Entführungsdrama Presserat prüft "Bild"-Schlagzeile

"Wird sie geköpft?", titelte die "Bild"-Zeitung gestern anlässlich der Entführung von Susanne Osthoff im Irak. Die Antwort kam in Form von Beschwerden. Die gingen beim Deutschen Presserat ein, der den Fall jetzt prüft.


München - Sechs Beschwerden seien beim Deutschen Presserat eingegangen, erklärte Referent Arno Weyand heute. Allerdings werde sich das Wächtergremium der Presse voraussichtlich erst in der zweiten Januarhälfte mit der Schlagzeile beschäftigen. Danach werde sich dann entscheiden, ob es zu einem offiziellen Beschwerdeverfahren kommt.

Scharfe Kritik an dem Titel, der direkt unter einem Standbild aus dem Bekennervideo und einem Porträt der 43-jährigen Archäologin in großen Lettern die Frage stellt "Wird sie geköpft?" hatte unter anderem der Diözesanrat des Erzbistums München und Freising geübt. Das höchste Laiengremium der Erzdiözese warf den "Bild"-Verantwortlichen vor, sie hätten damit "effekthascherisch" und "unter bewusster Missachtung der Menschenwürde" die Auflage steigern wollen.

Weyand betonte, sollte es nach der Vorprüfung im Januar tatsächlich zu einem Beschwerdeverfahren kommen, werde dazu auch die "Bild"-Zeitung angehört. Ein solches Verfahren könnte dann erst im März auf der nächsten Sitzung des Beschwerdeausschusses behandelt werden.

Die Mutter der im Irak als Geisel genommenen Bayerin, Ingrid H., ist "geschockt" über die Form der Berichterstattung in einigen Medien. Es sei ein "Wahnsinn", das Schicksal ihrer Tochter so auszuschlachten, sagte H. heute der Nachrichtenagentur ddp in Rott am Inn. Sie appellierte an die Medien, bei der Berichterstattung über die Entführung "ein bisschen Sensibilität" zu wahren.



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