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Kommentar zu Ebola in Deutschland: Angst essen Vernunft auf

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Ebola-Übung in Hamburg: "Die bringen uns die Seuche" Zur Großansicht
DPA

Ebola-Übung in Hamburg: "Die bringen uns die Seuche"

Noch ist Ebola nicht in Deutschland angekommen, aber die Angst davor ist schon da - und die ist eine ganz eigene Seuche.

In Hamburg wartet ein Seuchenschutzkommando auf einen Zug, in dem sich ein junger Mann übergeben hat. In Berlin riegelt die Polizei eine Kneipe hermetisch ab, weil jemand angerufen und gesagt hat, ein Gast habe Ebola. In München torkelt ein kranker Türkei-Urlauber durch den Flughafen, übergibt sich und wartet lange vergeblich auf Hilfe - er hat Angst davor, an Ebola sterben zu müssen.

Dreimal Fehlalarm, zum Glück. Noch ist die Seuche nicht in Deutschland angekommen. Doch ihr Vorbote ist schon da: die Angst.

Keine Frage: Es ist gut, wenn wachsame Passanten solche Verdachtsfälle melden. Nur so kann einem eventuellen Ebola-Patienten schnell geholfen und eine Ausbreitung der Krankheit verhindert werden. Und klar kann man der Ansicht sein, die deutschen Behörden seien noch nicht ausreichend auf einen Ausbruch in Deutschland vorbereitet, obwohl sie versuchen, die Bevölkerung mit der Behauptung des Gegenteils zu beschwichtigen.

Praktisch keine Möglichkeit zur Infektion

Aber die Sorge um die Gesundheit scheint manchem den klaren Blick auf die Realität zu vernebeln. Laut "Bild"-Zeitung hat jeder zweite Deutsche Angst vor dem Virus. Und das, obwohl es hier mangels Kranker praktisch keine Möglichkeit gibt, sich zu infizieren. Man ängstigt sich vor Ebola und raucht dabei eine Zigarette, steigt in sein Auto und zieht sich beim nächsten Drive-in einen fettigen Burger rein - lauter Aktivitäten, die wesentlich höhere Risiken bergen als die Gefahr, sich in Deutschland mit Ebola anzustecken.

Bei besonders bedauernswerten Zeitgenossen löst die Angst vor dem noch gar nicht eingetroffenen Virus bereits bedenkliche Reaktionen aus. Weil zur Zeit sehr viele Menschen aus Syrien vor dem Krieg fliehen, wird in Deutschland der Platz in den Flüchtlingsheimen knapp. In vielen Gemeinden werden Flüchtlinge jetzt auch in Gebäuden untergebracht, die nicht, wie früher immer, außerhalb der Stadt und der Wahrnehmung liegen, sondern mittendrin.

"Das geht doch nicht, da geht mein Kind vorbei zur Schule!", "Jetzt kommt Ebola zu uns!", "Warum hilft man denen, uns hilft auch keiner", "Die bringen uns die Seuche" - das sind lauter Zitate aus einem Heimatforum im Internet, abgesetzt innerhalb kürzester Zeit unter der Meldung, dass am Abend ein Bus mit Flüchtlingen in der Stadt eingetroffen sei. Der Name der Stadt spielt keine Rolle, Rassisten gibt es leider überall. Als hätten Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, automatisch ansteckende Krankheiten, als seien sie auf unsere Kinder und unser Geld aus - und nicht schlicht auf einen Platz zum Überleben.

Die Angst befeuert dumme Vorurteile. Die Angst verstellt den Blick auf die tatsächlichen Katastrophen: in Syrien, wo der IS mordet. Und in Westafrika, wo tatsächlich Tausende an Ebola sterben und dringend Hilfe gebraucht würde, um die Seuche einzudämmen.

Die größte Gefahr in Deutschland ist nicht Ebola. Es ist die Ignoranz.

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In Westafrika sterben Tausende am Ebola-Virus - in Deutschland hat sich bisher niemand angesteckt. Haben Sie Angst, sich zu infizieren?

Zum Autor
Jeannette Corbeau
Stefan Kuzmany leitet den Bereich Meinung und Debatte bei SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Stefan_Kuzmany@spiegel.de

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insgesamt 116 Beiträge
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1. Exakt
dschiemeildotkomm 17.10.2014
Ihr Artikel trifft den Nagel auf den Kopf. Vielleicht mal ein Buch von Sir Peter Ustinov (Vorurteile) lesen. Das hilft sich zu entspannen.
2. Ganz erstaunliche Ignoranz
londonpaule 17.10.2014
Nein, die Angst ist hier sehr rational und funktional - wie nicht ganz selten. Das sieht man an der momentanen Ausbreitung des Virus weltweit, was auf die Unterschätzung der Gefahr zurückzuführen ist. Insofern liegen Sie so richtig krass daneben hier, wie man überhaupt nur daneben liegen kann. Es scheint auch möglicherweise eine (weit verbreitete) latente Überzeugung durch, dass Deutschlamd eine Insel der Glückseligen sei die vom Übel der Welt Gott sei Dank verschont bliebe und sich deshalb in einer rein passiven Beobachtersituation wohlfühlen könne und für Bewältigung verschiedener Krisen deshalb nicht gewappnet sein müsse - weit gefehlt.
3. Guter Artikel
Isfet 17.10.2014
Aber die Medien tragen auch viel zu dieser Hysterie bei - gerade sind bei SPON 4 Artikel (plus diesem Kommentar) zu Ebola auf der Startseite! An Grippe sterben jedes Jahr 15.000 Menschen nur in Deutschland, aber das wird weitgehend ignoriert, ist wahrscheinlich nicht exotisch genug.
4. es ist nicht
felisconcolor 17.10.2014
Ignoranz, es ist Dummheit. Ich sage es hier ganz offen. Die Menschen sind hier schlicht zu doof. Einfach mal durch ein paar Forenbeiträge diverser Themen blättern, was dort von sich gegeben wird.... Und das sind leider keine Trolle oder Einzelfälle. Wenn Menschen behaupten das Desinfektionsmittel oral eingenommen sämtliche Krankheiten heilen und diese Meinung bis aufs Blut verteidigen, kann das nur noch mit mangelnder Intelligenz erklärt werden. Fukushima hat es auch gezeigt. Auf der anderen Seite des Erdballs hustet ein Kraftwerk und hier schreit man nach Jodtabletten. Ja sicher werden wir alle sterben, aber nicht an Ebola.
5. Ausbreitungsmodell
t dog 17.10.2014
Das RKI und CDC haben berechnet, das Ebola erst in Frankreich und England ausbricht und dann in Deutschland. Das ist keine Panikmache, das ist wissenschaftliche Gewissheit. Wir benötigen für alle Westafrikareisenden 4 Wochen Quarantäne. Die Kosten werden einfach dem Ticketpreis aufgeschlagen. Das wäre mal eine sinnvolle Massnahme.
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