Eliassons Kunst in New York Wasserfall von der Brooklyn Bridge

Die Stadt New York plant in diesem Sommer ein Kunstprojekt der Superlative, das vor allem eines werden soll: ein Magnet für Touristen. Vier gigantische Wasserfälle sollen 55 Millionen Dollar Mehreinnahmen bringen - Christo lässt grüßen.


Es ist ein Bild, das aus einem Science-Fiction-Film stammen könnte: Da ergießt sich eine unfassbare Wassermaße aus 40 Metern Höhe scheinbar direkt von der Brooklyn Bridge hinab in den East River. Mehr als 25 Meter breit ist der Wasserstrom, der dort donnern wird - und nur einer von vier spektakulären künstlichen Wasserfällen, die von Juli bis Oktober das Gesicht von Brooklyn und Manhattan verändern werden.

Kunst ist das, keine Frage, so wie Christos Verhüllungen von Gebäuden, so wie seine Tausende safrangelbe Tore, die er 2005 im Central Park aufstellte. Die poetische Landschaft-verändernde Aktion gilt als eine der erfolgreichsten Kunstaktionen des Verhüllungskünstlers.

In New York hatte er viele Jahre für eine Genehmigung kämpfen müssen: Bereits 1979 stellte er den ersten Antrag, erst 2005 konnte er seine Vision verwirklichen.

Die Verwaltung der Stadt hat aus Christos Erfolg gelernt. Mehr als 1,5 Millionen Kunst-Touristen zogen damals nach New York, um sich "The Gates" anzusehen. Das künstlerische Spiel mit dem Gesicht einer Stadt verspricht Erfolg - und Geld: 15 Millionen Dollar wird nun die Wasserinstallation des in Berlin lebenden Dänen Olafur Eliasson kosten, 55 Millionen Dollar soll sie in die Stadt spülen.

Eliasson ist ein Künstler, dessen Projekte Millionen anziehen können: Die Ausstellung seines "Weather Project" lockte 2003 mehr als zwei Millionen Besucher in die Londoner Tate Gallery of Modern Art. Weniger sollen es auch in New York nicht werden, und dafür ist die Stadt bereit, einiges zu unternehmen - bis hin zu "kostenlosen oder preisreduzierten Bootsrundfahrten" hin zu den Wasserfällen, so die stellvertretende Bürgermeisterin Patricia Harris auf einer Pressekonferenz Mitte der Woche. Für sie ist das alles vor allem ein wirtschaftliches Thema, eine Fördermaßnahme für Restaurant-, Hotel- und andere Umsätze.

Bürgermeister Michael Bloomberg verweist dagegen auf den Wert von Projekten, die Kunst in den öffentlichen Raum tragen: So etwas unterstütze der Public Art Fund der Stadt seit 30 Jahren, die "Waterfalls" würden zu einem weiteren Höhepunkt.

Massenattraktion mit Hintersinn

Für Eliasson stellen die Wasserfälle Blickfänge da, die die dicht besiedelte und industrialisierte Stadtlandschaft neu interpretierten, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf die phantastischen Umfelder lenkten, in denen sie präsentiert werden. Eliasson: "Das wird den Menschen die Möglichkeit geben, ihre Beziehung zu diesem phantastischen Umfeld zu überdenken, und ich hoffe, dass es für sie ein sowohl persönliches als auch ein kollektives Erlebnis wird."

Kollektiv klingt auch für Bürgermeister Bloomberg gut, den es verspricht Kollekte - die Stadt wird das Ihrige tun, um es zu einem Großereignis erster Güte zu machen: Schon werden Karten zur kostenlosen Verteilung produziert, auf denen Aussichtspunkte und Radwanderwege zur Erschließung der Wasserfall-Landschaft empfohlen werden.

Das Ganze ist nicht zuletzt eine Ingenieursleistung, wie der Verweis darauf klarmacht, dass die Aussichtsboote leider nicht zu nah an die Wasserfälle heranfahren könnten: Die Wassermassen, so Eliasson, könnten ein Boot zum Sinken bringen. Konstruiert werden die Pumptürme, über die sich das Wasser zurück in den Fluss ergießt, aus Stahlträger-Gerüsten, wie sie in New York "allgegenwärtig" seien - die Einbindung industrieller Elemente ist typisch für Eliasson.

Auch die Wasser-Fauna muss vor seinem Projekt geschützt werden: Netze sollen verhindern, das Fische von den gigantischen Pumpen angesaugt würden, die das Wasser erst in 30 bis 40 Meter Höhe hinausbefördern.

Die allerdings sollten mit erneuerbarer Energie gespeist werden, beeilt sich Eliasson zu versichern. Auch die nächtliche Illumination der Wasserfälle werde eher sparsam ausfallen, definitiv nicht im "Stil von Las Vegas".

pat



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