Frankreich Macron will Baguette zum Unesco-Kulturerbe erklären lassen

Nach der neapolitanischen Pizza und deutschem Orgelbau will Frankreichs Präsident Macron auch eine Spezialität seines Landes auf der Liste der Unesco-Kulturerbe sehen: die weltberühmte Weißbrotstange.

Französischer Bäcker
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Französischer Bäcker


Der stereotype Franzose kommt nicht nur mit einer Baskenmütze und Ringelpullover daher, sondern trägt meist auch noch ein Backwerk unterm Arm: das Baguette. Dem Brot soll nun auch internationale Anerkennung zuteil werden. In einem Interview mit dem Sender Europe 1 hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gefordert, das französische Baguette ins immaterielle Kulturerbe aufzunehmen. "Man muss seine Exzellenz und das Können bewahren, und deshalb muss es ins Welterbe aufgenommen werden", sagte er.

Damit unterstützte Macron eine Forderung des Chefs des französischen Bäcker- und Konditorverbandes. "Ich kenne unsere Bäcker", sagte Macron: "Sie haben gesehen, dass die Neapolitaner es geschafft haben, ihre Pizza ins Welterbe der Unesco aufzunehmen. Also sagen sie sich: Warum nicht das Baguette? Und sie haben Recht." Aus Deutschland stehen bereits unter anderem das Genossenschaftswesen, die Falknerei sowie Orgelbau und Orgelmusik auf der Liste des immateriellen Kulturerbes.

Die Unesco schützt nicht nur Kulturgüter, sondern auch immaterielles Kulturerbe - Tanz, Theater und Musik, aber auch Handwerk, Traditionen und Bräuche aus allen Weltregionen. Das "Pizzaiuolo", die Kunst des Pizzabackens, wurde Anfang Dezember aufgenommen. "Vittoria!", twitterte der italienische Minister für Landwirtschaft und Ernährung, Maurizio Martina:

Ein Mal im Jahr tagt ein Gremium aus Vertretern von 24 Ländern, das über die Aufnahme neuer Kulturformen entscheidet. Im vergangenen Jahr waren 23 Anträge auf Aufnahme in die Unesco-Liste eingegangen, sechs traditionelle Fertigkeiten wurden bisher als "dringend erhaltungsbedürftig" erklärt:

  • die Dikopelo-Musik der Landbevölkerung von Botswana
  • die Arbeitslieder der Llaneros aus Kolumbien und Venezuela
  • der Taskiwin, ein Kampftanz aus dem Hohen Atlas in Marokko
  • die Verehrung heiliger Stätten der Nomaden in der Mongolei
  • die Pfeifsprache aus dem bergigen Nordosten der Türkei
  • der traditionelle Poesievortrag al-Azi in den Vereinigten Arabischen Emiraten

vks/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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gersois 13.01.2018
1. Inflation
Was alles so zum Weltkulturerbe gehören soll! Der Wert wirklich großer kultureller Leistungen wird durch die vielen kleinen "Kulturleistungen" doch nur herunter gezogen. Na, wenn Macron nichts anderes zu bieten hat. Was soll denn zum Kulturerbe werden, die Form, das Teigrezept ...? Eigentlich stammt das Baguette wie das Croissant wohl aus Österreich, nach anderen Quelle vielleicht aus Polen. In Spanien wird die Weißbrotstange als Barra gern gekauft und gegessen. Typisch französisch also?
chrismuc2011 13.01.2018
2.
Ich wäre dafür. Unter der Bedingung, dass die Rezeptur frei gegeben wird und wir endlich auch in Deutschland diese leckeren Baguettes bekommen würden. Wobei das Problem wohl eher sein wird, dass das Baguette in Frankreich ja sehr frisch ist, weil es mehrmals am Tag frische gebacken wird. Und bei uns eben nicht.
karlsiegfried 13.01.2018
3. Die Rezeptur ist bekannt
Bloss die Bäcker backen nicht danach. Ob das allderdings ein Kulturgut sein soll, mag dahin gestellt sein. Herr Macron jedenfalls ist kein Kulturgut. Er ist eine vorübergehende Erscheinung.
steffen.ganzmann 13.01.2018
4. Das ist doch kein Problem:
Zitat von chrismuc2011Ich wäre dafür. Unter der Bedingung, dass die Rezeptur frei gegeben wird und wir endlich auch in Deutschland diese leckeren Baguettes bekommen würden. Wobei das Problem wohl eher sein wird, dass das Baguette in Frankreich ja sehr frisch ist, weil es mehrmals am Tag frische gebacken wird. Und bei uns eben nicht.
Eine Bäckerei in Freiburg versuchte vieles, aber *das* Baguette gelang einfach nicht! Dann kam der "Aha.Effekt", der Bäcker besorgte aus dem Elsass französisches Mehl. Und genau *das* war es, in Freiburg zumindest bekommt man originalschmeckendes Baguette ...
brux 13.01.2018
5. Autsch
Ich lebe als Deutscher in Frankreich und vermisse zwei Dinge: Anständiges Bier und anständiges Brot. Es ist mir total unklar wie man Brot ohne seine wesentlichen Bestandteile machen kann. Ein Baguette ist ausserdem schon nach ein paar Stunden hart und ungeniessbar.
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