Umstrittene Morricone-Zitate "Playboy" räumt Fehler in Interview ein

Im aktuellen "Playboy" ist zu lesen, wie Ennio Morricone gegen Regisseur Tarantino wettert. Doch der Filmmusikkomponist will das nicht gesagt haben. Der Verlag stellte sich hinter den Interviewer - bis jetzt.

Florian Boitin, Chefredakteur des deutschen "Playboy"
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Florian Boitin, Chefredakteur des deutschen "Playboy"


Es ist starker Tobak, den der legendäre Filmmusikkomponist in einem aktuellen "Playboy"-Interview gegen den Regisseur Quentin Tarantino und die Oscars auffährt. Der Filmemacher sei ein "Kretin" und "Chaot" ohne eigene Ideen, die Oscars eine peinliche Veranstaltung, ist da zu lesen. Doch Morricone verwehrte sich umgehend gegen die Aussagen und kündigte juristische Schritte an. Der Playboy konnte die ganze Aufregung nicht verstehen und zeigte sich "irritiert" von den Anschuldigungen Morricones. Nun rudert Chefredakteur Florian Boitin zurück.

"Der freie Autor, der das Interview mit Ennio Morricone für uns geführt hat, war uns bislang als renommierter Print- und Hörfunkjournalist bekannt. Es gab für uns in der Vergangenheit keinen Anlass, an seiner journalistischen Integrität und seinen Fähigkeiten zu zweifeln", heißt es in einem Statement Boitins, das SPIEGEL ONLINE vorliegt.

"Nach jetzigem Kenntnisstand müssen wir jedoch leider davon ausgehen, dass das im Interview gesprochene Wort von ihm in Teilen nicht korrekt wiedergegeben wurde. Wir bedauern, wenn Herr Morricone dadurch in ein falsches Licht gerückt worden sein sollte." Die Redaktion arbeite weiter an der Aufklärung des Sachverhalts und prüfe rechtliche Schritte.

Morricone zählt zu den bedeutendsten Filmmusikkomponisten. Soundtracks zu dem Italo-Western "Spiel mir das Lied vom Tod" und dem Film "Für ein paar Dollar mehr" machten ihn zur Legende. Für die Filmmusik für Tarantinos "The Hateful Eight" erhielt er vor zwei Jahren einen Oscar. Schon 2013 hatte er für den Western "Django Unchained" mit Tarantino zusammengearbeitet. Insgesamt komponierte Morricone mehr als 500 Filmsoundtracks.

Nachdem der 90-Jährige am Wochenende von dem Interview, das nur in der deutschen Ausgabe erschienen ist, Kenntnis bekommen hatte, veröffentlichte er selbst ein Statement. Darin stellte er klar, wie sehr er Tarantino schätze, ebenso wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences, der er zwei Oscars zu verdanken habe.

brs



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