Maler und Bildhauer Ellsworth Kelly ist tot

Geometrische Formen und farbige Flächen: Der amerikanische Künstler Ellsworth Kelly zählte zu den renommiertesten Vertretern der abstrakten Malerei. Nun ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.

DPA

Wenige Wochen vor seinem Tod besuchte eine Reporterin des britischen "Guardian" den Künstler Ellsworth Kelly in seinem Studio in Spencertown im Staate New York. Er steckte noch voller Pläne, insbesondere der Entwurf einer konfessionslosen Kapelle beschäftigte ihn, in deren Design sich die bunten Farben und geometrischen Formen, die sein Werk prägten, wiederfanden.

Das Refugium in Spencertown hatte Kelly in den Siebzigerjahren bezogen, dort lebte er zusammen mit seinem Partner, dem Fotografen Jack Shear, zwei Autostunden nördlich von der Hektik der Kunstmetropole New York, in der Ellsworth Kelly gefeiert wurde für seine abstrakte Malerei und Bildhauerei.

Am Pratt Institute in New York hatte der 1923 geborene Kelly Kunst studiert, doch nach nur drei Semestern meldete er sich 1943 freiwillig für den Kampf im Zweiten Weltkrieg, wo er einer Täuschungseinheit der US-Armee angehörte. Nach einigen Semestern in Boston kehrte Ellsworth Kelly 1948 nach Europa zurück - er schrieb sich an der École des Beaux-Arts in Paris ein, begegnete berühmten Künstlern wie Picasso oder Mirò und war auf der Suche nach seiner eigenen künstlerischen Form.

Mit seinem "Window", rechteckigen Formen in weiß und grau, machte er 1949 den entscheidenden Schritt zur Abstraktion hin, die sein Werk in der Folge prägen sollte. Während Ellsworth Kelly in der Metropole des alten Europa war, boomte in den USA der abstrakte Expressionismus, zu dem Kelly zwar stets kritische Distanz hielt, in dessen Kontext sein Werk aber bald hohes Ansehen gewann. Kelly zog nach New York, und schon 1959 stellte er im Museum of Modern Art aus.

Einer der Stile, mit dem Ellsworth Kelly assoziiert wurde, war der sogenannte Hard Edge: abstrakte Darstellungen mit klaren Linien und wenigen, unvermischten, stark akzentuierten Farben. Ein weiteres Genre, für das sein Werk ein wichtiges Beispiel abgibt, ist die Farbfeldmalerei. Kelly malte, schuf aber auch Skulpturen.

Ellsworth Kelly wurde mit zahlreichen Preisen für sein Werk belohnt, darunter 2000 der Praemium Imperiale, eine der weltweit höchsten Auszeichnungen auf dem Gebiet der Kunst. 2013 verlieh ihm Barack Obama die National Medal of Arts der Vereinigten Staaten. Auch in Deutschland wurde sein Werk geschätzt und in mehreren Ausstellungen präsentiert: Die "Welt" nannte Kelly "einen der letzten Helden der Nachkriegsmoderne" und ließ ihn 2011 eine Zeitungsausgabe gestalten.

Der "Guardian"-Reporterin, die ihn im Herbst besuchte, sagte Ellsworth Kelly, er würde gerne noch 15 Jahre leben - doch das war ihm nicht vergönnt, was der seit 2010 an einer Herz-Lungen-Insuffizienz leidende Künstler natürlich ahnte. Wie die "New York Times" am Montag berichtete, starb Kelly am Sonntag in seinem Haus in Spencertown bei New York. Er wurde 92 Jahre alt.

feb/dpa/Reuters



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