Eklat in Frankreich Satiriker tritt mit Holocaust-Leugner auf

Der karibische Komiker Dieudonné hat Frankreich mit einem skandalösen Auftritt geschockt: Für seine One-Man-Show in Paris lud er den Holocaust-Leugner Robert Faurisson ein. Jüdische Organisationen und die Kulturministerin sind entsetzt.


Paris - In Frankreich hat der Auftritt eines mehrfach verurteilten Holocaust-Leugners bei einem Komiker heftige Kritik ausgelöst. Die Dachorganisation der jüdischen Organisationen (Crif) sprach am Montag von einer "Schande" für Frankreich.

Kulturministerin Christine Albanel zeigte sich angesichts der Einladung des Holocaust-Leugners Robert Faurisson durch den karibischen Satiriker Dieudonné "bestürzt". Die sozialistische Opposition bezeichnete den Auftritt als "vulgär" und "bedauerlich".

Dieudonné hatte Faurisson am Freitagabend in Paris vor rund 5500 Zuschauern im Rahmen seines Soloprogramms (Titel: "Ich hab Mist gebaut") einen Preis für "fehlende Gesellschaftsfähigkeit und Unverfrorenheit" verleihen lassen.

Der Preis wurde von einem als KZ-Häftling verkleideten Mitarbeiter übergeben. Bei der Veranstaltung war auch der Chef der rechtsextremen Partei Front National, Jean-Marie Le Pen, anwesend.

Dieudonné hatte wegen israelkritischer Aussagen schon öfter in Frankreich Ärger mit der Justiz bekommen. Faurisson wurde bereits mehrfach wegen der Leugnung des Holocaust verurteilt.

Für den emeritierten Literaturprofessor ist der millionenfache Mord an den europäischen Juden eine Erfindung, die die Deutschen angeblich disziplinieren und der Unterdrückung der Palästinenser dienen soll. Explizit bezeichnete Faurisson die Vernichtungslager als "Fälschung" und "Täuschung für Touristen".

dan/dpa



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