Einreiseverbot für deutschen Autor Tilman Spengler darf nicht nach China

"Kein Freund des chinesischen Volkes": Der Journalist und Sinologe Tilman Spengler darf Bundesaußenminister Guido Westerwelle nicht nach China begleiten, weil er den dortigen Machthabern offenbar zu kritisch ist. Spengler hatte eine Laudatio auf den Bürgerrechtler Liu Xiaobo gehalten.

Tilman Spengler, Autor und Sinologe, ist in der Volksrepublik China nicht erwünscht
picture-alliance/ ZB

Tilman Spengler, Autor und Sinologe, ist in der Volksrepublik China nicht erwünscht


Berlin - Kritiker muss draußen bleiben: Der Sinologe Tilman Spengler darf nicht nach China einreisen. Nach eigenen Angaben ließen ihn die chinesischen Behörden wissen, er sei "kein Freund des chinesischen Volkes" - und verweigerten ein Visum. Im vergangenen September hatte Spengler die Laudatio bei der Verleihung der Hermann-Kesten-Medaille an den chinesischen Bürgerrechtler und späteren Nobelpreisträger Liu Xiaobo gehalten.

Die chinesischen Machthaber reagierten sehr empfindlich auf die Verleihung des Nobelpreises an den Systemkritiker und drohten jeder Nation, die die Preisgala besuchte, mit Konsequenzen. Der Dissident Liu Xiaobo befindet sich in Haft.

Spengler hätte eigentlich Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) auf einer Reise in die Volksrepublik begleiten sollen, wo beide am 1. April in Peking die Eröffnung einer deutschen Ausstellung über die "Kunst der Aufklärung" besuchen sollten.

Sein Fall zeige nun, "wie dringend nötig der Gedanke der Aufklärung für die Köpfe größerer Teile der chinesischen Regierung ist", sagte Spengler. Er bedankte sich beim Außenministerium, dem Bundespräsidialamt und anderen staatlichen Stellen, die sich für ihn eingesetzt hätten. Die Reise Westerwelles soll dennoch wie geplant stattfinden.

kuz/dpa



insgesamt 12 Beiträge
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bresson 30.03.2011
1. Das könnte dann die geeignete Abschiedsaufgabe für Herrn Westerwelle werden
indem er beim Besuch in China (zu Recht) gegen die systematische Freiheitsberaubung durch die KPCH wettert und auf Informationen nach dem Verbleib von Liu Xiabao und anderen drängt. Ganz ohne Ironie: er kann so was, hat das an anderer Stelle getan - und er könnte sich so einen ehrenwerten Abgang als Aussenminister schaffen.
founder 30.03.2011
2. TÜV für politische Systeme
Wir müssen alle mit unseren Autos zur technischen Überprüfung durch den TÜV. Sicherheitsrelevante Bauteile werden überprüft, Mängel festgestellt und deren Behebung befohlen. Aber was wäre, wenn politische Systeme zum TÜV müßten? Wie würde das deutsche oder das US-System abschneuden? In den USA versprechen schon 8 Präsidenten, heute mal wieder Obama, eine Reduktion der Ölabhängigkeit. Ein Versprechen, daß sich wohl durch die Pleite der USA und der eintretenden Unfähigkeit weiter soviel importiertes Öl zu bezahlen, erfüllen wird. Welches politische System würde beim Test seine TÜV-Plakette bekommen? USA? EU? China? Beim Stand der Dinge würde der Prüfer wohl wegen schwerer gefährlicher Mängel dem Systemen in EU+USA die TÜV Plakette verweigern. Liu Xiaobo verherlicht diese untauglichen Systeme, obwohl er doch im einzigen Land lebt, was eine richtige Regierung hat, wo das Primat der Politik über die Wirtschaft gilt, nicht umgekehrt wie in EU+USA wo kurzsichtige Zocker das Primat über die Politik haben. In China reagiert man eben auf das verherrlichen untauglicher Systeme genauso wie in Deutschland auf Wiederbetätigung.
Koltschak 30.03.2011
3. Gut gebrüllt Löwe?
Zitat von founderWir müssen alle mit unseren Autos zur technischen Überprüfung durch den TÜV. Sicherheitsrelevante Bauteile werden überprüft, Mängel festgestellt und deren Behebung befohlen. Aber was wäre, wenn politische Systeme zum TÜV müßten? Wie würde das deutsche oder das US-System abschneuden? In den USA versprechen schon 8 Präsidenten, heute mal wieder Obama, eine Reduktion der Ölabhängigkeit. Ein Versprechen, daß sich wohl durch die Pleite der USA und der eintretenden Unfähigkeit weiter soviel importiertes Öl zu bezahlen, erfüllen wird. Welches politische System würde beim Test seine TÜV-Plakette bekommen? USA? EU? China? Beim Stand der Dinge würde der Prüfer wohl wegen schwerer gefährlicher Mängel dem Systemen in EU+USA die TÜV Plakette verweigern. Liu Xiaobo verherlicht diese untauglichen Systeme, obwohl er doch im einzigen Land lebt, was eine richtige Regierung hat, wo das Primat der Politik über die Wirtschaft gilt, nicht umgekehrt wie in EU+USA wo kurzsichtige Zocker das Primat über die Politik haben. In China reagiert man eben auf das verherrlichen untauglicher Systeme genauso wie in Deutschland auf Wiederbetätigung.
Gut gebrüllt Löwe? Leider das Thema verfehlt. Wenn der Primat der Politik herrscht, wieso darf dann ein Tilman Spengler nicht nach China einreisen, das war und ist die Frage. Und nicht welcher Primat in China gerade herrscht. Hätte Sie auf meine Frage auch eine Antwort?
berliner54 31.03.2011
4. Was wollen uns diese Worte sagen ?
@founder: Was wollen sie uns damit sagen? Ich verstehe kein Wort davon. Es kann keinen TÜV für Gesellschaftssysteme geben, weil es keine Kriterien gibt, nach denen geurteilt werden kann. Und es gibt keine höhere Instanz, die solche Kriterien politisch absichert (der Staat BRD für den Auto-TÜV). Die UNO mit ihrer Menschenrechtskonvention beleuchtet da nur Teilaspekte. Und da schneidet China nun gerade nicht sehr gut ab. Ist Ölabhängigkeit ein Kriterium für die Güte eines Gesellschaftssystems?
area511 31.03.2011
5. Richtig so
Wer einem bekennenden Regierungsumstuerzer (kleiner Unterschied zum Regierungsreformer) unterstuetzt sollte sich nicht wundern wenn es von dieser Regierung nicht willkommen ist und keinen auf Unschuld heucheln.
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