Einweihung in Berlin Ein Mahnmal für verfolgte Homosexuelle

Mit einem Denkmal am Tiergarten wird in Berlin an die von den Nazis verfolgten Homosexuellen erinnert. Kulturstaatsminister Neumann weiht am Dienstag zusammen mit dem Regierenden Bürgermeister Wowereit den Quader ein, in dessen Fenster ein Film mit sich küssenden Männer zu sehen ist.


Berlin - Nach fast zehnjähriger Debatte ist es am Dienstag soweit: Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) übergibt in Berlin das Mahnmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen der Öffentlichkeit. Es befindet sich im Tiergarten gegenüber dem Stelenfeld des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas an der Ebertstraße nahe dem Potsdamer Platz. Als Festredner hat sich unter anderen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) angekündigt

Die Gedenk-Stele entstand nach dem Entwurf des dänisch-norwegischen Künstlerduos Michael Elmgreen und Ingar Dragset. In dem schlichten 3,60 Meter hohen und 1,90 Meter breiten Quader soll in einem Fenster ein etwa anderthalb Minuten langer Film mit zwei sich küssenden Männern zu sehen sein. Der Film soll alle zwei Jahre ausgetauscht werden.

Den Anstoß für das Denkmal gaben der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland und die Initiative "Der homosexuellen NS-Opfer gedenken". Bau und Unterhaltung des Denkmals finanziert mit 600.000 Euro der Bund. Das Land Berlin hat das Grundstück zur Verfügung gestellt.

Als überfälligen Schritt bezeichnete der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, die Denkmalübergabe. Es sei ein "Meilenstein der Erinnerung an die schreckliche Verfolgungsgeschichte". Über 46.000 Menschen seien im Nationalsozialismus als Homosexuelle verurteilt worden, Tausende seien in Konzentrationslagern umgekommen. Nach dem Krieg sei eine Auseinandersetzung mit diesem Teil des NS-Unrechts lange ausgeblieben. Der Strafrechtsparagraf für Homosexuelle sei erst 1994 gestrichen worden.

Barbara Höll von den Linken nannte das Denkmal einen "entscheidenden Schritt in der Anerkennung des Unrechts, das Homosexuelle erlitten haben." Die Bundesregierung solle nun auch den von Rot-Grün gefassten Beschluss umsetzen, das von den Nationalsozialisten zerstörte Institut für Sexualwissenschaften des Wissenschaftlers Magnus Hirschfeld wieder aufzubauen. Hirschfeld war bei der Erstürmung seines Instituts 1933 und der Verbrennung seiner Bibliothek durch die SA nicht in Deutschland. Er kehrte nie zurück und erlag 1935 in Nizza einem Herzleiden.

1999 wurde im Beschluss des Bundestages für das Holocaust-Mahnmal auch der Gedanke eines Denkmals für verfolge Homosexuelle verankert. 2003 beschloss Rot-Grün die Errichtung des Denkmals.

als/AP/ddp



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