Edgar Mrugalla Der König der Kunstfälscher ist tot

Kaum ein Maler war vor ihm sicher: Edgar Mrugalla kopierte alle, von Rembrandt bis Picasso, und wurde damit selbst zur Marke. Jetzt ist Deutschlands berühmtester Fälscher gestorben

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Er wurde als "König der Kunstfälscher" bekannt: Edgar Mrugalla. Keiner kopierte besser - Rembrandt, Nolde oder Picasso. In kurzer Zeit schuf er Gemälde, die aussahen, als seien sie Jahrhunderte alt. Bereits am 22. September sei der 78-Jährige nach langer Krankheit in Düsseldorf gestorben, sagte seine Tochter am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Mrugalla war Anfang der Neunzigerjahre wegen Urheberrechtsverletzung und Beihilfe zum Betrug zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt worden. Er kopierte anschließend immer noch, versah die Bilder nun jedoch mit dem Hinweis auf die "Fälscherwerkstatt Mrugalla".

Auch sprach er in späteren Jahren offen über seine Fälschertechniken. Zum Beispiel, wie man ein Bild alt aussehen lässt. Mrugalla strich Hühnereiweiß und Leinöl auf ein frisches Gemälde und steckte es in den Backofen. Jeden Tag erhöhte er die Temperatur um fünf bis zehn Grad, "schön langsam, sonst kriegste Blasen in der Farbe", sagte Mrugalla. Wenn das Bild auf 150 Grad gekocht hatte, steckte er es über Nacht ins Eisfach. So zogen sich feinste Risse über die Leinwand, die so das Aussehen eines Ölgemäldes bekam, das schon viele Hundert Jahre alt war.

Mrugalla, der 1938 in Berlin geboren wurde, hatte nach eigener Aussage bis zu 3000 Bilder, Grafiken, Radierungen von verschiedenen Künstlern gefälscht. Er brachte sich als Autodidakt diverse Maltechniken selbst bei, rund 50 Maler konnte Mrugalla schließlich kopieren. Sogar das Wirtschaftsministerium in Schleswig-Holstein stellte vor neun Jahren seine Werke aus. In dem Bundesland lebte er von Anfang der Neunzigerjahre bis 2008, dann zog er nach Düsseldorf.

Und wen fälschte Mrugalla am liebsten? "Keine modernen Scheißer wie Beuys", sagt er 2007 im Interview mit SPIEGEL ONLINE , "sondern die, die echt was konnten."

gia/dpa

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