Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

"Easy Rider"-Star: US-Schauspieler Dennis Hopper ist tot

Abschied von einem Hollywood-Rebellen: Der Schauspieler und Regisseur Dennis Hopper ist an den Folgen seiner Krebserkrankung gestorben. Er galt als einer der ganz Großen des Filmgeschäfts, spielte in Klassikern wie "Easy Rider", "Apocalypse Now" und "Denn sie wissen nicht, was sie tun".

Dennis Hopper: Der "Easy Rider" ist tot Fotos
AP

Los Angeles - Es war ein langsamer, qualvoller Tod: "Easy Rider"-Star Dennis Hopper kämpfte seit Monaten um sein Leben. Am Freitagabend ist der Schauspieler und Regisseur US-Medienberichten zufolge seiner Krebserkrankung erlegen. Hopper wurde 74 Jahre alt. Er sei in seinen letzten Stunden daheim im kalifornischen Venice bei Los Angeles von der Familie und engsten Freunden umgeben gewesen, sagte ein Freund der Familie.

Hopper hatte vor zwei Monaten einen Stern auf dem berühmten Walk of Fame verliehen bekommen. Trotz seiner schweren Krankheit ließ es sich der gebrechliche Star nicht nehmen, an der Ehrung teilzunehmen und genoss den Applaus von prominenten Freunden und Hunderten Fans.

"Ihr habt mir ein Leben ermöglicht, dass ich als Junge von Dodge City, Kansas, nie erwartet habe", bedankte sich der Star. Anschließend posierte er mit seinem guten Freund Jack Nicholson vor den Kameras. Er wog bei der Zeremonie im März nach Angaben seiner Anwälte nur noch 45 Kilogramm.

Vor kurzem hatte Hopper noch einen Bildband mit seinen schönsten Fotos veröffentlicht, den er als sein Vermächtnis bezeichnete. Der Schauspieler war einer der kreativsten und egozentrischsten Stars der Traumfabrik und fand auch als Maler und Fotograf weithin Anerkennung.

James Deans Unfalltod - die erste Tragödie in Hoppers Leben

Zur Ikone wurde er durch den Kultfilm der Hippie-Generation, "Easy Rider". Doch nicht Love & Peace, sondern Sex, Drugs & Rock 'n' Roll war lange das Lebensmotto des Ausnahmekünstlers. Schon zu Beginn seiner Karriere war der 1936 als Farmersohn aus Kansas geborene Schauspieler ein "junger Wilder". Dabei hatte Hopper, ab 1954 in Hollywood unter Vertrag, das Glück, mit James Dean in den späteren Klassikern "Denn sie wissen nicht, was sie tun" und "Giganten" vor die Kamera zu treten. Deans Unfalltod im Jahr 1955 bezeichnete Hopper später als die erste Tragödie in seinem Leben.

Er selbst, der schon als 18-jähriger Novize den Studiobossen ein "Fuck you" entgegenschleuderte, wurde 1958 auf die schwarze Liste gesetzt. Er zog nach New York, arbeitete als TV-Schauspieler und fotografierte für die "Vogue". 1969 gelang es ihm mit dem legendären Low-Budget-Roadmovie "Easy Rider", in dem er Regie führte und mitspielte, sein erstes und spektakulärstes seiner vielen Comebacks. Der von Rockmusik untermalte Motorrad-Western über "langhaarige Hippies", die bei ihrem Trip durch die USA von "Rednecks" und Polizisten drangsaliert werden, beflügelte nicht nur die Karrieren von Jack Nicholson und Peter Fonda und die Verkaufszahlen von Harley Davidson. Der Kultfilm galt als Ausdruck des Lebensgefühls einer gegängelten und vom Vietnamkrieg traumatisierten Jugend.

Mit diesem Kassenschlager schienen ihm erneut alle Türen Hollywoods offen zu stehen. Doch sein nächstes Projekt, der unkonventionelle Western "Last Movie", machte den Unangepassten erneut zur persona non grata. Danach geriet das Enfant terrible, das auch privat nach dem Motto "Lebe wild und gefährlich" verfuhr, durch seine Drogenexzesse in die Schlagzeilen und drehte meist außerhalb der USA.

Sein letzter Wunsch: Das gemeinsame Sorgerecht für seine jüngste Tochter

1977 begann mit dem Krimi "Der amerikanische Freund" die langjährige Männerfreundschaft mit dem deutschen Regisseur Wim Wenders. 1979 trat er im Vietnamfilm "Apocalypse Now" auf. In den Achtzigern, nach dem Tod seines Vaters, vollzog er eine 180-Grad-Wende, schwor Alkohol und Drogen ab und outete sich als Parteigänger von Ronald Reagan und George W. Bush. Mit Francis Ford Coppolas "Rumble Fish" kam er 1983 wieder ins Geschäft und machte 1986 in David Lynchs surrealem Thriller "Blue Velvet" als keuchender Sadist Furore. Nach eigenen Filmen wie "Colors Farben der Gewalt" feierte er 1994 im Actionthriller "Speed" als psychopathischer Bombenleger erneut ein Comeback.

Als "Bad Guy" war er auch 1995 in Kevin Costners Science-Fiction-Spektakel "Waterworld" zu sehen. Als Hopper 2008 als der personifizierte Tod in Wenders' "Palermo Shooting" mitwirkte, sagte er: "Ich bin es leid, immer als der Böse betrachtet zu werden." Tatsächlich schaffte der begeisterte Kunstsammler den Imagewechsel zum brillanten Fotograf und Maler und versuchte sich auch als Turnschuhdesigner.

Dennis Hopper trat in über 140 Filmen auf, war zweimal für den Oscar nominiert, und war dennoch der vielleicht prominenteste Anti-Star der Welt. "Erst Bohemien, dann ein Beatnik, danach ein Hippie, später ein Punk, schließlich ein Yuppie", zählte er in einem Interview seine Lebensstationen auf.

Kurz vor seinem Tod wollte sich Hopper, der vier Kinder von vier Frauen hatte, von seiner fünften Frau scheiden lassen. Die Auseinandersetzung mutierte zum erbitterten Rosenkrieg. Der Schauspieler hatte Mitte Januar nach knapp 14 Jahren Ehe die Scheidung eingereicht. Für die Trennung von seiner fünften Frau machte er "unüberbrückbare Differenzen" geltend. Er pochte vor Gericht auf ein gemeinsames Sorgerecht für die siebenjährige Tochter Galen. Das war sein letzter großer Wunsch, wie er mehrfach betonte.

jjc/dpa/AP/AFP/ddp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: