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Auktions-Weltrekord: Munchs letzter "Schrei" kostet 119,9 Millionen Dollar

Ein Hammerschlag erschüttert die Kunstwelt: Eine Version von Edvard Munchs weltberühmtem Bild "Der Schrei" wurde bei Sotheby's in New York versteigert - für unfassbare 119,9 Millionen Dollar. Das ist der höchste Erlös, den jemals eine Gemäldeauktion gebracht hat.

New York - Der Kunstmarkt feiert einen neuen Weltrekord: Für 119.922.500 Dollar (rund 91,5 Millionen Euro) ist am Mittwoch das berühmte Bild "Der Schrei" von Edvard Munch in New York unter den Hammer gekommen. Nie zuvor hat eine Gemäldeauktion einen höheren Preis erzielt. Sotheby's-Chefauktionator Tobias Meyer sprach von einer "historischen Summe". Der Käufer ist ein unbekannter Telefonbieter.

Der Erlös übertrifft die Erwartungen des Auktionshauses deutlich: Im Vorfeld der Versteigerung hatte Sotheby's den Wert auf mindestens 80 Millionen Dollar geschätzt. Experten hatten allerdings schon da von bis zu 200 Millionen Dollar orakelt. Den Rekord für die teuerste Gemäldeauktion hielt bisher Pablo Picassos "Akt mit grünen Blättern und Büste", der vor zwei Jahren 106,5 Millionen Dollar einbrachte - damals bei Christie's. Es sind zwar noch teurere Verkäufe bekannt, etwa Jackson Pollocks "No. 5". Das Bild kostete vor gut fünf Jahren 140 Millionen Dollar. Doch das waren Privatgeschäfte, keine Auktionen.

Sotheby's hatte die Versteigerung von Munchs "Schrei" aus dem Jahr 1895 als dramaturgischen Höhepunkt einer abendfüllenden Auktion von Meisterwerken in Szene gesetzt, darunter sind Stücke von Picasso, Dalí, Gaugin, Miró, Matisse, Magritte, Monet und Rodin. Rund 1000 Gäste kamen zur Auktion. Das Picasso-Bild "Femme assise dans un fauteuil" von 1941 wurde für 26 Millionen Dollar (19,7 Millionen Euro) versteigert. Es blieb damit genau im Schätzbereich von 20 bis 30 Millionen Dollar. Das Bild zeigt Pablo Picassos Muse Dora Maar auf einem Stuhl sitzend - eckig-kantig verfremdet, so wie er in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg malte.

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2  Bilder
Auktion in New York: Rekordjagd mit dem letzten "Schrei"
Munchs "Der Schrei", das vielfach kopiert und persifliert wurde, gilt neben Leonardo da Vincis "Mona Lisa" als eines der berühmtesten Gemälde der Welt. Über die Jahre schuf der Norweger vier fast identische Versionen, zwei in Öl, zwei in Pastell. Drei davon sind in norwegischem Staatsbesitz.

Ein Millionenspiel namens Kunst

Die jetzt innerhalb von 13 Minuten versteigerte 79 mal 59 Zentimeter große Version war die letzte in Privathand. Munch fertigte sie vermutlich im Auftrag des Braunschweiger Kaffeemagnaten Arthur von Franquet an. Später geriet sie in die Hände des norwegischen Reeders Thomas Olsen - ein Zeitgenosse, Nachbar und Mäzen Munchs.

Olsen versteckte das Bild im Zweiten Weltkrieg in einer Scheune vor den Nazis und hängte es später ins Wohnzimmer. Sein Sohn Petter Olsen erkämpfte es sich 2001 in einem bitteren Erbstreit - und will von dem Erlös ein Museum in Munchs Heimatort Hvitsten bauen.

Um das Munch-Fieber weiter in die Höhe zu treiben, hatte Sotheby's den "Schrei" vorab auf Welttournee geschickt, auf der er - wegen des enormen Besucherandrangs - aber nur teilweise öffentlich gezeigt wurde. Klienten in Asien, Europa und Amerika durften den "Schrei" - so berichtete es das "Wall Street Journal" - dagegen daheim begutachten. So konnten sie prüfen, ob das Bild "mit dem Rest ihrer Kunstsammlungen" harmoniere. Für einen Liebhaber habe Sotheby's das Gemälde sogar für nur 48 Stunden nach Hongkong geflogen.

Sotheby's heizt das Interesse an Munch-Versteigerungen seit Jahren an. Munchs "Vampir", eines der meistkopierten Bilder der Kunstszene, tauchte 2008 nach 70 Jahren aus der Versenkung auf und erzielte 38 Millionen Dollar, der bisherige Rekord für einen Munch.

Kommende Woche könnte das Millionenspiel namens Kunst weitergehen. Sotheby's wie auch die Auktionshäuser Christie's und Phillips de Pury legen mit zeitgenössischen Werken nach: Lichtenstein, Warhol, Robert Rauschenberg, Jackson Pollock, Mark Rothko, Willem de Kooning, Francis Bacon, Gerhard Richter, Cindy Sherman. Die (erwarteten) Erlöse haben sich schon jetzt auf zweistellige Millionensummen hochgeschaukelt.

Der arg durch die Rezession gebeutelte Kunstmarkt hatte sich schon 2011 leicht erholt: Im Vorjahr verkauften Sotheby's und Christie's auf ihren großen Auktionen Kunst im Wert von 1,7 Milliarden Dollar - 500 Millionen Dollar mehr als 2010.


Korrekturhinweis: In einer ersten Version dieses Artikels hieß es, Pablo Picassos "Akt mit grünen Blättern und Büste" sei 2010 bei Sotheby's versteigert worden. Tatsächlich war es Christie's. Wir bitten um Entschuldigung.

bos/pit/sef/dpa

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1.
lymo 03.05.2012
Es ist unglaublich wie sehr sich die Schere geöffnet hat. Bei uns in der realen Welt streit man sich jahrelang um ein paar tausend Euro um das Schuldach zu sanieren. Kapitalismus hat auch seine Grenzen. Langsam ist meine Schmerzgrenze erreicht.
2.
Oliver Gnutz 03.05.2012
Zitat von sysopSothebysEin Hammerschlag erschüttert die Kunstwelt: Eine Version von Edvard Munchs weltberühmtem Bild "Der Schrei" wurde bei Sotheby's in New York versteigert - für unfassbare 119,9 Millionen Dollar. Das ist der höchste Erlös, den jemals eine Gemälde-Auktion gebracht hat. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,830913,00.html
Na Klasse - da sieht man (mal wieder) was für ein Hype hinter "Kunst" steckt - so mancher fünfjährige Bub malt bessere Bilder.
3. Kunst schön und gut
Cassandra105 03.05.2012
Zitat von sysopSothebysEin Hammerschlag erschüttert die Kunstwelt: Eine Version von Edvard Munchs weltberühmtem Bild "Der Schrei" wurde bei Sotheby's in New York versteigert - für unfassbare 119,9 Millionen Dollar. Das ist der höchste Erlös, den jemals eine Gemälde-Auktion gebracht hat. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,830913,00.html
Aber sowas ist einfach nur noch krank.
4. Erstaunlich.
Urban Spaceman 03.05.2012
Wenn ich so viel Geld hätte, würde ich bestimmt für andere Gemälde bieten, obwohl ich Munch schon seit Jugend sehr geschätzt habe. Der Besuch im Munch-Museum in Oslo war schon ein prägendes Erlebnis. Vielleicht schmückt ja ein neureicher Oligarch damit seine Eingangshalle. Wäre eine nette Reverenz an die Unterdrückten. Vielleicht trifft das Motiv einen aktuellen Nerv? Im Kontext der Kunsthistorie ist das Bild sicher wichtig. Aber es ist bestimmt nicht das wertvollste. Erfreulich ist, dass der nicht genannte Investor sein Geld in den Erwerb von Kunst gesteckt hat, statt Immobilien, Fussballmannschaften oder Yachten zu kaufen. So wird hoffentlich von dem spektakulären Ergebnis der Versteigerung eine Belebung des Kunstmarktes ausgehen.
5.
monika8 03.05.2012
Zitat von sysopSothebysEin Hammerschlag erschüttert die Kunstwelt: Eine Version von Edvard Munchs weltberühmtem Bild "Der Schrei" wurde bei Sotheby's in New York versteigert - für unfassbare 119,9 Millionen Dollar. Das ist der höchste Erlös, den jemals eine Gemälde-Auktion gebracht hat. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,830913,00.html
Fuer 120m kann man die halbe Sahel Zone 5 Jahre lang ordentlich durchfuettern.
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