"Er war einfach überfordert" Eva Herman attackiert Kerner

Eva Herman macht Johannes B. Kerner für den Eklat in seiner Talkshow verantwortlich. Der Moderator sei "einfach überfordert" gewesen, als er das Gespräch mit ihr vorzeitig beendete, behauptet die frühere "Tagesschau"-Sprecherin.


Hamburg – Vor dem Rauswurf durch Kerner habe sie "die ganze Zeit vorher überlegt, ob ich selbst das Studio verlasse", behauptet Herman in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. "Aber ich befürchtete den Vorwurf, dass ich ausweichen oder mich nicht stellen würde", wird die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin zitiert.

Kerner hatte in der vergangenen Woche während der Aufzeichnung der ZDF-Talkshow das Gespräch mit Herman vorzeitig beendet. Er hatte die 48-Jährige zuvor immer wieder gefragt, ob sie ihre in die Kritik geratenen Äußerungen zu den familiären Werten im Nationalsozialismus heute so wiederholen würde.

"Ich glaube, er war einfach überfordert", sagt die Ex-Moderatorin über Kerner. "Was letztlich daraus wurde, hat Johannes Kerner ganz allein zu verantworten." Die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin hatte wegen missverständlicher Äußerungen über Hitlers Familienpolitik auch ihren Job beim NDR verloren.

"Als Johannes Kerner mich dann verabschiedete, war ich auch ein Stück erleichtert - weil damit ein fast einstündiges Entsetzen beendet wurde", sagte Herman in dem Interview weiter. Eine Rückkehr ins Fernsehen strebe sie zunächst nicht an. Dagegen werde sie "ganz sicher" ein weiteres Buch schreiben. Über den Inhalt wolle sie noch nicht sprechen. "Aber es wird ganz sicher interessant."



Die ehemalige Moderatorin war von Kerner des Studios verwiesen worden, nachdem sie sich geweigert hatte, ihre umstrittenen Äußerungen zur den familiären Werten im Dritten Reich zurückzunehmen. Stattdessen hatte Herman ergänzt, wenn man nicht über die Familienwerte der Nazis reden dürfe, könne man auch nicht über die Autobahnen sprechen, die im Dritten Reich gebaut wurden.

Kerner schickte Herman daraufhin hinter die Kulissen. "Ich habe mir Gedanken gemacht, wie es weitergeht. Ich entscheide mich für die anderen drei Gäste und verabschiede mich von Eva Herman", sagte der Moderator. Mit in der Gesprächsrunde saßen die Schauspielerin Senta Berger, der Comedian Mario Barth und die ehemalige Moderatorin Margarethe Schreinemakers, die Herman zuvor alle für ihre Position kritisiert hatten.

Eva Herman war nach ihren umstrittenen Worten zu den Familienwerten im Dritten Reich zuvor bereits vom NDR entlassen worden. Die Diskussion heizte sich noch mehr auf, als die Buchautorin und Journalistin bei einem Auftritt vor dem Katholikenkongress für ihre Position gelobt wurde. Der Zentralrat der Juden bezeichnete die Reaktion der katholischen Kirche als "Ohrfeige für all diejenigen, die sich über 60 Jahre in der Verarbeitung der Nazi-Diktatur engagiert haben".

Lauten Zuspruch für ihre Äußerungen bekam Eva Herman nach dem ZDF-Auftritt von rechten Parteien. Die DVU wollte sogar für die ehemalige Moderatorin demonstrieren. Die konservative Zentrumspartei erklärte Herman zur politischen Galionsfigur. "Frau Herman ist unsere Traumkandidatin für die Bürgerschaft", so der frühere Hamburger Innensenator Dirk Nockemann. Der ehemalige Weggefährte des Rechtspopulisten Ronald Schill steht heute an der Spitze der Zentrumspartei.

als/ddp/dpa



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