Eklat um Medienpreis ARD und ZDF weisen Auszeichnungen zurück

Eklat um den Medienpreis des Forschungsinstituts "Medien Tenor": ARD und ZDF werden die Preise für ihre aktuellen Sendungen nicht annehmen. Beim ZDF sollte "Berlin direkt" als vielfältigstes deutsches TV-Magazin ausgezeichnet werden. Die ARD sollte einen Preis für die "Tagesthemen" erhalten


Mainz/Bonn - Zur Begründung teilten ARD und ZDF übereinstimmend mit, in der jüngeren Vergangenheit habe es oft genug Anlass gegeben, an den Basisdaten und deren unvoreingenommener Interpretation durch den "Medien Tenor" zu zweifeln. Der ARD-Chefredaktion sei zwar am Freitag noch nichts von dem Preis bekannt gewesen, aber fest stehe bereits, er werde nicht angenommen, hieß es.

Ein Sprecher des Bonner Forschungsinstituts "Medien Tenor" sagte, dass das ZDF erst vor zwei Jahren einen Preis für die Nachrichtensendung "heute" angenommen habe. Außerdem habe der Sender seine Kampagne unter dem Motto "meist zitiert" vor einigen Monaten auf Erhebungen des "Medien Tenor" gestützt.

Von dem Forschungsinstitut waren am Donnerstag neben den "Tagesthemen" und dem "heute-journal" auch die Wochenzeitung "Die Zeit" und die Tageszeitung "Die Welt" mit dem "Reform Media Award" ausgezeichnet worden. "Die Journalisten der prämierten Medien haben die Menschen am intensivsten und vielseitigsten über die wichtigen Reformthemen Rente, Gesundheit, Arbeitsmarkt, Bildung, Haushalt und Steuern informiert", begründete Wolfgang Stock, Chefredakteur des Instituts, die Vergabe der Preise.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") wurde zum "Agenda Setter of the Year" gekürt. Die "FAZ" habe bei den Themen Rechtschreibreform und demographischer Wandel wichtige Impulse gesetzt, begründete das Institut die Entscheidung.

Als beste Fernsehnachrichten weltweit zeichnete "Medien Tenor" das tschechische "Ceska TV" aus. Der Preis für Online-Medien ging an die Website der Washington Post. "The Wall Street Journal Europe" gewann den Preis der "Global Business Media" und konnte damit in dieser Kategorie die "Financial Times" als bisher ständigen Sieger ablösen.

Die Preise für die beste Kommunikation erhielten die Analysten der Unternehmen HypoVereinsbank, General Motors und Siemens sowie des Fußballclubs Werder Bremen und das Bundesland Baden-Württemberg. Ein Special Award ging außerdem an die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, deren Arbeit das Forschungsinstitut nun ein Jahr lang unterstützen wird.



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