "Das Aus der renommierten Zeitung ist besonders bitter für die Beschäftigten, die über Jahre hinweg mit Einkommensverzicht für den Erhalt ihrer Zeitung gekämpft haben."

Die Pleite des 1945 gegründeten Blattes könnte der Auftakt für ein Zeitungssterben in den nächsten Monaten werden. Auch die "Financial Times Deutschland" von Gruner + Jahr ist von der Schließung bedroht, die Entscheidung soll hier bis zum 21. November fallen.

syd/dapd/dpa/AFP

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insgesamt 159 Beiträge
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1. Internet der Papierkiller
Stark Maier 13.11.2012
Wenn man mit seinem Smartphone oder Tablet innerhalb weniger Sekunden und das zu jeder Zeit am jeden Ort x billige nachrichten oder was auch immer nachlesen möchte, zieht die Zeitung nun mal den kürzeren. Für die Nutzer gibt es kaum logische und sinnvolle Aspekte eine Zeitung zu lesen, die meist spezialisiert oder begrenzt ist, falls der Nutzer im Besitz der o.e. Geräte ist.
2.
henkel-franklin 13.11.2012
Zitat von sysop16 Millionen Euro Verlust soll die "Frankfurter Rundschau" pro Jahr eingefahren haben. Nach etlichen Sparrunden geben die Gesellschafter jetzt auf. Falls sich nicht doch noch ein Käufer findet, wird das Blatt spätestens im Januar eingestellt - sterben bald weitere Zeitungen? DuMont und DDVG sehen keine Perspektive für "Frankfurter Rundschau" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/dumont-und-ddvg-sehen-keine-perspektive-fuer-frankfurter-rundschau-a-867048.html)
test
3. Tendenzpresse
hatem1 13.11.2012
Wer die Welt so einseitig (aus SPD-Perspektive) betrachtet und dann auch noch gegen journalistische Standards verstößt (wie mit Mely Kialyks Hasstirade gegen Sarrazin), der schafft sich selber ab.
4. hausgemachte Krise
stock12 13.11.2012
Der Niedergang der Frankfurter Rundschau ist hausgemacht. Unklares Profil und selbstgefälliger Mainstream. http://stockpress.de/2012/11/13/und-nun-frankfurter-rundschau/ Dafür blieb zwischen SZ und taz letztendlich kein Platz.
5. Printmedien
Forumkommentatorin 13.11.2012
sind meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß. Die Tageszeitung in meiner Stadt abonniere ich schon lange nicht mehr. Zum einen, weil ich die tendenziöse Berichtserstattung nicht mehr erträglich finde. Ich will Fakten, sachliche Informationen und nicht das Gefühl haben, in meiner Meinungsbildung bevormundet oder manipuliert versucht zu werden. Wenn ich tiefer gehende Informationen haben möchte, schaue ich auf die entsprechenden Seiten. Besonders ärgerlich finde ich das ständige Löschen von Kommentaren. Mein Nick wurde nach mehrmaliger öffentlicher Ermahnung seitens eines anonymen Moderators einfach gelöscht. Ich hatte seiner Auffassung nach leider die falsche Meinung. Hoffentlich werden die online-Medien nicht bald kostenpflichtig, sonst muss ich mich nach was anderem umsehen. Oder ich verzichte ganz, beim Fernsehen klappt es seit Jahren ausgezeichnet.
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